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Wie steht es heute um den Arbeitsmarkt in Portugal?

Kurz gefasst, sieht es auf dem Arbeitsmarkt in Portugal wie folgt aus: hohe Arbeitslosigkeit (in den meisten Fällen für eine sehr lange Zeit); zwar besser qualifizierte Arbeitskräfte als in der jüngsten Vergangenheit, aber noch weit ab vom EU-Durchschnitt; eine tolerierbare Produktivität (etwa die Hälfte des europäischen Durchschnitts); fast eine Million Menschen mit aufeinanderfolgenden, befristeten Verträgen oder mit “falschen Quittungen (recibos verdes)”; insgesamt zu niedrige und vor allem äußerst uneinheitliche Löhne.
Ein Viertel der Arbeitslosen ist schon länger als zwei Jahre nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt tätig. Es gibt für diese Menschen “kaum” eine Chance, in das Arbeitsleben zurückzukehren, besagt die Studie.
Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern verdient man in Portugal “schwarz” mehr Geld, als wenn man im Rahmen des Gesetzes arbeitet. Obwohl es fast unmöglich ist zu sagen, wie viele Arbeitnehmer illegal beschäftigt sind, ist bekannt, dass die meisten dieser Menschen Arbeitslose, illegale Einwanderer oder Selbständige sind. Diejenigen, die sie engagieren, sagen, dass es so billiger, schneller und besser ist.
Bezüglich der beruflichen Ausbildung geben die Verfasser der Studie zu, dass es eine “Kluft zwischen der anerkannten Ausbildung und den Bedürfnissen und Fähigkeiten für die Integration in den Arbeitsmarkt” gibt. Daher scheitern viele Menschen nach der Kursteilnahme im Arbeitsleben und schreiben sich in andere Kurse ein, um am Ende des Monats die Arbeitslosenunterstützung zu erhalten.
Von Januar bis November 2009 haben 281.599 Personen eine berufliche Weiterbildung gemacht. Während des gesamten Jahres 2009 blieb über die Hälfte der 123.000 offenen Stellen unbesetzt.
Andererseits verspricht ein Hochschulabschluss ein gewisses Maß an Hoffnung (die Beschäftigungsquote dieser Menschen liegt bei etwa 80 Prozent, und im letzten Jahr gehörten sie zu der einzigen Sparte, in der die Arbeitslosigkeit gesunken ist). Man kann aber nicht wissen, welche Art der Beschäftigung Erfolg haben wird - nicht zuletzt, weil qualifizierte Arbeitskräfte schon heute zu den flexibelsten zählen und den größten Unsicherheiten unterliegen.
Der Studie zufolge arbeiten zwei von zehn Menschen zwischen 25 und 34 Jahren mit Hochschulbildung in Berufen, die eine geringere Qualifikation erfordern. Diese bezeichnen die Autoren als “überqualifiziert”. Die Hochschulabsolventen arbeiten auch häufiger saisonal, ohne schriftlichen Vertrag.
Im Durchschnitt verbringen die Portugiesen 38,2 Stunden pro Woche bei der Arbeit. Im Jahr 2008 brachte jede Stunde, die in Portugal gearbeitet wurde, etwas mehr als die Hälfte (55,6 Prozent) des durchschnittlichen Stundenlohnes der fünfzehn EU-Mitgliedstaaten ein.
Neben der geringen Qualifikation der Arbeitnehmer und Unternehmer im Allgemeinen, macht die Studie den Fakt verantwortlich, dass Unternehmen unter wenig Einbeziehung des Wissens und der Wirtschaft tätig sind. Außerdem werden die Staatsbürokratie und das schlecht funktionierende Justizsystem als Ursache aufgezeigt.
Männer verdienen immer noch mehr als Frauen, und die 20 Prozent, die den höchsten Lohn mit nach Hause nehmen, verdienen sechs Mal mehr als die 20 Prozent mit dem geringsten Einkommen. Diese Indikatoren machen Portugal zu einem der Länder Europas mit der divergentesten Einkommensverteilung.
Die Studie zeigt keine Lösungen auf, sondern sieht eine Katastrophe kommen. Wenn alles so weiter läuft wie bisher, ist Portugal im Jahr 2020 ein Land, das von den Normen der Europäischen Union stark abweicht. In zehn Jahren hat die Mehrheit der Bevölkerung (64 Prozent) niedrige Qualifikationen (entgegen 16,2 Prozent der EU) und nur eine Minderheit (17,6 Prozent) mehr Kompetenzen (zu 33 Prozent in Europa).








