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Ausgabe 714
2012-02-02 > 2012-02-08
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Einfache Unmöglichkeiten

Es ist normal, dass jemand in einer außergewöhnlichen Situation, in einem Augenblick der Ratlosigkeit, eine sozial weniger korrekte Tat begeht, wie zum Beispiel das Abstellen des Fahrzeuges auf einem Parkplatz für Schwangere oder Menschen mit Behinderungen oder gar auf einem Zebrastreifen.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 612 ( 4 Feb 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Es sollten nur diejenigen Moral predigen, die so etwas niemals getan haben.

Nicht mehr normal ist es, wenn dieses Verhalten zur alltäglichen Routine wird. Aber leider ist das bei einigen Menschen der Fall - ohne Gewissensbisse.

Während die Behörden damit beschäftigt sind, Nutzfahrzeugen Geldstrafen aufzubrummen, weil eine Farbdose zu wenig auf der Transportliste aufgeführt ist, herrscht auf den Parkplätzen der meisten Supermärkte, die die Algarve und ganz Portugal zeitgemäß verschönern, das Gesetz des Dschungels.

Während der Wallfahrten zu den Konsumkathedralen an den Wochenenden geht alles. Vor kurzem berichtete uns eine schwangere Leserin aus einer dieser Oasen der neuen portugiesischen Wirtschaft, dass sie einen Herrn, mit mindestens genau so großem Bauch wie dem ihren, freundlich darum bat, sein Auto von dem ihr gesetzlich zustehenden Parkplatz zu entfernen. Sie hatte Glück, ihn anzutreffen, denn in den meisten Fällen sind die Plätze einfach besetzt.

Der Herr erklärte sich widerwillig einverstanden und fuhr seinen Wagen langsam unter leisem Gemurmel von Schimpfworten und Beschwerden von dem Parkplatz. Noch bevor er ganz ausgeparkt hatte, kam ein anderes Fahrzeug und parkte daneben.

Die Fahrerin und ihr jugendlicher Sohn wirkten nicht so, als wären sie in irgendeiner Weise körperlich eingeschränkt und freuten sich darüber, einen Parkplatz so nah an der Tür erwischt zu haben. Wen juckt es, dass es sich dabei um einen Behindertenparkplatz handelt?

Tatsächlich sind diese Plätze oft den ganzen Tag von Autos sogenannter “normaler” Personen belegt, eine Tatsache, die das Leben der Menschen mit physischen Einschränkungen erschwert. Konsequenzen? Die illegalen Parker werden selten für den Missbrauch zur Rechenschaft gezogen. Vielleicht, weil es dem Geschäft schadet?

Eine alte Weisheit besagt, dass der Grad an Kultur und Zivilisation einer Gesellschaft sich daran misst, wie ihre schwächsten Mitglieder behandelt werden.

Heute stellt sich diese Frage nicht mehr, weil es einfach immer weniger Platz für diejenigen gibt, die Verwundbarkeiten aufweisen (physische, mentale, soziale, ökonomische, etc).

Der Grad der Zivilisation misst sich an der Fähigkeit jedes einzelnen Individuums, seinesgleichen auf die Füße zu treten. Die Kehrseite ist, dass diejenigen, die sich so verhalten, nicht bemerken, dass sie sich letztlich selbst niedertrampeln...

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