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Ausgabe 729
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Bruno Filipe Pires, Ausgabe 608 ( 7 Jan 2010), Ohne Kommentare »

Es war nicht einmal 10 Uhr morgens des letzten Tages des Jahres 2009. Ich war gerade dabei, meine Kreditkarte der Kassiererin einer Supermarktkasse zu überreichen, als mir eine Schlange Menschen auffiel, die (un-)geduldig auf die Öffnung eines Handygeschäftes warteten. Es waren zig und alle sehr unterschiedlich.

Das Geschäft öffnete, und die Schlange schob sich vorwärts. Die Abhängigkeit von neuen Technologien ist keine Fiktion und auch kein akademisches Testobjekt. Sie ist Alltag. Ironischerweise verbrachte ich einige Stunden später die ersten Sekunden des neuen Jahres selbst bei einer Videokonferenz via Skype mit Familie und Freunden im Ausland, tausende Kilometer weit weg - kostenlos.

2010 kann sich bereits jeder verschiedene Existenzen schaffen. Ein digitales Leben, wie es ganz selbstverständlich zur Realität wurde, war bis vor kurzem undenkbar, aber “soziale Netzwerke” (Facebook, Twitter, hi5) ermöglichen es. Wer mit seinem (analogen) Leben nicht zufrieden ist, kann es durch ein digitales ersetzen (Second Life). Sich frei zu äußern (zum Beispiel in einem Blog) ist heute ebenso selbstverständlich, banal, normal für Millionen Menschen auf der ganzen Welt - vor allem aber für die jüngere Generation.

Noch bevor das Jahr 2009 endete, gab Jimmy Wales, Gründer von Wikipedia (freie Enzyklopädie im Internet) bekannt, dass er es geschafft hat, 7,5 Millionen Dollar zusammen zu kriegen, um die Seite in Betrieb zu halten. Das Geld wird genutzt, um die Operationskosten der Firma zu decken, einer non-profit Organisation, die die Wartung der Server und die Erweiterung der Bandbreite beinhaltet.

Seit der Gründung im Jahr 2001, wurde Wikipedia von freiwilligen Helfern in der ganzen Welt geschrieben und aktualisiert. Mehr als 340 Millionen Menschen nutzen es pro Monat - fast ein Drittel der Weltbevölkerung mit Zugang zum Internet. Heute verfügt es über 3.147.160 Millionen Einträge und belegt damit Platz sechs der meistbesuchten Websites der Erde.

“Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder freien Zugang zum gesamten menschlichen Wissen hat”, sagt Wales. Ein Traum? Heute ist es nicht einmal mehr nötig, einen Internet-Anschluss zu besitzen. Für 99 Dollar gibt es ein kleines elektronisches Gerät zu kaufen, in dem man in 3 Millionen Wikipedia-Artikel nachlesen kann. Es nennt sich «WikiReader», bietet einen einfachen Tastbildschirm, drei Knöpfe und benötigt zwei Batterien.

Und so wie Informationen heute wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit verfügbar sind, so ist auch die Identität eines jeden von uns immer weniger privat.

Microsoft hat kürzlich ein neues Werkzeug zur Verfügung gestellt, das das Web durchkämmt und eine Zusammenfassung sämtlicher Informationen, die über Internetnutzer zu finden sind, aufbaut - sozusagen ein Wikipedia über Normalbürger.

«EntityCube» befindet sich noch in der Testphase, aber das Ziel ist, ausgehend von den Daten, die im Netz zu finden sind, eine Minibiografie über Leute zu schaffen, mit einer Grafik zu ihrem sozialen Netzwerk und sämtlichen online Aktivitäten. Der Firma von Bill Gates zufolge, dient die Seite dazu, Informationen über einen jeden zu finden, nicht nur über die, die berühmt sind…

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