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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Die Perspektive der Bürger

Unzulängliche Demokratie

Vor wenigen Tagen, präsentierte ein Team von Wissenschaftlern des Instituts für Sozialwissenschaften, in Lissabon, die Studie «Die Qualität der Demokratie in Portugal: die Perspektive der Bürger» – die von nun an alle zwei Jahre stattfinden wird. Die Schlussfolgerungen basieren auf den Antworten von 1.207 volljährigen Befragten und stammen aus dem Juli 2011.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 713 (26 Jan 2012), Ohne Kommentare »

Die erste große Überraschung ist, dass nur 56% der Befragten die Demokratie jeder anderen Regierungsform bevorzugen. Und mehr noch: 15% meinen, dass, unter bestimmten Umständen, ein autoritäres Regime vorzuziehen ist!

Für die Teilnehmer der Umfrage hat die portugiesische Demokratie wie es aussieht diverse Mängel: Das mangelnde Vertrauen in Politiker/ Regierung liegt an der Spitze der Liste (19%), gefolgt von ineffektiven Politikern (11%), sozialer Ungleichheit (10%), Korruption (10%), Krise (5%), Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen (5%) und schlecht funktionierende Demokratie (5%).

Für 37% ist die Arbeitslosigkeit eines der Hauptprobleme der portugiesischen Gesellschaft von heute. Armut und soziale Ausgrenzung (16%), die Staatsverschuldung (3%), das Wirtschaftswachstum (11%), Kriminalität (8%), Steuern (6%), die Zukunft des öffentlichen Gesundheitswesens (4%) und die Beständigkeit Portugals innerhalb des Euros (2%) sind die Statistiken, die folgen.

Mehr als 75% der Befragten stimmen Sätzen zu, wie „Politikern geht es nur um ihre eigenen Interessen“, „politische Entscheidungen in unserem Land werden vor allem zugunsten der großen wirtschaftlichen Interessen gefällt“ und „Politiker sind nicht an dem interessiert, was Leute wie ich denken“.

Nach den politischen Führern wird die Demokratie wegen der Gerechtigkeit als mangelhaft betrachtet. 59% der Befragten glauben nicht, dass alle Bürger, unabhängig von ihrem wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Status, gleich behandelt werden. Und die Mehrheit (54%) sagt auch, dass Entscheidungen in der Justiz so langsam ablaufen, dass es sich nicht lohnt, vor Gericht zu gehen.

Bisher war, laut dieser Studie, der Präsident der Republik derjenige, der am ehesten im Einklang mit den Anliegen der Portugiesen (22%) ist. Klar, dass dieses Gefühl wahrscheinlich nach dem Ausrutscher dieser Wocher nie wieder das gleiche sein wird...

Und gibt es Hoffnung? Zumindest einen Hoffnungsschimmer. Die Befragten fühlen sich durch soziale Protestbewegungen am besten vertreten (11,9%), gefolgt von den Parteien (10,3%), Gewerkschaften (9,5%), Kirche (7,3%) und Bürgermeister (2,7%).

Der Koordinator der Studie, António Costa Pinto, hebt eine Schlussfolgerung hervor: „ein starkes parteifeindliches politisches Gefühl beginnt sich in der portugiesischen Gesellschaft zur konsolidieren.“

Diese Studie wurde mit der Unterstützung der luso-amerikanischen Stiftung für Entwicklung und der Calouste-Gulbenkian-Stiftung erhoben und kann auf der Website http: www.bqd.ics.ul.pt eingesehen werden.

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