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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Alle sind über die Sparmaßnahmen sehr erschrocken. Alles in allem gibt es aber keinen Grund zur Sorge. Der Plan der Regierung ist sehr gut durchdacht – bis ins kleinste Detail!
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 700 (20 Okt 2011), Ohne Kommentare »

Betrachten wir ein Beispiel: Wasser in Flaschen wird teurer (Mehrwertsteuererhöhung). Das ist voll gerechtfertigt, weil es ein Luxus-Produkt ist. Wie Schmuck oder vergoldete Schreiber. Brunnen mit kostenlosem, frischem Trinkwasser gibt es in jedem portugiesischen Ort, ob Stadt oder Dorf, an jeder Ecke! Darüber hinaus können wir auch in einen der China-Läden gehen, um Plastikflaschen zu kaufen, die wir zu Hause mit Leitungswasser füllen (gut für unsere Knochen!) und überall mit hinnehmen.

Auch der Preis von Tiefkühlkost, Konserven und Fertiggerichten steigt. Aber bedeutet das nicht, dass sich unser Leben durch die Krise verbessert?! Die weniger wohlhabenden Menschen haben die schlechte Angewohnheit, zuviel Thunfisch aus Dosen zu konsumieren. Jetzt müssen sie kreativer werden. Sie können zum Beispiel anfangen, Knochen zu essen (enthalten viel Kalzium!). Tiefkühlkost vermisst auch niemand in Zeiten der Rezession. Schon bald haben viele von uns alle Zeit der Welt, um Essen auf die gute altmodische Art zuzubereiten – ohne Job...

Auf Kaffee fällt der Höchstsatz der Mehrwertsteuer (23 Prozent). Die verbleibenden Arbeitgeber begrüßen die Maßnahme, weil sie die Menschen entmutigt, während der Arbeitszeit einen Espresso trinken zu gehen. Koffein ist schließlich der Gesundheit abträglich, und so wird dieser verwerflichen portugiesischen Kultur, ständig Kaffee zu trinken, Einhalt geboten. Sie können ja weiterhin so viel Wein trinken, wie sie wollen.

Auch im Haushalt tut die Sparpolitik gut. Mit den steigenden Preisen für Speiseöle (23 Prozent Mehrwertsteuer) werden Kinder weniger Pommes essen. Coca-Cola gibt es dann nur noch an Festtagen (Weihnachten zählt nicht, weil vielen Eltern bereits das Weihnachtsgeld gestrichen wurde, das diese Ausgaben erlaubt).

Die Kleinen bekommen endlich weniger Milchdesserts, so dass ihr Blutzuckerspiegel sinkt und sie weniger Löcher in den Zähnen bekommen! Zudem lernen sie schon von einem frühen Alter an, was es heißt, zu Gunsten des Gemeinwohls Opfer zu bringen und dem Land aus der Schuldenmisere zu helfen.

Auch in Bezug auf die halbe Stunde Mehrarbeit, die die Regierung verlangt, sind die Dinge nicht ganz eindeutig. Wer im privaten Sektor arbeitet, ist viel mehr Überstunden gewohnt. Vielleicht müssen diejengen etwas Schlaf an die Regierung abgeben? Oder einen freien Tag?

Eines Tages, wenn (oder vielmehr falls) wir aus diesem Loch emporklimmen, wird das portugiesische Volk anfangen müssen, seine Politiker bedächtiger auszuwählen.

Bis dahin müssen wir mit dem zurechtkommen, was wir haben, oder auswandern...

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