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Die Kirche der neuen Piraten

Ein neuer Kult ist aus der kleinen Stadt Uppsala, etwa 70 Kilometer von Schwedens Hauptstadt Stockholm, erwachsen.
Er nennt sich selbst «Missionary Kopimistsamfundet» und sein Evangelium ist die kostenlose Kopie von allem und mehr, was über das Internet kopiert und verteilt werden kann (Dateien, Texte, Musik Videos, Software, alles). Das Motto seiner Mitglieder ist: “Du sollst nicht stehlen, Du sollst kopieren!”
Die Sekte weist Ähnlichkeiten mit der schwedischen Piratenpartei auf (die auch in Portugal existiert und aktiv ist) basierend auf Kopimi (copy me), einer Theorie, die das Gegenteil von dem ist, was wir Urheberrecht (Copyright) nennen. Die Idee ist, dass Informationen ohne rechtliche oder moralische Schranken in Umlauf gebracht werden und für jedermann zugänglich sind.
Aber warum eine Sekte? Um eine Hommage an die Computer zu zollen? Für den Gründer Isak Gerson, ein Philosophie-Student im Alter von 19 Jahren, ist es durchaus sinnvoll, da die schwedische Verfassung festlegt, dass “jedem Bürger Freiheit in der Religionsausübung gewährleistet wird, allein oder mit anderen”.
Die Idee dahinter ist, dass die Sekte als eine Religion anerkannt wird, in der der Akt des Kopierens nicht illegal, sondern heilig ist! Und wie in jeder Religion gibt es Regeln (vielleicht sogar ein wenig fundamentalistische).
Die Mitglieder dürfen keine Bücher, CDs oder DVDs kaufen oder mit handelsüblichen Betriebssystemen wie Windows arbeiten. Sie sollten nur Open Source-Anwendungen nutzen, wie Linux.
Im Mai letzten Jahres schickten Gerson und seine “Priester” einen Antrag auf offizielle Anerkennung an die schwedische Regierung. “Er wurde mit der Begründung, die Treffen der Kirche würden keiner Religionsausübung dienen, abgelehnt, da das schwedische Recht eine religiöse Gemeinschaft fordert, die eine formalisierte Art des Betens oder irgendeine Art von Meditation ausübt”.
Okay. Gerson schickte einen weiteren Antrag.
Dieses Mal beschrieb er formal die Rituale der Sekte. Die Tastenkombinationen «Strg + C» und «Strg + V» wurden als heilige Symbole definiert. Trotz des Versuchs, wurde der Antrag wieder abgelehnt.
Trotzdem mangelt es nicht an Aktivitäten.
Die letzte Neuigkeit ist die Verfügbarkeit von 18.592 wissenschaftlichen Publikationen der Zeitschrift «Philosophical Transactions» der Royal Society (33 Gigabyte an Dateien), über ein Peer-to-Peer-System.
Eine Unterwelt der Fanatiker? Radikale Piraten? Unreife Jugendliche auf der Suche nach Ärger? Wo liegen die Grenzen?
In der Tat lässt sich diese Debatte nicht einfach beenden. Vor allem, wenn wir alles überdenken (aber auch alles), was wir mit unseren Computern machen, oder?








