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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Lächeln und Fischgräten

Die Ansichtskarten der Algarve mit üppigen Damen oben ohne am Strand waren lange Zeit äußerst beliebt.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 685 ( 7 Jul 2011), Ohne Kommentare »

Tatsache aber ist, dass heute selbst die kühnsten Versionen, die ganz auf Badekleidung verzichten (obwohl Nacktheit in der Region nicht gern gesehen wurde), verschwinden.

Schade. Als Empfänger einer dieser Postkarten stellt man sich einen Traumurlaub in einem Erotikparadies mit Sonne, Strand und barbusigen Damen vor...

Doch es gibt diejenigen, die zur Erhaltung dieser Tradition beitragen. In Faro haben wir ein Schaufenster mit einem dieser schönen und anregenden Bilder entdeckt.

Ein Model mit sinnlichem, geheimnisvollem Blick und sexy Bauchnabelpiercing, das sich aus klarem Wasser erhebt. Darunter nur ein Wort: «Allgarve».

Schaut man genauer hin, entdeckt man allerdings, was sich hinter dem Model befindet. Scheinen Berge von einem dichten tropischen Wald bewachsen zu sein. Hmm...

Spielt keine Rolle.Einer der Gründe, der die herkömmliche Post an der Algarve obsolet werden lässt, hängt mit den neuen Technologien zusammen. Warum Briefmarken kaufen, Nachrichten per Hand schreiben und Fotos von halbnackten Unbekannten an Freunde schicken, wenn all dies und mehr per Internet getan werden kann?

Einer der Experten, der die Trivialisierung der digitalen Fotografie und ihre Folgen in der Geschichte der modernen Zivilisation studiert, ist unser Berater, der Soziologe Dr. Manfred Bolos.

Seine kürzlich veröffentlichte Dissertation «Fotografien im Internet teilen - Facetten des modernen Menschen, von sich selbst porträtiert» zeigt ein groteskes neues Phänomen.

Nach dieser höchst wissenschaftlichen Forschung ist eines der häufigsten Themen, von denen Fotos in soziale Netzwerke gestellt werden, „Versammlungen“ - vor allem feierlich an einem Tisch.

“Die Idee ist, einen glücklichen Moment aufzunehmen und zu teilen. Aber in der Praxis ist das Ergebnis oft katastrophal”, sagte uns Dr. Manfred Bolos, der die letzten zwei Jahre damit verbracht hat, Tausende von deprimierenden Fotos mit Gruppen-Abendessen und Geburtstagsfeiern zu analysieren.

Ein typisches Beispiel: Vor dem Lächeln, das für die Ewigkeit eingefangen werden soll, ist ein Teller voller Gräten zu sehen. Ein Toast auf die Freunde, mit Hühnerknochen dekoriert oder dem schrecklichen Anblick anderer Reste der Mahlzeit.

“Dreckige Servietten, Aschenbecher voller Zigarettenkippen, Gläser mit fettigen Fingerabdrücken, Getränke in Flaschen, Tischtücher voller Flecken, gebrauchte Zahnstocher, Krusten und Brotkrümel sind recht häufige Requisiten auf vielen der Fotos, die über diese Netzwerke gemeinsam genutzt werden”, betont der Soziologe, der auch einen Meister in Vogelkunde der mongolischen Wüste hat.

Was diese jüngste These zeigt, ist nicht so schön.

Doch das wirklich erschreckendste, furchtbarste und irritierendste ist, dass fast alle von uns diese Bilder haben oder auf ihnen erscheinen - auf den virtuellen Postkarten des technischen Zeitalters. Schnell versenden!

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