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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Wünschen Sie eine außereheliche Affäre?

Die Portugiesen scheinen zunehmend in ihren festen Beziehungen gelangweilt zu sein. So kam im vergangenen April das Portal «Secondlove» nach Portugal, das seitdem nicht aufhört zu wachsen. In nur einem Monat haben sich dort fast 8.000 Menschen angemeldet.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 682 (16 Jun 2011), Ohne Kommentare »

Bitte beachten Sie, dass dies nicht einfach nur eine weitere Webseite für virtuelle Meetings, Hochzeiten oder die Suche nach einer liebevollen Beziehung ist.

Sie wurde speziell für Menschen in festen Bindungen geschaffen, die aus irgendeinem Grund, den nur sie selbst kennen, das Abenteuer einer “außerehelichen Affäre” wünschen.

Es lohnt nicht moralisch zu werden, denn mit durchschnittlich 1.900 Einträgen pro Woche ist das Wachstum hierzulande höher als in den Ländern, wo das Konzept zuvor eingeführt wurde - Niederlande, Belgien und Spanien.

Der Prozess ist einfach. Um zu interagieren (zum Beispiel Nachrichten auszutauschen) ist es nur nötig, einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Jeder über 18 Jahre kann sich registrieren, um die Profile anzusehen.

Also warum nicht einen Blick riskieren (aus einer anthropologischen Perspektive)?

Manche Leute bezeichnen sich selbst als ehrlich - “Ich bin ein gewöhnlicher Typ”, “ein wenig übergewichtig, mit etwas schütterem Haar”.

Ein Herr von 49 Jahren erklärt, dass “sein Bauch noch kein ernsthaftes Problem” darstellt. Ein weiterer gibt zu, “Ich bin kein George Clooney,” doch haben seine Attribute ihn “nie in Verlegenheit gebracht oder andere verschreckt”.

Zudem heißt es bei den Meisten: “Ich übe einen Beruf aus, glücklicherweise gut bezahlt.” Das ist natürlich cool.

Wer will schon einen verarmten Liebhaber?

Zudem finden sich auch einige gut gemeinte Adjektive (wenn sie auch vielleicht den Charakter des typisch portugiesischen Mannes nicht so gut beschreiben) - “humorvoll”, “heiter”, “höflich”, “respektvoll”, “verspielt”, “aufrichtig” “schüchtern”, “eine vertrauenswürdige Person”.

Andere versuchen es mit “studiert, gebildet und professionell” - denn man weiß ja nie, mit einer Liebhaberin könnte auch ein neuer Job anstehen. In der Firma ihres Mannes, zum Beispiel...

Wieder andere erkennen, dass sie sich “kontinuierlich verbessern”. Eine gute Herausforderung für eine Frau, die sich um ein paar Unvollkommenheiten nicht schert.

Und dann gibt es die Unikate - “Intellektueller Cafégänger, Städter, nicht depressiv”, “Ich bin wie der Albatros hinter einem Fischerboot” oder “Ich bin wie eine sanfte Brise”.

Und schließlich gibt es sogar diejenigen, die ihre Weltanschauungen darstellen: “Ich ziehe es vor für etwas zu bezahlen, was ich getan habe, als für etwas, was ich unterlassen habe”. “Looking for Trouble” (und er sucht wohl auch jemanden, der Englisch spricht).

Ein junge Frau von 26 Jahren sagt: “Der beste Weg, der Versuchung zu widerstehen ist, ihr nachzugeben.” Wirklich? Eine andere Frau in ihren 30ern gibt zu: “Ich habe seit Jahren eine stabile und lohnenswerte Beziehung, hätte aber gern mal etwas anderes”

Eine andere sagt: “Ich bin rein und pur, ich bin hier, weil ich nach einem Partner suche, um meinen Tag zu würzen, keinen Seelenpartner, den habe ich. Ich bin hier um zu spielen. Hast Du Lust?” Eine andere meint einfach: “Ich habe besondere Talente.”

Bei so vielen Tugenden und guten Ideen, warum brauchen so viele Leute eine zweite Liebe?

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