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2012-05-17 > 2012-05-23
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Nach dem Sturm

Trier, Samstag, 12. Februar 2011, 19:15 Uhr. Ich schaffe es gerade noch, pünktlich meinen Platz in der zweiten Reihe einzunehmen. Die 600 Plätze in dem Theater in Deutschlands ältester Stadt sind so gut wie alle belegt. Das Publikum ist ein reifes. In der Nacht zuvor wurde hier eine Oper aufgeführt, was die Premiere von «Der Sturm – A Tempestade» aber nicht zu beeinträchtigen scheint.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 666 (24 Feb 2011), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Die Veranstaltung beginnt auf Portugiesisch (und setzt sich auch so fort). Lange Minuten verstreichen. Ich frage mich, ob es wohl eine gute Idee ist, die ersten Szenen in einer fremden Sprache zu halten? Ich erahne Stirnrunzeln und Gähnen…

Aber ich täusche mich! Zwischen dem Flüstern bemerke ich mit einiger Überraschung, dass das Publikum, obwohl es die Sprache nicht versteht, den Tafeln mit den Untertiteln keine große Beachtung schenkt. Nicht nötig. In flüchtigen Sätzen, die sie miteinander austauschen, kommentieren sie die Charaktere anhand ihrer Namen und begreifen, was auf der Bühne vor sich geht.

Ich denke an die Algarve und frage mich, wer im Alter über 50 die Stücke von Shakespeare kennt oder regelmäßig das Theater besucht? Aber wie sollte es auch möglich sein, ein Theater wie dieses, in dem mehr als 300 Menschen arbeiten - darunter Schauspieler, Musiker und Techniker -, in Portugal, wo Kultur stark beschnitten wird, am Leben zu halten?

Fast zwei Stunden vergehen. Es wurde Portugiesisch, Englisch (Originalsprache des Stücks) und Deutsch gesprochen. Alles auf ein und derselben Bühne. Mir wurde gesagt, dass Tier mit seinen Weinbergen und Weinkellern eine konservative Stadt sei. Der römische Kaiser Konstantin der Große lebte hier und Karl Marx wurde hier geboren. Welche Reaktion erwarte ich also von den Bürgern?

Weit von ihrer Heimat entfernt erntet ACTA für dieses ungewöhnliche Stück einen langen und begeisterten Applaus. Die Truppe hat die Herzen Triers mit einer Geschichte über Menschlichkeit und einer sehr menschlichen Vorführung erobert.

Später fragen mich zwei der deutschen Schauspieler, ob die Menschen an der Algarve dieses Stück auch genießen würden? Die Antwort auf diese Frage müssen wir wohl bis Juni aufschieben. Bis dahin bleibt der Glückwunsch an die Theaterkompanie für ihre gelungene Arbeit und die Hoffnung, dass sie uns auch in Zukunft positiv überraschen wird!

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