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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Das Ende der Unschuld

“Unpolitisch, weltlich und friedvoll”. Das ist das Motto des Manifestes, das über das Netzwerk Facebook zum Protest am 12. März in Lissabon aufruft. Die Idee dahinter ist, die Portugiesen zusammen zu bringen, die nach der Revolution vom April 1974 geboren wurden, und heute in ihren Dreißigern sind.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 665 (17 Feb 2011), Ohne Kommentare »

Paradoxerweise ist es die erste Generation mit einem höheren Bildungsstand in der Geschichte Portugals. Sie hat es geschafft, aus dem Analphabetismus der Großeltern und der niedrigen Schulbildung der Eltern (in deren Häusern viele noch leben) zu entfliehen und eine höhere Bildung zu absolvieren. Sie sind sogar so gebildet, dass selbst die Organisatoren des Protestes zugeben müssen, dass “wir den Umständen unterliegen”.

Viele mussten bereits feststellen, dass ihr Leben trotz Hochschulabschluss schlechter ist, als das ihrer Vorfahren. Sie sind arbeitslos. Sie werden mit unbezahlten Praktika ausgebeutet. Sie arbeiten selbständig (auf Recibo Verde). Sie verdienen 500 Euro oder weniger im Monat. Sie arbeiten in Supermärkten, in Call-Centern oder mit Unterverträgen, befristet, unsicher.

In dem Manifest, das im Internet veröffentlicht ist, sagen die Protest-Organisatoren, dass sie nicht mehr “gezwungen sein wollen, auszuwandern, womit das Land in seiner größten wirtschaftlichen und sozialen Krise stecken bleibt!”

Und so gehen sie auf die Straße, um zu demonstrieren, “damit alle Verantwortlichen für unsere gegenwärtige unsichere Situation - Politiker, Arbeitgeber und wir - gemeinsam handeln, so dass eine schnelle Änderung einer nicht mehr tragbaren Realität vollzogen werden kann”.

“Wenn sich nichts ändert, verschwenden wir unsere Ressourcen und Kompetenzen, die dem Land wirtschaftlichen Erfolg bringen könnten”. “Wir glauben, dass wir die Ressourcen und Werkzeuge haben, um uns und dem Land eine bessere Zukunft aufzubauen”, heißt es.

Neben den utopischen Aussagen und dem Wunsch schreiend auf die Straße zu gehen, ist nur eins sicher: In dieser Gegenwart sieht man keine Zukunft.

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