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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Wer wird bleiben?

Wir kommen immer mehr ins Grübeln. Oftmals bereiten uns die Anzeigen, die unsere Leser publizieren, Sorgen. Die Geschichten hinter den einzelnen Anzeigen sind ein Spiegel des allgemeinen Zustands unserer Region und des ganzen Landes.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 664 (10 Feb 2011), Ohne Kommentare »

In den letzten 64 Wochen mussten wie feststellen, dass immer mehr Menschen Portugal verlassen. Selbstverständlich können wir in unserer Zeitung die Migration und Bewegung der Menschen stets mitverfolgen, aber heutzutage liest man immer häufiger: “...zu verkaufen, da wir das Land verlassen/ ins Ausland ziehen”.

Das typischste Profil eines Inserenten: Portugiese, in den 30ern, der Arbeit oder eine Anstellung sucht, die er hier nicht finden kann.

Somit wird der gesamte Haushalt (Möbel, Elektrogeräte, bis hin zum Kinderspielzeug) wie auch das Auto verkauft. Wir fragen uns, ob es sich das Land leisten kann, diese arbeitswillige Bevölkerung zu verlieren; diese Familien, die die Grundlage unserer Gesellschaft bilden sollten? Und was erwartet sie im Ausland?

Aber die Portugiesen sind nicht die einzigen, die ihre Sachen packen. In dem gleichen Zeitraum haben wir auch bemerkt, dass mehr und mehr Ausländer mit Wohnsitz an der Algarve (zum Teil Rentner, aber auch die arbeitende Bevölkerung) ihre Anzeigen mit dem Zusatz “...wegen Rückkehr/ Wegzugs zu verkaufen” versehen.

Die meisten wollen nach Großbritannien, Deutschland, Holland und sogar Brasilien zurückkehren. Es ist traurig zu sehen, dass diese Menschen so dringend hier weg möchten oder müssen, dass sich viele gezwungen sehen, sich von ihren Haustieren zu trennen.

Vor kurzem vertraute uns ein Inserent britischer Staatsangehörigkeit am Telefon an, dass er weg geht, weil “das Leben hier immer schwieriger wird” und befürchtet, dass es noch komplizierter wird.

Ein anderes Beispiel ist eine deutsche Leserin, die viele Jahre lang an der Algarve als Unternehmerin tätig war. Sie wirft das Handtuch, da sie die nicht funktionierende Wirtschaft “satt” hat. Dies ist nur eines von vielen Beispielen von duzenden von Kleinunternehmen, Geschäften und Dienstleistern, die im Grunde Dynamik und Vielfalt in die Region bringen sollten, von denen aber täglich viele schließen.

Vor kurzem fragte mich eine unserer Übersetzerinnen, wer wohl in naher Zukunft in Portugal übrig bleiben wird. Nur “Rentner” und “Korrupte”?

So wie es momentan scheint, ist das durchaus möglich...

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