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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Unterwasserachäologie in Lagos

Rekonstruktion der Unterwasserwelt...

Ein Indiana Jones mit Flaschen! Unterwasserarchäologie ist ein relativ neuer Zweig der Wissenschaft. Angefangen hat alles erst richtig Ende der 60-er Jahre - und die dritte Generation der Unterwasserarchäologen ist erst Mitte dreißig, total fit, mit ausgezeichneten Lungen und endloser Begeisterung. Tiago Fraga, 32, ist einer von ihnen. Zurzeit arbeitet der einzige Unterwasserarchäologe der Algarve mit seinen Lehrern und anderen Teammitgliedern an einem spannenden Studienprojekt. Sie wollen die Geschichte des Seebettes vor Lagos, der Stadt, die als Geburtsstätte der Entdeckungen berühmt ist, auf den neuesten Stand bringen. Jetzt, im dritten Jahr ihrer Forschungen und mit voller Unterstützung der Stadtverwaltung Lagos, hoffen sie, die maritime Geschichte wiederzubeleben - im Interesse aller, der Stadt, der Region, des Landes und seinen Besuchern. Entlang der Küste soll die genaue Lage der Wracks aufgezeichnet, dann virtuell nachgebaut und herausgefunden werden, wie sie wirklich funktionierten. “Schiffe waren (und sind) die kompliziertesten und hochentwickelsten Maschinen, die der Mensch seit Generationen erbaut, „ schreibt Filipe Vieira de Castro, einer der Experten des Projektes, in dem Buch « Unvollendete Geschichten: Die Unterwasserwelt von Lagos» publiziert vom Rathaus in Lagos. Vivalgarve traf Portugals “Unterwasser Indie” nach seinem letzten Streifzug in die Tiefen der Bucht von Lagos.
Natasha Donn, 31 Dez 2008 01:00, Ohne Kommentare »

Vivalgarve: Warum Lagos?

Tiago Fraga: Es ist der beste Platz in Europa! Seit Urzeiten führt der einzige Weg von Nordeuropa in den Mittelmeerbereich an der Algarveküste vorbei. Hier ist der Geburtsort der “Ära der Entdeckungen” - und diese Bucht ist die Beste der Algarve. Jedes Schiff, das für Wasser und Proviantaufnahme an Land mußte, ankerte hier. Im Generellen ist es ein sehr sicherer Platz, aber bei Südwind kann es sehr trügerisch sein - daher die hohe Anzahl der Wracks, die wir lokalisieren konnten.

Man liest im Buch, daß Sie bisher 77 “Unterwasser Liegeplätze” ausgemacht haben und hoffen, sich dieses Jahr auf fünf davon zu konzentrieren. Was hoffen Sie, zu entdecken?

Tja, da gibt es drei größere Boote, die zu finden sehr interessant wären. Ein Schiff ist aus der Zeit der Entdeckungen, das zweite ist ein arabisches Schiff und das dritte nennt man “römisches Atlantik Schiff”. Ich glaube, wir haben die Lageplätze der letzten beiden Schiffe ausgemacht. Gerade heute, dank einiger spezieller Ausrüstungsgegenstände, die uns vom Institut für Technik in Lissabon kostenlos(!) zur Verfügung gestellt wurden, konnten wir einige neue Informationen gewinnen. Unser Ziel ist, herauszufinden wie alles auf den Schiffen funktioniert hat. Wie George Bass, Vater der Unterwasserarchäologie sagte: “Die Menschen realisieren oft nicht, daß es die Seefahrer schon lange vor den Bauern gab”.... Sie haben diese unglaublichen Maschinen gebaut, die so vielem widerstehen konnten. In der Vergangenheit waren die Schiffe für vieles verantwortlich: Fortschritt und die Verbreitung neuer Ideen - und wir wissen zum Beispiel immer noch nicht, wie das Schiff von Columbus wirklich funktioniert hat.....wir haben leider nie eine echte Karavelle gefunden. So eine möchte ich jetzt gerne finden!

...Die Taucher Alan Wilson und Christiana Kelkel vom örtlichem Taucherclub ‘Waterworld’ und Felizardo Pinto von ‘Open Waters’ sind Mitglieder in Fraga’s Lagos- Team. Im neuen Jahr wollen sie weitere Untersuchungen der Lageplätze vornehmen. Fast alle sind tief im Sand begraben - “Ein gutes Zeichen!” erklärt der Archäologe - “Solange die Wracks begraben sind, überdauern sie hunderte von Jahren. Wenn sie erst mal sicher da liegen, ist der Verfall pro Jahrhundert minimal.

Also, sobald Sie ein Wrack gefunden haben, müssen Sie es erst aus dem Sand graben?

Mit einem großen Staubsauger! Aber wir heben es normalerweise nicht - außer wir können für eine Erhaltung garantieren - und das ist nicht so einfach. Das größte Problem dieser Art Archäologie ist jedoch, daß die Leute die Tendenz entwickeln, das zu tun, was sie an Land nie tun würden.....sie nehmen liebend gern Souvenirs mit! Wenn Taucher erst mal Wind davon bekommen, kann die Situation schwierig werden. Dann müssen wir das Wrack heben. Aber, wenn wir können, lassen wir es dort, wo es ist....für Taucher und virtuelle Rekonstruktion.

... Während Fraga und sein Team ihr Programm für 2009 planen, ist die Stadtverwaltung von Lagos dabei, das städtische “ Zentrum für lebendige Wissenschaft” offiziell zu eröffnen, ein Zentrum mit reichhaltigen Informationen über die nautische Erbschaft dieser Region.

Fragas Universtätsprofessor Adolfo Silveira, Direktor von CIDMar (Zentrum für Erforschung und Entwicklung des Meeres), Angehöriger der Unabhängigen Universität Lissabons, ist besonders glücklich darüber.

“Es war ein unglaubliches Jahr“, sagt er uns, während sein Schüler die letzten Ergebnisse der Forschung ausbreitet. “Wir hatten mit der Stadtverwaltung von Lagos sehr viel Glück.

Sie haben nicht nur dieses Projekt finanziert - sondern finanzieren im Sommer auch einen speziellen Tauchkurs für geschulte, erfahrene Taucher. Die Schüler profitieren sehr davon. Es ist wirklich toll. Tiago hätte seine Arbeit gar nicht tun können - ohne die Rückendeckung der Stadt und ohne Unterstützung vieler lokaler Einrichtungen.

“Mein Engagement für diese Wissenschaft war immer theoretischer Natur. Aber ich bin von der grundlegenden Technik dieser Wissenschaft fasziniert. Studenten wie Tiago werden Ideen verwirklichen, an denen wir die letzten 20 Jahre gearbeitet haben. Sie sind die Zukunft.”

„Aber das Engagement von Lagos ist auch die Zukunft und praktisch einzigartig in Portugal“, lautet das Vorwort in den «Unvollendete Geschichten», geschrieben von Filipe Vieira Castro, einem Lehrer Fraga, der von der „Texas A&M University“ in Texas/ USA aus arbeitet, (wo Frago seinen Master absolvierte).

Im letzten Jahrzehnt beschränkte sich die Zentralregierung auf blinde Politik. Sie hatten keine klar definierte Richtung - und machten sich nie die Mühe, den Leuten zu erklären, warum zum Beispiel ein Bau gestoppt wurde oder wohin gefundene Kunstgegenstände gebracht werden. Diese Haltung hilft nicht sehr, die historische Bedeutung einer Ausgrabungsstätte zu fördern oder zu veröffentlichen. Daher ist es für die Küstengemeinden sehr schwierig, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung, Landspekulanten und nicht zu vergessen die der Baggerfahrer und ihrer Firmen, auf die Wichtigkeit der Entdeckungen und die Unterwasserarchäologie zu richten. “Dieses Projekt ist ein exzellentes Beispiel für eine klare, pro-aktive, verantwortungsvolle Politik, die ein gutes Licht auf Lagos wirft. Es ist auch ein praktisches Beispiel dafür, was Stadtverwaltungen tun können - und vielleicht ein Beispiel, daß von anderen Gemeinden wiederholt wird. Sobald es etwas Neues gibt, hofft Vivalgarve weitere Nachrichten von der Unterwasserachäologie in Lagos zu berichten.

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