PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelInterviewDie Erfolgsgeschichte von Amendoeira

Tiago Francisco

Die Erfolgsgeschichte von Amendoeira

Er heißt Tiago Francisco, feierte vor kurzem seinen 33. Geburtstag und ist einer der jüngsten Golfplatzdirektoren Portugals. Seit Anfang diesen Jahres leitet er das Amendoeira Golf, das jüngste Projekt der Oceânico Gruppe zwischen Alcantarilha und Silves. Im Interview berichtet er uns, dass, obwohl er selbst noch sehr jung ist und trotz der Wirtschaftsprobleme, Amendoeira der Krise Widerstand leistet und 2009 satte 36.500 Golfrunden verzeichnen konnte. Für dieses Jahr prognostiziert er mit 43.000 Runden ein Wachstum von 20 Prozent. Was ist das Geheimnis seines Erfolges?
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 653 (18 Nov 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Tiago Francisco begann direkt nach dem Abitur im Golfsport zu arbeiten. Es war der Beginn einer großen Leidenschaft. Er studierte Betriebswirtschaftslehre für Tourismus und Hotellerie am Abend, während er am Tage auf dem Green arbeitete. Heute ist er für das Amendoeira Golf zuständig, das mehr als 30 Menschen beschäftigt.

vivalgarve: Erzählen Sie uns ein wenig über die Plätze, die Sie leiten.

Tiago Francisco: Derzeit bin ich Geschäftsführer von drei Golfplätzen - Oceânico Faldo course, Oceanico O’Connor Junior und Oceanico Academia. Der Letztgenannte ist ein kleinerer Platz mit neun Löchern, namens «pitch and putt», ein sozialeres Spiel, das nur etwa eine Stunde dauert. Er ist eine Art Miniatur der anderen Plätze - aber nicht weniger wichtig. Es handelt sich hierbei um eine neue Idee, die in Portugal wenig verbreitet ist. Was uns auszeichnet ist, dass wir auf Qualität setzen, ohne Mühen zu scheuen. Das Green und die Tees müssen makellos sein.

Sie begannen Ihre Tätigkeit bei Amendoeira Ende 2008. Was ist seitdem geschehen?

Als wir dieses Projekt begonnen haben, kam die Weltwirtschaftskrise. Das änderte unsere Erwartungen völlig. Plötzlich waren wir mit der Situation konfrontiert, dass unsere potentiellen Kunden sich in Schwierigkeiten befinden - das Resort war anfänglich auf den irischen Markt zugeschnitten. Also mussten wir die Kosten minimieren und das Gesamtpaket zum Verkauf maximieren sowie versuchen, andere Märkte zu erschließen. Der englische Markt war einer der stärksten und heute ist es, überraschenderweise, der deutsche.

Der deutsche Markt wächst also?

Ja. Der deutsche Markt hat im Vergleich zum englischen oder irischen weniger finanzielle Probleme. Das heißt, es gibt in Deutschland noch eine starke Kaufkraft, die uns, mitten in der Krise, überrascht hat. Es wurde viel über neue Märkte gesprochen, die sich auftun würden, aber Tatsache ist, dass die Deutschen unsere Golfplätze sehr schätzen. Demzufolge erlernen auch unsere Mitarbeiter bereits die deutsche Sprache.

Halten Sie die Ausbildung des Personals für wichtig?

Sie ist fundamental. Wir versuchen zudem, unser Personal auf dem Laufenden und interessiert zu halten. Wir wollen sie intellektuell bezüglich dem, was sie tun, stimulieren, geben ihnen Unterstützung und lassen sie merken, dass sie sehr wichtig sind. Ich kann sagen, dass vielleicht unsere gesamte Arbeit ohne motivierte, interessierte, freundliche, warmherzige Mitarbeiter, die in der Lage sind mit Menschen verschiedener Nationalitäten zu sprechen, nicht möglich wäre.

Wir können die besten Golfplätze der Welt haben, aber wenn der Service nicht stimmt, kommen die Leute nicht wieder. Was sucht denn der Golfer? Einen Traum! Wir ermöglichen ihn und vielleicht noch etwas mehr. Wir möchten unsere Gäste überraschen, das ist auch ein neues Konzept in Portugal.

Wie lange bleibt ein Golfer im Schnitt bei Ihnen?

Ein Spiel auf Oceanico Faldo oder Oceanico O’Connor dauert 4 Stunden und 50 Minuten. Dann gibt es ein wenig Entspannung, das Restaurant, Spaziergänge, die Driving Range. Wenn jemand zu uns kommt, verbringt er fast den ganzen Tag hier, zwischen sechs und acht Stunden.

Was sagen Ihre Gäste?

Der Umgang mit Kunden birgt sehr interessante Aspekte. Jeden Tag treffen wir auf Menschen aller Nationalitäten: aus China, den Vereinigten Staaten, Schweden, um nur ein paar zu nennen. Jede Kultur hat ihre Eigenarten. Unser Service ist individuell. Wir sind darauf bedacht, den Kunden vom Anfang bis zum Ende des Spiels zu begleiten.

Am Ende erhalten wir das so genannte Kunden-Feedback und wir evaluieren ständig, was unsere Kunden uns mitteilen. In der Bewertung liegen wir zwischen vier und fünf, also zwischen gut und sehr gut. Wir sind auf dem richtigen Weg...

Gibt es für die kommenden Monate viele Reservierungen?

Der Markt des Golfsports ist komplex. Es gibt Reiseveranstalter, Hotels, Reisebüros und zunehmend mehr Golfer, die selbst die Initiative ergreifen, um zu sparen. Immer mehr Buchungen werden online und von einem Tag auf den anderen vorgenommen.

An einem Tag können 80 Personen angemeldet sein, und am nächsten sind 120 da. Das kommt, weil die Leute bis zur letzten Minute warten, um die besten Preise zu erwischen.

Unsere Verkaufs- und Reservierungsabteilung ist die gleiche für alle Plätze der Oceanico Gruppe und schickt uns viele Golfer aus Vilamoura, wo der Markt sehr stark ist.

Gibt es einen typischen Kunden?

Der Engländer ist der typische Golfer und repräsentiert 80 Prozent unserer Kunden - die sich schon an die Deutschen Spieler auf den Plätzen gewöhnt haben. Es ist interessant, dass Golf zu einer globalen Sache geworden ist. Aktuell sind es die Portugiesen, die hauptsächlich nach Amendoeira kommen.

Der Golfsport an der Algarve erlebt inzwischen einiges an Konkurrenz, zum Beispiel aus der Türkei. Wie sehen Sie das?

Ich möchte nicht schlecht reden, aber die Türkei hat auch schon die Preise angehoben und das, was man hört, ist nicht mehr so positiv wie im letzten Jahr. Die Menschen möchten ein sicheres Land besuchen, und der Algarve wird noch Vertrauen geschenkt.

In der Türkei gibt es viele Probleme wie Terrorismus und ähnliche Konflikte, die Besorgnis erregen. Die türkischen Golfplätze können gut sein, aber was nützt es, wenn die Menschen Angst haben, ihr Hotel zum Beispiel für einen schönen Abend zu verlassen? Engländer wollen ein solches Risiko nicht eingehen. Sie wollen in Ruhe ihr Bier trinken, ohne Ärger. Und in dieser Hinsicht ist das portugiesische Volk unschlagbar - in seiner Gastfreundschaft.

Und Südspanien? Dort gibt es wunderbare Golfplätze. Es ist ein viel größerer Markt, mit vielen Angeboten, von niedrigen bis zu hohen Preisklassen. Aber ich glaube in der Gastfreundschaft sind wir immer noch überlegen. Wir sind es seit langem gewohnt, fremde Menschen zu verstehen.

Was sind Ihre Erwartungen für 2010/11?

Wir erwarten nicht, dass es ein einfaches Jahr wird - man muss sich ja nur anschauen, was in unserem Land los ist. Aber uns gibt es erst seit drei Jahren und wir haben schon eine verheerende Krise überlebt, ohne jemanden entlassen zu müssen und mit einer positiven Bilanz. Wir wissen, dass es eine Steuererhöhung geben wird, dürfen aber jetzt nicht aufgeben.

Gibt es Neuigkeiten für die nahe Zukunft?

Wir sind sehr dem Profi-Fußball zugetan. Zu unserem Resort gehört auch ein Fußballplatz mit einem frischen Rasen, der in sehr gutem Zustand ist. Wir hatten schon Teams aus Aston Villa und Sunderland, denen es hier ziemlich gut gefallen hat. Das ist eine unserer Initiativen für die Zukunft. Dies ist ein exklusives Resort mit etwa 250 Unterkünften. Es ist möglich, hier zwei unterschiedliche Teams mit größter Privatsphäre unterzubringen. Auch der Bau eines Hotels ist vorgesehen, aber wir müssen realistisch bleiben und wissen nicht, wann es dazu kommt.

Gibt es eine Zukunft für den Golfsport an der Algarve?

Ich denke schon. Wir sind durch das Wetter privilegiert. Und wir sind dabei, eine ideale Situation zu erreichen, denn egal, wie viele Golfplätze es in der Region gibt, sie müssen Qualität und Vielfalt bieten - das was die Kunden suchen. Wir wissen, dass Golfer nicht nur auf unseren Plätzen spielen wollen, sie wollen auch andere ausprobieren. Daher hoffen wir, dass unsere Konkurrenz auch gut ist.

Macht ein Golfer eine schlechte Erfahrung, wenn er heute bei uns spielt und morgen woanders, überlegt er sich es beim nächsten Mal vielleicht zwei Mal, ob er wieder an die Algarve kommt. Wir sind also alle miteinander verbunden und daher sollten wir auch eine gemeinsame Grundhaltung entwickeln.

Es ist gut, wenn wir alle gut sind. Klar, dass wir die Besten sein wollen!

Verwandte Artikel
Alcantarilha
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 653 (18 Nov 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 649 (21 Okt 2010), Ohne Kommentare »
Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar.