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ETIC an der Algarve

Die ETIC Algarve beginnt mit elf langfristig angelegten Kursen, die ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. Die Schüler aller Altersstufen stammen aus den unterschiedlichsten Berufen und es ist sogar ein Polizist aus Portimão darunter, der Fotografie studiert. Aber eines haben sie alle gemeinsam: “Sie legen sich für ihre Ausbildung ins Zeug”. Das sagt Nuno Ribeiro, einer der Gründer der ETIC Lissabon, für die er seit über 20 Jahren arbeitet. Er ist Professor und hat einen Master in Design und Kommunikation.
Wie kam es zur ETIC an der Algarve?
Nuno Ribeiro: Wir hatten schon immer viele Studenten aus dem Süden des Landes und viele aus der Algarve. So bemerkten wir, dass es hier auf dieser Ebene einfach kein Angebot gibt, obwohl der Markt vorhanden ist. Wir haben auch erkannt, dass viele Menschen unsere Kurse in Lissabon besuchen würden, es aber lassen, weil sie die Kosten für die Unterkunft und Verpflegung in der Hauptstadt nicht aufbringen können. All das waren Gründe für unseren Entschluss nach Portimão zu kommen.
Ist es ein Risiko?
Es ist immer riskant, noch dazu in einer Krisenzeit. Natürlich ist es ein Risiko, aber es ist eine Tatsache, dass ein Potential vorhanden ist und es an Fachkräften in diesen Bereichen mangelt.
Wie hoch ist das Investment?
Die Kosten für Bauarbeiten und Ausstattung belaufen sich auf 100.000 Euro.
Wie viele Studenten haben Sie hier schon?
Pro Kurs sind es mindestens fünf und maximal acht Personen. Es sind kleine Klassen, die, wie ich denke, eine sehr interessante Arbeit erlauben. Wir haben Kapazitäten für 88 Studenten, zurzeit sind 60 eingeschrieben.
Welches sind die beliebtesten Kurse?
Der Kursus “Allgemeine Fotografie” war als erstes voll belegt. “Design und Kommunikation” füllte sich auch sehr schnell.
Nach welchen Kriterien gestalten Sie das Bildungsangebot?
Grundsätzlich haben wir darauf geachtet, welche Kurse die Schüler aus der Algarve in Lissabon am häufigsten besucht haben. Das war das primäre Kriterium. Aber dazu kamen andere, die mit dem Dialog mit der «Algarve Film Commission», den wir pflegen, zu tun haben und den ganzen anderen Filmprojekten, die für Portimão geplant sind. Daher wollen wir auch Kurse anbieten, die dem entsprechen. Andere, die wir gerne anbieten würden, sind Regie, Video, Produktion und Ton, aber dafür müssen wir uns ausstattungstechnisch erst noch vorbereiten. Vielleicht in einer zweiten Phase.
Glauben Sie an die Entwicklung der audiovisuellen Industrie an der Algarve?
Ich beziehe mich nicht ausschließlich auf die audiovisuelle Industrie, sondern auf etwas Umfassenderes – auf die allgemeine Kreativwirtschaft. Ich sollte erwähnen, dass dies die Branche ist, die aktuell in Portugal am wenigsten Wachstum aufweist, mit nur vier Prozent jährlich. Ich bin sehr optimistisch. Ich glaube, wenn man unternehmerisch, innovativ und bestrebt ist, geschieht so Einiges. Ich wollte in den Süden, habe alles hinter mir gelassen, weil ich fest an das Potential dieser Region glaube. Jetzt, so wie ich es als “Fremder” empfinde, der an die Algarve kommt und vorher nichts mit ihr zu tun hatte, habe ich mit so einigen Dingen zu kämpfen. An der Algarve gibt es viele Menschen, die eine großartige Arbeit leisten, aber sie teilen dies keinem mit. Es gibt Menschen von großem Wert, aber mit einer Einstellung zum “Nicht-Teilen”. Das hat natürlich viel mit der gesamten portugiesischen Kultur zu tun. In Lissabon ändert sich das langsam, ist aber immer noch etwas so, wie hier. Eine andere Geschichte ist die Saisonabhängigkeit, die bekämpft werden muss. Die Algarve muss aufhören nur eine Region für Strand und Sonne zu sein.
Sind die Professoren aus Lissabon oder aus der Algarve?
Ich kam her, um den Menschen an der Algarve Arbeit zu verschaffen. Die meisten der Ausbilder sind aus der Algarve, aber es gibt auch einen Input durch Personen von Außerhalb, die Kurse und Workshops leiten. Darüber hinaus haben wir Dozenten, die Kurse in Lissabon geben und uns hier bei der Entwicklung der Ausbildung helfen.
Zeichnet sich ein Profil der Studenten ab?
Es gibt so unterschiedliche. Die technische Ausbildung ist bezüglich der Teilnehmer ziemlich heterogen. Wir haben junge Menschen, die gerade ihren Sekundarabschluss gemacht haben und nicht auf die Uni gegangen sind, aber auch Studenten, die bereits die Universität besucht haben und ihre Ausbildung auf praktischer Ebene ergänzen möchten. Wir wurden von Design-Firmen kontaktiert, die uns ihre Mitarbeiter schicken möchten, und von Unternehmen, die mit uns übereinkommen wollen, Praktikanten von uns zu erhalten. Das ist eine der primären Philosophien der ETIC Lissabon und hier wollen wir sie auch verfolgen.
Die Kosten für die Kursteilnahme sind sehr hoch…
Die Kurse sind hier etwa 1.000 Euro günstiger als in Lissabon. Die Räumlichkeiten, in denen wir uns befinden, verdanken wir einem unterzeichneten Abkommen mit der Gemeinde Portimão. Dass wir keine Miete zahlen heißt nicht, dass die Kosten sinken oder mehr Menschen aufgenommen werden können. Wir müssen realistisch sein und können nicht merkantilistisch werden.
Was können wir von der ETIC Algarve noch erwarten?
Um den Schleier ein wenig zu lüpfen, kann ich sagen, dass wir ab Januar 2011 ein weiteres Angebot haben, das nicht einmal in Lissabon existiert. Es sind Kurse, Workshops und Schulungen, die ein Wochenende oder bis zu einem Monat dauern, zur Spezialisierung auf Software und andere Bereiche. Die Workshops werden in Einrichtungen in Portimão oder einem unserer Sitze in Pedralva, Vila do Bispo, stattfinden. Ich muss sagen, dass wir vergnügliche Dinge anbieten, wie Kreatives Schreiben, Naturfotografie, Nachtaufnahmen, Steadycam Operator, Stoffpuppen...
Eine letzte Frage – meinen Sie auch, dass eine technische Ausbildung und berufsbildende Kurse nur für Minderbegabte gedacht sind?
Die Fachschule wird immer als letzte Chance betrachtet, als Weg für Idioten. Das ist eine scheußliche Theorie. Leider ist sie in unserer Kultur genauso fest verwurzelt wie viele andere falsch eingeschätzte Dinge. Aus menschlicher Sicht ist es geradezu magisch und sehr besonders, was an diesen Schulen geschieht. In der normalen Schule stehen alle Lehrfächer für sich. Es gibt kein Ziel, auf das die Schüler zusteuern und dann wird über das Versagen der Schüler gesprochen... Im Gegensatz dazu hat die technische und berufliche Bildung ein klares Ziel. Und dazu gehören auch Mathematik und Sprachen. In der Fachschule können die Schüler nicht durchfallen. Für viele mag diese berufliche Bildung der letzte Ausweg sein, aber am Ende sind sie hervorragende Fachkräfte.








