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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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AECCP

Kraftstoffe für Unternehmen

Bis zum Ende diesen Jahres wird Billigbenzin für Unternehmer Realität. Es ist vielleicht nicht das Wirtschaftswunder, das das Land so dringend braucht, aber es ist eine Initiative, die Bedingungen schaffen könnte, bei denen “Firmen 15 bis 20 Prozent Operationskosten einsparen können”. Das sagt Eduardo Pegado, 57 Jahre, Vorstand der Verbrauchergruppe AECCP (Agrupamento de Empresas Consumidoras de Combustíveis de Portugal). Auf einem Sektor, der von großen Interessen und Monopolen beherrscht wird, zählt Eduardo Pegado auf die Unterstützung von 7.000 Unternehmern, um ein privates Tankstellennetz durchzusetzen. Bisher sind acht Orte im Land vorgesehen, mittelfristig sollen es mehr werden. Auch außerhalb des Landes wird bereits über diese Kampagne gesprochen. Länder wie Angola, Mosambik und Nigeria sind an dem neuen Modell, Unternehmen zu unterstützen, interessiert. Und Sie?
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 632 (24 Jun 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires
Eduardo Pegado

Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?

Eduardo Pegado: Es entstand im März 2006 aus den Schnittpunkten mit mehreren anderen Projekten, die ich während meiner beruflichen Laufbahn initialisiert habe: die Schaffung von “Agrupamentos Complementares de Empresas” (ACE). Grundsätzlich ist ihr Ziel, zur Entwicklung von assoziierten Unternehmen und der Erhöhung ihrer Wettbewerbsfähigkeit beizutragen, zum Beispiel durch die Aushandlung von besseren Konditionen bei Banken und Lieferanten. Ich habe Gruppierungen von Supermärkten, Drogerien, Kliniken und Hotels erstellt. Dies ist mein fünftes Projekt, in das ich alle bisherigen Erfahrungen einbringe. Der Unterschied ist, dass dieses “multisektoral” sein wird. Jedes Unternehmen, von jeder Größe und in jeder Branche, kann sich anschließen.

Und warum Kraftstoff?

Als das Projekt begann, gab es gerade eine deutliche Erhöhung der Kraftstoffpreise. Die Regierung hat den Anstieg nicht kontrolliert. Also habe ich die Möglichkeit in Betracht gezogen, ein Netz für Mitglieder zu schaffen. Wir haben Kontakt zu sämtlichen Anbietern in Portugal aufgenommen, um die besten Bedingungen für unser Ziel zu finden.

Sie haben AECCP an der Algarve gegründet, abseits der großen Zentren für Entscheidungsfindungen der portugiesischen Wirtschaft. Hat das Misstrauen bei den potentiellen Interessenten geschürt?

Ich denke nicht. Am Anfang hatten die Unternehmen viele Zweifel an den Vorteilen, die sich mit diesem Projekt ergeben könnten. Sie wollten es erst nicht glauben, denn heutzutage wird viel geredet. Es gibt viele Vorschläge, aber dann, in der Realität, nur wenige Ergebnisse. Einige Unternehmen sind beigetreten, um zu sehen, was passiert. Andere zogen es vor zu warten. Wir machten so lange weiter, bis wir einige Wirtschaftsverbände (“Associações Empresariais”) kontaktiert hatten, die unsere Idee sehr gut fanden. So konnten wir die Zahl der Mitglieder stark erweitern.

Aktuell zählen 7.000 Firmen zu Ihren Mitgliedern. Wie viele davon kommen aus der Algarve?

Etwa 30 Prozent. Zu Beginn war das Interesse der regionalen Unternehmen groß. Aber aktuell haben viele starke Probleme infolge der Wirtschaftslage und somit andere Prioritäten.

Wie kann man bei AECCP Mitglied werden?

Es reicht ein Interessenformular auszufüllen, das dann analysiert wird. Wird eine Mitgliedschaft anerkannt, ist eine einmalige Gebühr von 200 Euro zu entrichten. Dafür entfallen Jahresbeiträge. Danach kann man immer von den Konditionen für unsere Mitglieder profitieren. Dazu gehören zum Beispiel auch vorteilhafte Verträge mit Telefonanbietern. Bedenken Sie, dass unser Ziel ist, Unternehmen zu helfen, ihre Betriebskosten zu senken. Diese machen natürlich nicht nur Treibstoff aus, sondern auch eine Vielzahl anderer Konsumgüter und Dienstleistungen. Wir haben Vereinbarungen mit Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern, Versicherungen, Herstellern und Verkäufern von Autos und Autoteilen und Kontrollsystemen für Firmen mit Fahrzeugflotten getroffen. Das heißt, es bietet sich eine ganze Reihe an Vorteilen.

Worum geht es bei dem Kraftstoffnetzwerk?

Vor zwei Jahren haben wir begonnen, erste Projekte bei den Gemeinden vorzustellen. Im Moment sind zwei davon genehmigt – auf Madeira (Santa Cruz) und in Palmela. Die Einrichtung wird bereits im September beginnen. Danach werden wir eine in Ourique und die neueste in Leiria, nahe der EN1, haben. Vor kurzem hat auch Batalha Interesse gezeigt, sich uns anzuschließen. Und es zeigt sich Interesse seitens einer unserer Gruppen in Borba, Land für eine unserer Tankstellen zur Verfügung zu stellen.

Und an der Algarve?

Wir haben eine in Portimão, die stillschweigend genehmigt wurde, und eine andere in Alcantarilha, über die wir kürzlich mit dem Bürgermeister sprachen. Weitere sind in Ferreiras (Albufeira) und Loulé, in der Nähe des Industriegebietes, geplant. Außerdem in Faro, nahe der EN 125, in Vale da Venda. Wir haben auch eine Tankstelle in Lagoa vorgesehen, das Projekt ist aber etwas in Verzug geraten.

Was kostet die Einrichtung und Instandhaltung einer Tankstelle?

Unser Budget liegt bei 250 tausend Euro pro Tankstelle (Bau und Ausstattung) und wir brauchen fast 40.000 Liter Kraftstoff jede Woche. Die Grundstücke nutzen wir im Zusammenwirken mit privaten Eigentümern oder den Gemeinden.

Welche Kraftstoffe werden dort angeboten?

Diesel und Benzin 95. Zukünftig wollen wir aufrüsten und Flüssiggas und Ladestationen für Elektroautos mit anbieten.

Wie bedient man sich an den Zapfsäulen?

Mit einer eigenen Magnetkarte. Man muss grundsätzlich selber tanken, aber einige Tankstellen werden, von einigen unserer Gruppen unterstützt, einen Service anbieten, wie Reifen, Werkstatt und Café.

Wann sind die ersten Tankstellen voraussichtlich betriebsbereit?

Noch vor Ende des Jahres 2010. Im Schnitt dauert die Errichtung einer Tankstelle zwei Monate. An der Algarve wollen wir in Portimão noch vor Ende des Jahres eröffnen.

Wie viel kann ein Unternehmer in der Praxis damit einsparen?

Das wird immer unterschiedlich sein, aber wir rechnen mit sechs bis neun Cent pro Liter und der Möglichkeit unsere Preise mit der Zeit noch zu verbessern.

Wie haben Sie dieses Projekt finanziert?

Wir haben eine “Sociedade Anónima” (SA) gegründet, um das ganze Projekt AECCP zu beschleunigen. Man kann Aktien kaufen oder in uns investieren. Wir haben auch schon Kontakte zu ausländischen Investoren, die an diesem Geschäftsmodell interessiert sind.

Wenn Ihr Angebot vorteilhafter ist, könnten doch viele Firmen ihre derzeitigen Strukturen (wie Karten für Flotten) aufgeben und AECCP beitreten. Ist das eine direkte Konkurrenz?

Das stimmt, und das ist auch schon passiert. Obwohl unbeabsichtigt, treten wir in einen Krieg. Unsere Vision und unser Wunsch ist, dass wir Partner unserer Lieferanten sind, obwohl wir als Konkurrenz gesehen werden.

Kann das Schwierigkeiten mit der Auffüllung der Tankstellen bedeuten?

Das Wettbewerbsgesetz verlangt, dass wir beliefert werden müssen, wenn wir dies wünschen. Es können uns allerdings Hindernisse in den Weg gelegt werden, wenn zum Beispiel Vorkasse verlangt wird. Letztendlich ist es aber so, dass wir, wenn Petrogal - der einzige Treibstofflieferant in Portugal - sich weigert uns zu beliefern, in Spanien einkaufen können. Auf Madeira, ist uns die Unterstützung der Regierung sicher, und wenn Petrogal sich uns nicht zur Verfügung stellen will, werden sie zweifellos gezwungen, uns zu beliefern. Ebenso mussten sie schon vor kurzem die Preise senken.

Bekommen Sie Unterstützung vom portugiesischen Staat?

Nein. Wir haben schon verschiedene Verträge geschickt, aber keine Antwort erhalten. Dabei gibt es zwei Dinge zu berücksichtigen. Die Regierung in Madeira ist mit der Entwicklung ihres Gewerbegebietes beschäftigt. Und unserer ist es wurscht, die fördert nur große Gruppen mit entsprechendem Kapital.

Wenn die Regierung die Lieferfirmen unter Druck setzen würde schnell und objektiv zu reagieren, wäre ihr Projekt dann weiter fortgeschritten?

Zweifelsfrei. Die Regierung sagt, sie unterstützt die Entwicklung von Strategien zum Nutzen von Unternehmen und Bürger. In der Praxis tut sie das nicht, sondern schafft uns nur Probleme.

Was benötigen Sie momentan?

Zwei Dinge. Die Hilfe des Regierungsapparates, der durch finanzielle Mittel oder Anreize unsere Initiative erleichtern könnte. Die Banken geben keine Kredite, also müssen wir auf die Gelder unserer eigenen Mitglieder zurückgreifen. Darüber hinaus sind wir offen für neue Investoren. Wir wissen, dass unser Projekt Sinn macht und in der Lage ist, genügend zurück zu geben.

Eine letzte Frage - ist es immer noch sinnvoll, auf fossile Brennstoffe zu setzen?

Ich denke, diese Art der Abhängigkeit in der Energieversorgung wird sich noch über eine lange Zeit fortsetzen. Ich erinnere mich von erneuerbaren Energien schon vor über zwanzig Jahren gehört zu haben, aber ich denke, der Durchbruch gelingt nicht, weil die Macht der Ölkonzerne so groß ist und jede andere Möglichkeit, die auf dem Markt erscheint, vernichtet wird.

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