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Ausgabe 714
2012-02-02 > 2012-02-08
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Rui André

Möchte Monchique Veränderungen?

Rui André, 34 Jahre, ist der junge Kandidat der sozialdemokratischen Partei PSD/Algarve (Partido Social Democrata) für das Bürgermeisteramt in Monchique. Bei den kommenden Wahlen tritt er dem am längsten dienenden Bürgermeister gegenüber: Carlos Tuta, altgedienter Sozialist, seit 27 Jahren im Amt. Während eines Dinners zur Unterstützung der PSD am Donnerstag, 10. September, bei dem auch Marcelo Rebelo de Sousa anwesend war, sprachen wir mit dem Mann, von dem der Abgeordnete Mendes Bota denkt, er “habe die Qualität, den Hintergrund und die Mittel, um die Probleme der Einwohner von Monchique zu lösen”.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 593 (17 Sep 2009), Ohne Kommentare »
Uwe Heitkamp
Marcelo Rebelo Sousa, Rui André, Mendes Bota

Welches Motiv hat ein junger 34-jähriger, zu kandidieren und sich in die lokale Politik einzumischen?

In Monchique muss so viel getan werden. Das kann auch eine Herausforderung darstellen. Der schon lange stagnierende Landkreis ist ein offenes Buch, das darauf wartet, mit moderner Politik gefüllt zu werden.

Lässt die finanzielle Situation das zu?

Ich komme aus einer bescheidenen Familie, wurde nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und habe immer gelernt, viel mit wenig Geld anzustellen. Ich glaube, dass man mit geringen Mitteln viele interessante und sehr kreative Dinge tun kann. Deshalb meine ich, ist es heutzutage für einen Bürgermeister sehr wichtig zu wissen, wie die Bevölkerung aus den vorhandenen Geldmitteln ihren Nutzen ziehen kann. In Monchique spricht man über größenwahnsinnige Projekte. Die Mehrheit der Bevölkerung aber benötigt kleine Dinge und es ist ihr wichtiger, die Löcher vor ihrer Haustüre zu reparieren. Vieles, was in Monchique fehlt, hat mit sozialem Bewusstsein zu tun.

Welches sind die starken Punkte Ihres Programms?

Nun, momentan sprechen wir mit den Bürgern. Wir haben nicht die Absicht, ein Programm aufzustellen, das voller leerer Versprechen ist. Wir wollen die Probleme der Bevölkerung lösen. Wir streben eine mittelfristige Strategie an. Wir möchten eine Möglichkeit zur Unterstützung von unternehmerischen Kompetenzen schaffen. Es soll unter dem Motto «Monchique investe» (Monchique investiert) laufen und wäre im Grunde ein Werkzeug, um Investitionen und die kleinen lokalen Geschäfte zu fördern, sowie für andere Projekte attraktiv zu sein. Ich denke, das fehlt hier. Bedenken Sie, dass derjenige, der in irgendeinen Landkreis investieren will, nicht willens ist, die ganze Bürokratie und die damit verbundenen Schwierigkeiten auf sich zu nehmen. Also schaffen wir Konditionen, durch die Monchique für alle, die hier investieren wollen, attraktiv wird.

Entgegen der Landflucht der einheimischen Bevölkerung, zieht Monchique viele ausländische Bürger an. Ist es Ihre Absicht, ihnen mehr Beachtung zu schenken?

In Monchique leben fast 7.000 Menschen, etwa 1.000 davon sind Ausländer. Selbstverständlich sollte einem Bürgermeister dieser Fakt nicht fremd sein. Es ist doch so, dass einige dieser Ausländer Monchique gewählt haben, um den Rest ihres Lebens hier zu verbringen. Natürlich müssen wir ihren Wert für die Gemeinde schätzen. Zum Beispiel leben hier viele Künstler und Menschen, die mit der Kunst verbunden sind. Warum sollte Monchique davon nicht profitieren?

Einer der ständigen Kritikpunkte ist, dass es in Monchique kein kulturelles Leben gibt. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Gab es hier nie. Ich glaube aber, dass Monchique jetzt ein sehr interessanter Ort für Kultur werden kann. Zum Beispiel wird viel über eine Sanierung des ehemaligen Klosters gesprochen. In Monchique gibt es ein sehr großes Erbe. Das Kloster ist nur ein kleiner Teil davon. In Alferce gibt es Reste eines arabischen Aussichtspostens, und es gibt hunderte von archäologisch interessanten Stellen, die bis in die Eisen- und Steinzeit datiert werden. Davon weiß nur kaum jemand etwas!

Was gedenken Sie bezüglich des Schutzes des Waldes zu unternehmen?

Das hat Priorität. Ich habe Ingenieur Grade als stellvertretenden Bürgermeister vorgeschlagen. Er besitzt viel Wissen über die Problematik der Waldbrände hier. Außerdem denke ich, ist es fundamental, dass die Menschen hier wissen, wie sie sich vor einem Feuer schützen können. Bisher gab es noch keine Kampagne, bei der die Leute gelernt hätten, wie sie sich im Falle eines Brandes verhalten sollten. Zudem kann auch die Stadtverwaltung helfen, freie Gelände und Land um die Häuser zu säubern - und bei dem Bau von Zisternen für abgelegenere Häuser. Es ist ja so, dass im Brandfall die Menschen normalerweise evakuiert werden. Hätten sie aber Wasser zur Verfügung, könnten sie sich und ihr Eigentum verteidigen. Ich befürworte auch die Nutzung von Poolwasser in einem Notfall.

Eines der Probleme des Landkreises ist weiterhin die sanitäre Grundversorgung, sprich die Abwässer. Ist Ihnen bekannt, dass es in der Gegend von São Roque nur ein Abwasserrohr für 89 Haushalte gibt, das letztlich direkt in den nächsten Fluss führt?

Ja. Das ist heute immer noch so. Das hat der Stadtrat veranlasst und die Entwässerung liegt weiterhin offen. Manchmal neigen Bürgermeister, wie der, der momentan im Amt ist, dazu, die Probleme unter den Teppich zu kehren. Die Lösung für das Problem hier ist die gleiche, die für Portimão entschieden wurde. Dort wird eines Tages eine Abwasseraufbereitungsanlage gebaut. Sobald das passiert, gehört das Abwasser in den Verantwortungsbereich der Firma «Águas do Algarve», die sich dem Problem annimmt. Aber ich denke, dass die Stadtverwaltung Mitverantwortung trägt ,und das ist etwas, was mir wirklich Sorgen bereitet. Wir brauchen Verbesserungen in umwelttechnischen Fragen. Wir können nicht über touristische Projekte sprechen, wie die „Via Algarviana“, und unseren Besuchern dann verschmutzte Flüsse zeigen.

Es ist allgemein bekannt, dass der gegenwärtige Bürgermeister zwei Autos für seinen persönlichen Gebrauch nutzt. Wie stehen Sie dazu?

Wie Sie wissen, bin ich mit der sozialen Unterstützung verbunden. Ich habe vor einiger Zeit vorgeschlagen, in Monchique ein Gesundheitsmobil einzusetzen. Ich erhielt die Antwort, es stünden keine Fahrzeuge zur Verfügung. Da ich wusste, dass der Bürgermeister zwei hat, fragte ich, ob es nicht möglich sei, eines davon für diesen Dienst bereitzustellen. Mein Vorschlag wurde abgelehnt. Aber eigentlich gehören die Fahrzeuge der Stadt und jeder Abgeordnete oder Angestellte kann diese Fahrzeuge im Dienst nutzen!

Falls Sie die Wahlen gewinnen, hätten Sie gerne Carlos Tuta als oppositionelles Stadtratsmitglied?

Ja. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er das Amt nicht annehmen wird, falls er verliert. Aber ich würde ihm gerne zeigen, wie ein Monchique im 21. Jahrhundert geleitet wird. Was auch immer geschieht, er wird es mitkriegen, weil dieser Landkreis zukünftig sowohl in den Medien als auch im Volksmund präsent sein wird - aber nicht wie bisher, im Zusammenhang mit bedauerlichen Geschehnissen. Ich wünsche mir, dass in Zukunft über Monchique als dynamischer, unternehmensorientierter Landkreis gesprochen wird, der Leute und Investoren anlockt, als einen Ort, wo man gerne lebt und der hohe Lebensqualität bietet.

Vielen Dank für das Gespräch.

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