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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Natividade Gomes Augusto

Die Liebe zur Luftfahrt

Natividade Gomes Augusto, 39 Jahre, wurde in Celorico da Beira geboren, der Heimat des portugiesischen Piloten Sacadura Cabral. Abgesehen von diesem Zufall, ist ihr Lebensweg untrennbar mit der Geschichte der Fliegerei verknüpft. Die studierte Soziologin bekam sogar von der Portugiesischen Luftwaffe einen Orden für ihren schriftstellerischen Dienst am Land verliehen. Sie ist am Samstag, 26. September um 16 Uhr, in der FNAC-Filiale an der Algarve, um ihr bahnbrechendes neues Buch in Portugal vorzustellen: «História da Aviação e do Controlo de Tráfego Aéreo» (Die Geschichte der Fliegerei und die Luftverkehrskontrolle). Ihr Werk wird bei der Debatte zum Thema «Puzzle da Aviação» besprochen, wo auch wichtige Themen für jedermann auf den Tisch kommen, wie zum Beispiel Globalisierung und Sicherheit, bis hin zum Bau des neuen Flughafens. Aber zuvor möchten wir etwas mehr über diese fliegende Frau erfahren.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 592 (10 Sep 2009), Ohne Kommentare »

Vivalgarve: Sie haben bereits eine lange Karriere im Bereich der Luftnavigation. Hat Sie diese Erfahrung veranlasst, das Buch zu schreiben?

Natavidade Gomes Augusto: Ja, ich bin seit 20 Jahren auf dem Gebiet der Luftfahrt tätig, hauptsächlich an Flughäfen und in der Luftnavigation, eine Laufbahn, die 1990 begann. Ich hatte immer ein starkes Bedürfnis, die Operationen in der Luftfahrt, die um mich herum passierten, zu verstehen. Also begann ich, die Arbeit meiner Kollegen zu beobachten und registrierte alles, was ich sah oder hörte. Und so ist mein Buch entstanden. Mein primäres Ziel bei der Veröffentlichung dieses Werkes ist, Wissen über die Luftfahrt zu vermitteln, der Gesellschaft aufzuzeigen, wie ein Flugzeug sicher durch die Lüfte fliegt und allen Passagieren - in technischen Belangen - zu erklären, wie ihre Reisen zustande kommen.

Ihr Buch behandelt auch die Geschichte der Luftfahrt und die Luftverkehrskontrolle. Sind diese Dinge untrennbar verbunden?

Das Konzept beider ist es. Wenn es im Bereich der Luftverkehrskontrolle Innovationen und Entwicklungen gibt, entwickelt sich auch die Luftfahrt weiter. In die Luftfahrt sind verschiedene Player einbezogen – von den Herstellern, über die Luftfahrtgesellschaften, die Flughäfen, Experten, Techniker, das Training des Personals, die Assistenz im Hintergrund und natürlich die bestimmenden Behörden, in diesem Fall das „Instituto Nacional de Aviação Civil“. Die Geschichte der Luftfahrt wird von den Entwicklungen von einem oder mehrerer Player geschrieben.

An wen richtet sich dieses Werk – an Profis oder jeden, der an diesem Thema interessiert ist?

Das Werk richtet sich speziell an die Fans der Luftfahrtgeschichte, und genauer an die der portugiesischen Luftfahrtgeschichte. Aber es ist auch für jeden der beruflich damit zu tun hat, und speziell Studenten der Luftfahrtwissenschaften, interessant. Einige Fakultäten haben es bereits ihrer Literatur hinzugefügt.

Hat sich Portugal immer parallel zu den anderen Ländern entwickelt, oder gab es Ausnahmen – zum Beispiel infolge seiner neutralen Position während des Krieges, oder ähnliches?

Portugal war mit den anderen Ländern immer gleich auf und erlangte einigen internationalen Ruhm. Erinnern wir uns an meinen Landsmann, den Piloten Sacadura Cabral - er flog 1921 von Lissabon nach Rio de Janeiro. Portugal ist Mitglied verschiedener internationaler Organisationen, die wichtigste ist die ICAO - Internationale Zivilluftfahrtorganisation, die während eines Kongresses in Chicago entstand. Sie enthält 18 Anlagen mit Normen und empfohlenen Praktiken. Die anderen Länder beachten sie, damit man sich in der globalisierten Welt verständigen kann.

Die Beziehung Pilot – Verkehrskontrolleur war in der Luft nicht immer einvernehmlich. Wie ist da Ihre Erfahrung?

Wie gesagt, die Piloten und die Verkehrskontrolleure sind Teile eines Puzzles. Und dieses Puzzle muss funktionieren, da es wiederum Teil eines Systems mit vielen klar definierten Regeln ist. Die Beziehung Pilot – Kontrolleur muss funktionieren, und kein Profi ist verrückt genug zu glauben, dass es anders sein könnte. Sie wissen, dass die Sicherheit der Gesellschaft in ihren Händen liegt. Ich habe beschrieben, wie diese Profis geschult werden, um sich ein starkes Bewusstsein für die Sicherheit einzuverleiben. Zum Glück gab es in Portugal nie schweres menschliches Versagen. Auf diesem Gebiet sind die Portugiesen ausgezeichnet ausgebildet.

Es gibt nicht sehr viele Bücher über die Fliegerei auf Portugiesisch und von portugiesischen Autoren. Ihr Buch ist eine Pionierarbeit. Trotzdem mussten Sie Ihr Buch selbst verlegen. Warum?

Ich habe vier Jahre mit dem Schreiben und Veröffentlichen dieses Buches verbracht – speziell da es keine Referenzen gab. Ich habe viel Zeit in Beobachtungen und Interviews investiert. Daher hatte ich den Eindruck, ich hätte eine Belohnung verdient – sowohl wirtschaftlich als auch sozial. Beide Herausgeber, die Interesse hatten, wollten mir dafür nicht viel geben. Der Profitanteil wäre sehr gering ausgefallen und das Buch hätte nicht auf die Art eingeschlagen, die ich es mir wünschte. Also habe ich mich entschlossen, die soziale Anerkennung, die ich mir erhofft habe, selbst zu holen. Wirtschaftlich gesehen, habe ich mich entschlossen, ein Werk von hoher Qualität abzuliefern und umweltfreundlich. Daher habe ich das vorgesehene Budget weit überstiegen….

Eine der aktuellen Diskussionen in Portugal betrifft den Bau eines großen Flughafens in der Hauptstadt. Bekommen wir Ihrer Meinung nach, und dem nach, was Sie herausgefunden haben, zukünftig mehr und mehr Flughäfen, oder sollten Flüge und Infrastrukturen rationalisiert werden?

Wenn ein Flughafen seine Kapazitäten voll ausgeschöpft hat, stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl. Die erste ist, die Kapazität zu erhöhen, falls dafür Platz ist, wie es in Portela, Lissabon, schon geschehen ist. Die zweite ist, den Flughafen zu erweitern. Die Möglichkeit bringt, obwohl sie einige Vorteile hat, Probleme für die Passagiere und die Luftfahrtgesellschaften mit sich. Die dritte Möglichkeit ist, einen ganz neuen Flughafen zu bauen. Der Bau sollte möglichst in Etappen entstehen, um das Investment rückfließen lassen zu können. Ein Beispiel, wo das nicht geklappt hat, ist der Flughafen von Athen, der in einem Mal erbaut wurde, mit einem enormen Investment und der es nicht schafft, sich wirtschaftlich auszuzahlen, wodurch dessen Existenz sich als unberechtigt herausgestellt hat.

Wenn die Erweiterung des Flughafens in Portela seine Grenze erreicht hat, sowohl an Land als auch in der Luft, besteht die Notwendigkeit, über den Bau eines neuen nachzudenken.

Nichtsdestotrotz müssen dabei die Kosten wohl abgewogen werden - und schnell - da verspätete oder falsche Entscheidungen die Portugiesen ein Vermögen kosten könnten.

Sie sagen, Sie lieben die Luftfahrt. Was hat diese Liebe genährt?

Sie ist eine meiner drei Leidenschaften – Menschen, Sicherheit und Luftfahrt. Die Luftfahrt war eine Leidenschaft, die sich erst langsam entwickelt hat, ich mochte sie nicht von Beginn an. Ich habe gelernt ,sie zu mögen, da ich acht Stunden am Tag damit beschäftigt war. Meine größte Leidenschaft ist die Sicherheit und meine nächsten schriftstellerischen Arbeiten werden sich mit diesem Thema befassen.

Vielen Dank für das Interview.

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