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Splitterfasernackt

Naturismus war früher schon beliebt, und heute gibt es immer noch viele Menschen, die sich gerne ihrer Kleidung entledigen. “Können Sie sich vorstellen, in Ihren Shorts zu duschen? Es ist besser ohne, stimmt´s? Das ist die primäre Motivation für den Naturismus. Nackt zu sein, ist das Natürlichste der Welt. Es erlaubt den direkten Kontakt mit der Natur und ist ein herrliches Wohlgefühl”, berichtet uns Maria Emília, Mitglied des CNA.
Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt uns Álvaro Campos, seit 1978 Naturist und Vorsitzender des CNA, dass es kein bestimmtes Profil für Naturisten gibt. Menschen aller sozialer Klassen, Altersgruppen und aus allen Berufen praktizieren die Nacktkultur. “Bei einem Naturistentreffen gibt es kein arm, kein reich, keine Doktoren oder Ingenieure. Unsere Körper sind alle gleich. Einige etwas dicker, andere dünner, manche größer oder kleiner - das ist doch kein Problem”, sagt er.
Nichtsdestotrotz ist ihm klar, dass jeder Naturist ein Individuum mit einem Bewusstsein gegenüber seinem Umfeld ist, glücklich im Kontakt mit der Natur, aber auch in der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Im Prinzip ist der Naturist an der bürgerlichen Gemeinschaft interessiert.
“Unglücklicherweise ist dieses Verhalten in Portugal untergegangen. Die Kultur der Individualisten hat Einzug gehalten”, erklärt er.
“Ich denke, dass es heutzutage viele Leute gibt, die den Naturismus leben, aber nur auf eigene Faust und anonym”, fügt er hinzu. Warum? Ist es verpönt?
“Nicht wirklich. Viele Leute stehen dem Beitritt eines Naturisten-Clubs wohl misstrauisch gegenüber, weil ihr Name dann auf einer Liste zu finden ist. Sie befürchten negative Konsequenzen für ihre private und berufliche Stellung”, sagt er.
“Wir haben das bereits erlebt. Ein guter Prozentsatz der Praktizierenden haben Probleme, uns beizutreten. Aber so ist das eben in Portugal. Hier haben die Leute viele Probleme, zu sich selbst zu stehen”, gibt er zu bedenken.
Das bedeutet aber auch, dass es nicht leicht ist, festzustellen, wie viele Naturisten es in Portugal eigentlich gibt. Journalist und Autor Pedro Laranjeira, selbst Naturist, der über dieses Thema schreibt, schätzt, dass es etwa 100.000 Personen sind, die sich gerne ausziehen – sowohl Naturisten als auch Nudisten.
Der Naturisten-Club der Algarve hat seltsamerweise auch immer noch keinen Sitz. “Wir haben ein paar Versuche in den Gemeinden Aljezur, Lagos und, vor nicht all zu langer Zeit, in Portimão unternommen. Dort haben wir gefragt, ob wir uns in einem ehemaligen Grundschulgebäude niederlassen können, aber bisher hatten wir keinen Erfolg”.
Die Webseite des CNA verzeichnet allerdings jährlich über 50 tausend Besucher aus aller Welt. Kontakte und Nachfragen nach Informationen erreichen uns fast täglich, meistens von spanischen Naturisten.
Aber die Hoteliers sind generell nicht interessiert. “Wir haben schon diverse kontaktiert, da wir weitere Unterkünfte und Equipment benötigen, aber keiner zeigt echtes Interesse”, sagt Maria Emília.
“An der Algarve gibt es nicht die notwendigen Bedingungen, zum Beispiel einen großen Konferenzraum. Ob es den Leuten gefällt oder nicht, Naturismus ist heute ein großer Wirtschaftszweig. Schaut Frankreich an, dort gibt es 260 Orte für die Freikörperkultur. Und Spanien erwartet dieses Jahr eine Millionen Naturisten aus ganz Europa!”
Trotz 220 Kilometer Küstenlinie existieren an der Algarve nur zwei offizielle Nacktbadestrände – Praia das Adegas, in Odeceixe, und Praia do Barril, auf der Ilha de Tavira. Ansonsten wird es an etwa 12 Stränden toleriert. Zum Vergleich: An der spanischen Küste sind es 400.
Was die Unterkünfte betrifft, ist die Diskrepanz noch größer. Es gibt neben wenigen anderen nur die «Quinta dos Carriços» in Salema.
Wer glaubt, dass es sich dabei um promiskuitive Etablissements handelt, hat weit gefehlt. Die meisten Campingplätze und Parks erlauben nur Personen mit einem Mitgliedsausweis, wie für den CNA, den Zutritt.
Nur dieser Nachweis öffnet die Türen zu einem der Naturistenzentrum, die weltweit von der International Naturist Federation (FNI) genehmigt werden.
“Wie man sich vorstellen kann, sind diese Orte auch für Leute mit dubiosen Absichten attraktiv. Daher ist der Zugang nur Personen, die die Ethik und Philosophie des Naturismus respektieren, vorbehalten – besonders, da oft Familien, Frauen und Kinder diese Orte besuchen”, betont Campos.
Er denkt, dass sich die Mentalität stark verändert hat. Die Gesellschaft an sich hat mit den Naturisten kein Problem mehr, außer vielleicht “einige wenige, die nicht begreifen, dass es sich um eine Lebensphilosophie handelt“.
Bezüglich des Katholizismus, “sagt sogar schon Papst Johannes Paul II, dass der Nudismus als solches keine Sünde sei”. “Die Sünden sind nur in den Köpfen der Menschen”, schließt er.
Am 10. Juni reichte die Partei der «Grünen» den Vorschlag beim Parlament ein, das Gesetz Nr. 29/94 zu kippen, mit dem Ziel, weitere Nacktbadestrände zu schaffen.
Der Naturisten-Club der Algarve, der im Juli 2003 von einer kleinen Gruppe gegründet wurde, hat inzwischen 90 Mitglieder, von denen einige seit den 70er Jahren den Naturismus leben.
Nächste Woche, vom 13. bis 18. August, findet in Santiago do Cacém, im Alentejo, das 3. Treffen der Iberischen Naturisten (III Encontro Ibérico de Naturismo) statt, an dem portugiesische und spanische Vereinigungen zugegen sein werden. Eines ist gewiss: In der Zeit wird die Stadt voller nackter Menschen sein.








