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Ausgabe 778
2013-05-23 > 2013-05-29
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Portimão Global Ocean Race

Mastbruch ist kein Weltuntergang

Das aktuelle Interview mit Felix Oehme und Boris Herrmann von der Segelyacht Beluga Racers. Das Portimão Global Ocean Race geht zu Ende. Zwei junge Männer, 27 und 28 Jahre alt, Felix Oehme und Boris Herrmann segeln in neun Monaten mit ihrer kleinen, zwölf Meter langen Segelyacht Beluga Racers um die Welt. Die beiden Deutschen gewinnen überraschend die erste Etappe von Portimão nach Kapstadt (Südafrika), ebenso die zweite von Kapstadt nach Wellington (Neuseeland), belegen hinter dem chilenischen Team Desafio Cabo de Hornos den zweiten Platz bei der dritten Etappe nach Ilhabela (Brasilien), gewinnen die vierte Etappe nach Charleston (USA) und befinden sich im Moment nur knapp hinter dem chilenischen Team auf dem Rückweg nach Portimão. In den nächsten Tagen, vermutlich am kommenden Montag, werden sie in den Hafen von Portimão einlaufen. Ihr Gesamtsieg steht fest.
Uwe Heitkamp, Ausgabe 580 (18 Jun 2009), Ohne Kommentare »
Felix Oehme & Boris Herrmann

Algarve123: Erst einmal Herzlichen Glückwunsch Euch beiden. Ihr seid im Moment irgendwo nördlich der Azoren, auf der Höhe der Insel Flores. Wenn die Winde gut stehen, werdet Ihr ziemlich bald in Portimão eintreffen. Habt Ihr am Anfang daran gedacht, daß Ihr eine Chance auf den Sieg hättet?

Felix Oehme: Das war so gar nicht geplant. Wir kannten ja vorher die anderen Teilnehmer nicht. Uns wurden die Chilenen als Favoriten vorgestellt. Aber dann, nach der ersten Etappe, in Kapstadt, war klar, daß auch wir auf einmal dazuzählten.

Algarve123: Nehmen wir einmal an, einer Eurer Mitbewerber würde sich den Mast brechen und Ihr wärt in der Nähe. Würdet Ihr abdrehen und ihn retten oder eher durchstarten?

Felix Oehme: Wir hatten so einen Fall im Indischen Ozean. Dort rissen dem holländischen Teilnehmer der Yacht Hayai die Kielbolzen. Das Blei hing noch an einer einzigen Schraube, und das Boot drohte zu kentern. Da änderte die belgische Yacht Roaring Forty ihren Kurs, um zu Hilfe zu kommen. Ein Mastbruch ist allerdings noch kein Weltuntergang. Keine Frage, wer Hilfe braucht und uns ruft, dem helfen wir.

Algarve123: Wenn Ihr an die acht Monate zurückdenkt, was war das Erlebnis, an das Ihr Euch sofort – und vermutlich immer wieder – erinnern würdet, von dem Ihr eines Tages Euern Kindern erzählen werdet?

Boris Herrmann: Nach wochenlangem Segeln im Pazifischen Ozean – als erstmals wieder Land in Sicht kam und wir einen Tag später ums Kap Horn rum sind. Aber auch die Geschichte, wie wir ganz allein im Pazifik segelten und bei Schwachwinden über tausende von Meilen alle anderen Teilnehmer in Rufweite hatten. Da haben alle Konkurrenten miteinander geklönt. Das war schon was ganz besonderes.

Algarve123: Laßt uns mal über die Natur und das Meer reden. Waren die Gewässer, durch die Ihr gesegelt seid, stark vermüllt?

Felix Oehme: Der südliche Pazifik war extrem sauber. Je näher wir allerdings nach Brasilien kamen, desto mehr Flaschen fanden wir im Südatlantik.

Algarve123: Ihr seid jetzt bereits zehn Tage im Nordatlantik unterwegs. Könnt Ihr uns sagen, ob sich mit dem Klimawandel die Segelbedingungen im Golfstrom verändert haben?

Felix Oehme: Vom Lavradorstrom kennen wir von vorherigen Segelregatten die Nebel und das extrem kalte Wetter. Im Golfstrom beobachten wir gespannt das warme Wetter, das warme Wasser und die Entstehung der kleinen Regenwolken. Faszinierend. Über Veränderungen des Klimas zu reden, fehlt uns der Vergleich.

Algarve123: Wenn es Meinungsverschiedenheiten an Bord gibt, wie löst Ihr Konflikte auf engstem Raum?

Felix Oehme: Nehmen wir ein Beispiel, die Segelwahl. Wenn wir da unterschiedlicher Meinung sind, schieben wir die Entscheidung noch ein wenig auf. Dann beraten wir uns noch einmal und kommen nach einer halben Stunde zu einer gemeinsamen Entscheidung...

... das setzt große Disziplin voraus, aber auch Kameradschaft...

...klar, wenn du mitten in der Nacht aufstehen und dich an die Pinne setzen mußt, geht das nur so...

Algarve123: Wie kocht Ihr? Was eßt Ihr? Gibt es etwas, was Ihr vermißt?

Felix Oehme: Wir haben eine Kochstelle an Bord, einen Gaskocher mit einer Flamme. Meist kochen wir Pasta, aber auch Reis und jeden Tag ein Müsli. Ganz wichtig ist ein Stück Obst pro Tag. Ja, ein kühles Bier würden wir uns bei der Ankunft schon wünschen!

Algarve123: Segeln da draußen muß in Harmonie und natürlicher Stille ablaufen, mit der Natur. Habt Ihr eine Idee, wie Ihr das später an Land leben wollt? Hier ist es laut, schnell, hektisch...

Felix Oehme: Laufen, aber auch Wellenreiten. Vielleicht kann man die Harmonie wirklich nur im und mit dem Wasser erreichen. Wie ist denn das Wetter bei Euch in Portimão?

Algarve123: Subtropisch, schwül, zum Schwitzen, so gut wie gar kein Wind, Gewitterwetter.

Felix Oehme: Hoffentlich ändert sich das, denn wir wollen nicht draußen vor Sagres liegen und fünf Tage bis zur Hafeneinfahrt nach Portimão brauchen...

Algarve123: Vielen Dank für heute, Mast- und Schotbruch für Euch. Wir sehen uns dann bei der Einfahrt in den Hafen und stellen das Bier schon mal kalt!!!

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