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Ausgabe 729
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António Goulart

Driftet die Algarve ab?

Für António Goulart, Leiter des Gewerkschaftsbunds der Algarve, gibt es Gründe, beunruhigt zu sein. Die Region ist kurz davor, die höchste Arbeitslosenrate seit 1990 zu erreichen oder sogar zu übertreffen. Außerdem sieht er täglich den “stillen Tod”. “Jeden Tag werden Stellen in Kleinst- und Kleinbetrieben abgebaut”. Wir sprachen mit dem Gewerkschaftsführer, der José Sócrates letzte Woche einen Notfallplan ausgehändigt hat. Zu der Zeit hat der Premierminister gerade die neue «Loja do Cidadão» in Faro eröffnet.
Bruno Filipe Pires, 9 Apr 2009 02:00, Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires
António Goulard

Sie haben José Sócrates, mit der Bitte um dringende Abhilfe, einen Plan ausgehändigt, um die Arbeitslosigkeit an der Algarve zu bekämpfen. Wie hat er ihn aufgenommen?

António Goulart: Ja, ich wollte dem Premier das Dokument persönlich überreichen - aber er war nicht daran interessiert und hat einen Attaché geschickt. Meiner Meinung nach, hätte der Premier großes Interesse zeigen müssen, das Papier persönlich entgegen zu nehmen. Besonders, um etwas zu signalisieren, was er bisher nicht gezeigt hat: Interesse an der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Algarve und daran, dass die Bevölkerung hier schlechte Zeiten durchlebt.

Was beinhaltet Ihr Notfallplan?

Wir wollen einige konkrete Maßnahmen, um die Arbeitslosigkeit an der Algarve zu bekämpfen und die Wirtschaft neu anzukurbeln - zumindest die Problematik minimieren. Es ist auch möglich, mal einen Blick auf die Gemeindeetats der Algarve zu werfen und zu sehen, ob es nicht möglich ist, damit Stellen zu schaffen. Zudem muss mehr staatliches Investment einfließen, um Arbeitsplätze zu generieren.

Wie sieht die Situation heute an der Algarve aus?

Die Daten, die wir vom Arbeitsamt und vom Ausbildungswesen erhalten, spiegeln nicht die Gesamtheit der Arbeitslosenzahlen wieder. Es gibt weit mehr als die offizielle gemeldeten 20.772 Arbeitslosen. Wir schätzen, dass es um die 25 tausend sind. Es gibt ein paar tausend weitere, die nirgends erfasst sind. Menschen, die in einer Parallelwirtschaft leben und keinerlei Zugriff auf Unterstützung seitens des Staates haben. Es besteht ein weiteres Problem. Um die negativen Auswirkungen zu spüren zu bekommen, reicht es aus, wenn in einer Familie nur ein Mitglied arbeitslos ist. Diese Problematik übertrifft die, der “einfachen” Arbeitslosigkeit. Es ist ein Schneeballsystem, das sich auf die gesamte Wirtschaft ausbreitet.

Wie entstand Ihr «Notfallplan»?

Er entstand bereits vor einiger Zeit. Wir hatten einige Treffen mit Tarifpartnern und kamen zum Schluss, dass eine Reihe Maßnahmen notwendig sind, um die Arbeitslosigkeit zu stoppen und die regionale Wirtschaft anzutreiben. Wir übergaben unseren Vorschlag dem Regierungspräsidium, damit es an die Regierung weitergeleitet werden konnte. Es vergingen sechs Wochen, dann wurde uns mitgeteilt, dass der Gouverneur immer noch nicht in der Region erschienen ist. Mit anderen Worten: Wir haben einen weiteren Machthaber, der einige Dinge verkündet und hier und da Örtlichkeiten einweiht - der sich aber, wenn es ernst wird und es darum geht, die Probleme der Region anzupacken, rar macht. Seit vergangenem November ist die Arbeitslosenrate um 45 Prozent gestiegen. Das ist doppelt so viel wie im restlichen Land.

Kann man auf den Sommer 2009 hoffen?

Der Sommer könnte die aktuelle Situation etwas dämpfen.

Aber es wird eher eine schwache Saison erwartet. Das bedeutet, Ende des Sommers stehen wir eventuell vor einer der schlimmsten Krisen seit Gedenken.

Wird das eine Folge der Weltwirtschaftskrise oder der Konzentration der Region auf den Tourismus sein?

Ich denke, es wird das Resultat verschiedener Faktoren, aber auch die Konsequenz der schwachen wirtschaftlichen Struktur einer Region, die ihre Aufmerksamkeit nur auf einen Sektor richtet. Hier gibt es den instabilsten Arbeitsmarkt des Landes. Zusammen mit der gegenwärtigen Politik - die in den letzten Jahren vor allem die Großbetriebe privilegiert hat - sind wir in eine solche Situation geraten. Momentan ist eines sicher, in einer Region, in der 60 Prozent der Stellen unsicher und prekär sind, zeigen sich die Auswirkungen einer Krise schnell und heftig.

Macht es Sinn, hier zu leben?

Als gebürtiger Algarvio, natürlich. Ich denke immer wieder, dass es ein großartiger Ort zum Leben ist. Aber im Moment haben wir besonders schwere Zeiten durchzustehen. Uns allen ist bewusst, dass zurzeit tausende Algarvios ihre Häuser nicht abbezahlen können, dass sie kein Geld haben für die Kindergärten, für Lebensmittel oder die Nebenkosten, wie Wasser und Gas. Schauen Sie sich doch an, wie die Kreisverwaltungen der Algarve Wege suchen, die Gemeinden zu unterstützen. Und es weitet sich aus, die Zahl derjenigen, die Hilfe benötigen ist alarmierend gestiegen.

Andererseits gibt es mehr und mehr Anzeichen von Wohlstand. Sehen Sie sich nur die Autos in den Städten der Region an. Es gibt auch viele Leute mit hoher Kaufkraft. Wie kann das sein?

Weil das Geld sehr ungleich verteilt ist. Denken Sie zum Beispiel an die niedrigen Gehälter. Die Zukunft wird sich als schwierig erweisen, wenn sich das nicht ändert. Aus dieser Perspektive auf die Ökonomie, ist es nicht möglich, viel länger der Mehrheit der Menschen ein so geringes Salär zu bezahlen und eine Minderheit zu privilegieren. Ein derartiger Gegensatz kann in einem Land mit solch großen Problemen nicht bestehen. Wenn wir einen sozial ausbalancierten wirtschaftlichen Aufschwung anstreben, können wir diesem Pfad nicht weiter folgen. Aber viele der heutigen Ungleichheiten sind die Folge von dem, was sich auf internationaler Ebene abspielt.

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