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Deutsche Schule Algarve
Lernen fürs Leben

Vivalgarve: Frau Liebig, waren Sie denn früher selbst mal eine gute Schülerin?
Christa Liebig: Ich war intelligent und musste nicht soviel tun. Wäre ich nicht so faul gewesen, hätte ich bessere Zensuren haben können. (lacht)
Kommt man damit im Leben durch?
Manchmal. Ich bekam damals sofort einen Studienplatz. Da gab es noch keinen Numerus Clausus. Ich habe aber erst einmal eine Ausbildung begonnen, weil ich mich in das praktische Leben stürzen wollte.
Wie war denn Ihr Notendurchschnitt im Abitur, und gab es Fächer, die Sie überhaupt nicht ausstehen konnten?
In den Naturwissenschaften war ich sehr gut. In Mathe hatte ich eine eins, in Physik und Chemie auch. Meine kränkelnde Seite waren die Sprachen. Französisch war ganz schlimm. Aber ich war eben auch faul.
Sind Schüler, die auf die deutsche Schule gehen schlauer als Schüler einer portugiesischen Schule?
Nein. Nein, das kann man so überhaupt nicht sagen. Es gibt überall auf der Welt, in allen Schulen schlaue Schüler und nicht ganz so schlaue. Es gibt fleißige Schüler und nicht so fleißige. Die Überflieger tun nicht viel, kriegen alles mit und sind sehr gut. Dann gibt es diese fleißigen Schüler, die ich besonders schätze, weil die sich alles erarbeiten und gute Abschlüsse machen. Die gibt es aber auf der ganzen Welt und an allen Schulen.
Worin bestehen denn nun die Unterschiede zwischen den deutschen und den portugiesischen Schulen?
Der Unterschied liegt hauptsächlich in den kleineren Lerngruppen. Wir nehmen bis zu 15 Kinder pro Klasse auf. Werden es mehr, teilen wir die Gruppen. Dadurch ist ein ganz anderes Arbeiten möglich. Frontalunterricht gibt es bei uns sehr viel weniger als in portugiesischen Schulen mit ihren großen Klassen. Es gibt auch Gruppenunterricht und Arbeitskreise und somit die Förderung der Selbstständigkeit unserer Kinder.
Wir sitzen hier in der Bibliothek. Wenn ich mich umschaue, sehe ich noch gar nicht so viele Bücher. Woran liegt das?
Am Geld. Wir sind sehr auf Spenden angewiesen. Wir haben gerade eine Spende bekommen, aber es fehlt uns hier noch an Fachliteratur, Nachschlagewerken und an Klassikern. Einige Bücher, die von Lehrern gebraucht werden, befinden sich auch oben im Lehrerzimmer, weil diese für den Unterricht gebraucht werden. Aber wir haben noch Bedarf. Es bleibt nicht genug Geld über.
Sie haben auch einen Computerraum. Ist der Computerraum eine Alternative zur Bibliothek? Kann man Bildung downloaden“?
Schwierig. Ich glaube, es muss beides geben. Wir leben im Computerzeitalter, in dem die Informatik eine große Rolle spielt. Aber ich bin der Meinung, dass Schüler nicht verlernen sollten, ihr Wissen aus der Literatur zu beziehen. Die Bibliothek sollte einen gleichwertigen Rang zum Informatikraum haben.
Wieviele Lehrer unterrichten an dieser Schule, und welche Nationalitäten repräsentieren sie?
Überwiegend deutsche Lehrer, weil wir nach deutschen Lehrplänen für Auslandschulen auf der iberischen Halbinsel arbeiten. Im Moment haben wir drei portugiesische Lehrer auf Vollzeitstellen von insgesamt zwölf Lehrern. Dazu kommen acht Lehrer, die in Teilzeitjobs arbeiten.
Werden Ihre Lehrer auch in den Sommermonaten bezahlt?
Lehrer, die Vollzeitarbeitsverträge haben, erhalten auch in den Ferien ihr Gehalt. Ich setze sehr auf Kontinuität für Schüler.
Sport soll ja ziemlich gut für die Figur sein. Sport baut Übergewicht ab, angehäuft durch falsche Ernährungsweise.
Wenn ich Sport anbiete, hat das in erster Linie nichts mit Ernährung zu tun. In unserer Cafeteria gibt’s ganz wenig Süßigkeiten, eher Obst, Joghurt und ein Essen pro Tag. Sport hat für mich einen hohen Stellenwert. Wie bieten soviel an, wie wir können, auch Fußball-Arbeitsgemeinschaften. Wir haben Platz für einen Sportplatz, der in den Bauplänen eingetragen und genehmigt ist. Es fehlt eigentlich nur noch das Geld. Wir arbeiten da mit Eltern und Sponsoren zusammen.
Wie kommen Sie mit den portugiesischen Schulbehörden klar? Erfüllen Sie alle Bedingungen, die das Bildungsministerium vorschreibt?
Wir haben keine Probleme. Die Beziehung ist sehr kooperativ. Man ist uns sehr wohlgesonnen. Es gibt den äußeren Rahmen der Gebäude. Da müssen wir alles erfüllen, was vorgeschrieben ist. Sonst würden wir hier nicht arbeiten dürfen. Die Bildungsinhalte werden vom deutschen Bund-Länderausschuß vorschrieben. Die verhandeln alles, was die deutschen Auslandsschulen betrifft, Versetzungs- und Prüfungsverordnungen inklusive.
Wer prüft, dass bei Ihnen alles mit rechten Dingen zugeht?
Nach der Pisa-Studie, die beim ersten Mal in Deutschland nicht so gut gelaufen ist, gibt es auch für die deutschen Auslandsschulen richtige Schulinspektionen. Vor zwei Jahren hatten wir eine solche Inspektion hier im Haus.
Unangemeldet?
Die können unangemeldet kommen, aber beim ersten Mal melden die sich immer an.
Wie kommen deutsche und portugiesische Schüler miteinander aus?
Wir sind in erster Linie eine Schule der Begegnung. Bei uns werden von Klasse 1 an alle Kinder zweisprachig unterrichtet: auf Portugiesisch und auch auf Deutsch. Wir haben viele Kinder von binationalen Elternpaaren: Portugiesen und Deutschen, aber auch von Holländern, von Schweizern und auch immer mehr von portugiesischen Eltern. Wir nehmen Kinder aller Nationalitäten auf. Unser Modell heißt PAM (Portugiesisch als Muttersprache) und PAF (Portugiesisch als Fremdsprache). Wer mal studieren will, muss seine Muttersprache richtig beherrschen. Wir legen auch Wert auf Physik, Chemie und Mathe, Kunst und Musik und auf Englisch ab Klasse 3 und Französisch ab Klasse 6.
Wir bedanken uns für das Gespräch.







