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Parque Zoológico de Lagos
Zoo Logik

„Jedes Jahr besuchen weltweit mehr als 600 Millionen Menschen zoologische Gärten. Klar, daß die Zoos die Gelegenheit wahrnehmen, den Menschen bewußt zu machen, daß Tiere keine Objekte sind,“ erklärt der Eigentümer Paulo Figueiras, 45, in einer kleinen Verschnaufpause. Seinen 24-Stunden-Job hat er voren Arbeit hier, welche er vor knapp acht Jahren begonnen hat. Seit der Eröffnung des Zoos im November 2001 sind unzählige Jungtiere der mehr als 140 im Zoo ansäßigen Tierarten geborenen worden (einschließlich Vögel, Säugetiere und Reptilien). Der Zoo steht weltweit mit seinen Erfolgen in der Marabou Storchenzucht auf Platz 9.
„Die meisten Menschen sind hauptsächlich an Elefanten, Giraffen und Löwen interessiert, wenn sie den Zoo besuchen. Wir haben keine dieser Tierarten - und die Leute müssen auch begreifen, warum. Tiere sollten niemals in einem Zoo gehalten werden, nur damit Menschen sie begaffen können. Heutzutage müssen Zoos Bereicherungsprogramme vorweisen. Es geht hauptsächlich darum, die Lebensqualität der Tiere zu verbessern. Ich denke mal, daß vor allem Ausländer unser Unterfangen hier sehr zu schätzen wissen. Sie schreiben wunderbares Lob in unser Gästebuch. Die Tatsache, daß die Tiere nicht hinter Gittern weggesperrt sind, gibt den Besuchern das Gefühl, in direktem, hautnahem Kontakt mit ihnen zu stehen - und sie geniessen das unwahrscheinlich, lieben es geradezu“.
Während er redet, fangen die schwarz/ weißen Lemuren („die viele Menschen aus Versehen für Pandas halten!“) an, zu schnattern und zu glucken - und auf der Insel nebenan, antworten die Gibbons mit ihrem Geschrei. Während diese von strategisch plazierten Seilen schwingen, kann man ein weiteres Baby entdecken, welches sich im honigfarbenen Fell seiner Mutter festklammert.
Vögel und Primaten sind die überwiegenden Zoobewohner, es gibt jedoch auch etliche andere Tierarten, alle in landschaftlich fachgerechten Gehegen untergebracht: Wallabies, Muntjac Hirsche, patagonische Hasen, Erdmännchen, Pardelluchse, auch Iberische Luchse genannt, Schildkröten - alle voneinander getrennt durch Seen und Teiche, in denen sich diverse Arten von wild lebenden Wasservögeln tumeln.
„Es ist einfach, einzuschätzen, wie gut dieser Zoo ‚funktioniert’, wenn man die Anzahl all der Spezien sieht, die auf Besuch vorbeikommen und uns nie mehr zu verlassen scheinen!“
Figueiras kann schon gar nicht mehr zählen, wieviele Enten, Teichhühner und andere Vogelarten angeflogen kommen - und er ist stolz darauf, daß die Region jetzt eine gesunde Storchenbevölkerung vorweist (was zuvor nie der Fall war).
„Mir geht es ganz einfach nur darum, die Tiere glücklich und zufrieden zu wissen. Manche Menschen sind gegen die Tierhaltung in Zoos. Tiere aber müssen auch beschützt werden. Man wird sich dessen erst voll und ganz bewußt, wenn man sieht, wieviele ankommen und sich hier sicher und geborgen fühlen.
Und wie abgesprochen rutscht eine weibliche Stochenente auf ihrem vorbildlichen, federweichem Nest hin und her, als wir an einem Blumenbeet vorbei spazieren. Neben ihr, auf einer Holzbank, döst der stolze Vater.
„Jeder Tag bringt neue Herausforderungen - neue Projekte. Man muß die Tiere ständig beobachten, um zu sehen, was vor sich geht - oder aber auch nicht. Man muß aufpassen, was ansteht. Vor zwei Tagen haben die Kapuzineraffen ihr dominantes Männchen gewechselt. Wenn man da nicht auf der Hut ist, dann können solche Situationen gefährlich werden, da die Affen den abgesetzten »Chef» oftmals töten, falls sich die Gelegenheit dazu ergibt. Aber dieses Mal mußten wir nicht eingreifen. Der alte Affe schaffte es, über das Wasser auf eine andere Insel zu springen - und demnächst werden wir ihn dann in einen anderen Zoo schicken.
„So funktioniert das eben. Die Tiere haben alle ihre strikten Hierarchien - und werden von Zoo zu Zoo weitergegen, wenn sich ihre sozialen Rangordnungen ändern.“
Paulo kümmert sich leidenschaftlich um seine Affen, immer darauf bedacht, ihre „Ausstattung auf den verschiedenen Inseln zu modernisieren“ - alle mit gerade genügend Wasser umgeben, um sie am entkommen zu hindern.
„Am besten ist es, wenn sie jeden Tag neue Sachen zum Spielen vorfinden. Zum Beispiel, die Seile werden wo anders angebracht oder das Futter wird anders aufgewartet - alles Kleinigkeiten, aber dennoch sehr wichtig“.
„Ich halte nichts davon, die Besucher mit Tiershows zu unterhalten - aber ich gebe den Kapuzineraffen oft Mandeln und Steine, und sie verbringen dann Stunden damit, die Mandeln auf die Steine zu legen und sie mit einem weitern Stein aufzuknacken. Die Leute gucken da sehr gerne zu“.
Die Arbeiten an dem neuen Schimpanzengehege sind fast abgeschlossen. Es ist mit einem Durchgang konzipiert, der zwei Teile des Zoos verbindet und wurde von dem Bildhauer José Maria, einem Freund von Figueiras, ausgestaltet. Der Künstler hat auch eine ‚Termitenburg’ nachgebaut, welche regelmäßig mit Würmern und Insekten gefüllt wird, sodaß die Schimpanzen lernen, diese mit Stöcken rauszufischen und zu essen.
„Wir haben keine Ahnung, wie die Weibchen auf ihr neues Zuhause reagieren werden. Der männliche Neuankömmling wird alle Hände voll zu tun haben! Es geht nicht darum, Zuwachs zu bekommen. Wir wollen nur die Lebensqualität verbessern. Ich bin absolut gegen die Haltung von Zirkustieren. Minouche hat eine fürchterliche Angst vor schwarzen Menschen, das ist offensichtlich. Es waren schwarze Menschen, die ihre Mutter töteten und sie aus ihrer gewohnten Umgebung herausrissen. Das hat sie nie vergessen. Sehen Sie sich nur ihren Gesichtsausdruck an!“
Minouche starrt uns aus ihrem momentanen „Quarantäne-Quartier“ an. Ihr Gesichtsausdruck ist von 40 Jahren Unterdrückung und Schinderei geprägt.
„98% der DNA dieser Affen ist identisch mit unserer eigenen,“ erklärt uns Paulo. „Manchmal, wenn sie mich so ansehen, dann frage ich mich, ‚wer’ hier eigentlich der Affe ist?“








