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Ausgabe 777
2013-05-16 > 2013-05-22
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Maria Nunes da Silva Lourenço

Wir stellen Monchiques “letzte” traditionelle Weberin vor

Sie ist 77 Jahre alt, stützt sich auf einen Gehstock und hat häufig Schmerzen – aber wenn ihre Hände in Bewegung sind, ist Maria Nunes da Silva Lourenço zufrieden. Monchiques letzte traditionelle Weberin ist die älteste Handwerkerin, die ihre Arbeit auf den regionalen Festivals präsentiert. Wir trafen sie an einem heißen, stillen Augustnachmittag im Schatten des Kakibaums in ihrem kleinen Vorgarten. Zu ihrer Linken befand sich ein Plastikkorb mit Stoff und Wolle und zu ihrer Rechten ihr eindeutig hingebungsvoller Ehemann. Sie hat eine geschäftige Woche des Webens und Stickens vor sich, um alles fertigzubekommen für die FATACIL, die an diesem Wochenende beginnt. Das Paar besucht die Veranstaltung schon seit fast 30 Jahren. “Ich habe viel zu tun”, sagt Maria. „Wir haben bei der letzten Messe (der „:Feira de Medronho e Presunto“ in Monchique) sehr gut verkauft und daher habe ich nicht mehr so viel Ware.“ Interessanterweise waren die letzten beiden Krisenjahre „die Besten“ hinsichtlich des Verkaufs ihrer Arbeiten auf den lokalen Messen und Festivals. “Wir verkauften auf der letzten FATACIL mehr als doppelt soviel als sonst“, fügt José (73), der ehemalige Straßenbauer der „Junta de Autonomia de Esttradas hinzu. „Und zwischendurch kommen Leute bei uns Zuhause vorbei, die am liebsten alles kaufen würden.“ Maria zieht ihre Augenbrauen hoch. „Ich bin keine Maschine! Manchmal brauche ich eine Pause, um mir beispielsweise die Haare zu machen!” Die Webertochter Maria erinnert sich noch an die Zeit, als Monchique von Webern und Flachsspinnern übersäht war. “Ich bin die Letze die übrig geblieben ist (es sei denn, es gibt noch jemanden, der sich irgendwo gut versteckt hat) - und darüber bin ich gar nicht froh. Ich würde mich freuen, wenn ich mein Wissen Anderen weitergeben könnte. Weben ist eine wunderbare Fähigkeit. Man kann seine Phantasie einbringen und sich alle möglichen Gegenstände zum Verkaufen einfallen lassen. Ich habe immer noch neue Ideen – und das in meinem Alter! Ich mache zum Beispiel Taschen und Portemonnaies von denen meine Mutter nur träumen konnte. Stellen sie sich erst vor, wieviele Ideen junge Leute haben könnten! Aber sie brauchen das “Know-how”. Das fehlt ...“ Ich sage den Leuten in der Câmara immer wieder, dass ich gerne Kurse geben würde und ich glaube der Bürgermeister arbeitet an einem Plan für ein Zentrum wo das möglich sein wird. Es würde mich sehr glüklich machen (es sei denn, es würde bedeuten, dass sie uns dann die Rente wegnehmen ...). Sehen Sie, wir machen das nicht für uns selbst, sondern für den ganzen Bezirk. Die Ausstellung unserer Arbeiten auf den Messen und Festen ist auch für den Bezirk Monchique gut. Das Interesse der Touristen nimmt dadurch zu.“ Maria hat ihre eigene Philosophie: „Ich habe mir nie gewünscht, allein in dieser Welt zu leben. Wenn die Menschen sich zusammenschließen würden, um gemeinsam etwas zu schaffen, dann wäre alles viel besser.“ Kraftvolle Worte von einer Dame, die nur die Grundschule bis zur vierten Klasse absolvierte und diese „schlecht abschloß“. Maria Nunes da Silva Lourenço ist nicht einfach nur die letzte Ausübende eines sterbenden Handwerks. Sie ist eine der Überlebenden einer Generation, die mit einem Gemeinschaftssinn aufwuchs – Leute, die instinktiv zusammenarbeiteten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
Natasha Donn, Ausgabe 742 (16 Aug 2012), Ohne Kommentare »

In der Werkstatt

“Heute wollen alle am Ende eines Arbeitstags ihren Lohn haben“, sagt Maria. Wir befinden uns jetzt in ihrem „Büro“ am Ende einer Betontreppe im hinteren Teil des Hauses. Hier steht der Webstuhl. Hier wird der Flachs vorbereitet, zu Leinenfäden versponnen und „rapunzelähnlichen“ Strängen gewunden, die später Weben benutzt werden.

Es ist ein kleiner Raum mit Spuren von Feuchtigkeit an den Wänden. Teppiche und Tischdecken und andere dekorativen Textilartikel sind in Taschen und Kisten verpackt. Jetzt in der Sommerhitze und bei geöffnetem Fenster ist der Raum lichtdurchflutet. Maria arbeitet fast jeden Tag hier.

„Der Flachs benötigt eine lange Zeit, um zu wachsen und für die Verarbeitung vorbereitet zu werden“, erklärt sie. „Man kann damit kein schnelles Geld machen“.

Überhaupt glauben die Beiden, dass sie genug Flachs für den Rest ihres Lebens haben. José baut den Flachs nicht mehr an. „Wir sind jetzt zu alt für solche Arbeiten“.

“Wir sollten uns über den Standplatz, den man uns auf den Messen zuteilt, überhaupt nicht beklagen, aber irgendwie reicht der Platz nie, um alle Stadien dieser Art von Arbeit zu zeigen“, sagt Maria.

Sie hat einen kleinen Korb mit Flachs, der zum Verspinnen bereit ist (er durchlief davor die verschiedenen Arbeitsprozesse mittels alter Werkzeuge, die im „Büro“ verstaut sind und nur zu den Messen hervorgeholt werden). Danach wird das Material mit Asche gekocht und dann so lange mit der traditionellen blauweißen Kernseife gebleicht, bis es die dunkle Farbe von altem Stroh verliert und bereit ist, mit der Handspindel verarbeitet zu werden.

José hat die Handspindeln für Maria selbst gemacht - und sie lässt sich nieder, um uns zu zeigen, wie man es macht. Die Konzentration, die sich auf ihrem Gesicht abzeichnet während sie die Handspindel wirbeln lässt, ist ein ganz besonderes Bild.

‘Wissen Sie, ich arbeite eigentlich, um meine “doença“ (Krankheit) zu vergessen. Es ist eine so wunderbare Therapie für den Geist“, sagt sie lächeln.

Vor sieben Jahren erlitt Maria einen Hüftbruch. Es folgten zwei Operationen, wobei ihr versehentlich auch noch ein Knochen im Fuß gebrochen wurde. „Ich habe oft noch große Schmerzen, aber man ermutigte mich zu arbeiten. Das hält mich in Bewegung!“

Es wäre wirklich wunderbar, wenn ich es anderen zeigen könnte“, sagt sie erneut. „Ich werde irgendwann nicht mehr hier sein. Ich bin „voller Leben“, wie man sagt, aber ich habe wahrscheinlich nicht endlos Zeit. Ich bin es auch nicht gewöhnt ‚nein‘ zu sagen. Wenn Gott mich ruft, werde ich zustimmen müssen und mit ihm gehen.“

Mit ein bisschen Glück wird der Allmächtige in der nächsten Zeit etwas Besseres zu tun haben, als Maria zu sich zu rufen. Daher wird sie von Freitag 17. August bis zum 26. August auf der FATACIL beschäftigt sein und dann einige Tage später mit ihren Waren zurück in Monchique auf dem „Artechique Festival“ sein, das vom 31. August bis 2. September stattfindet.

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