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Ausgabe 777
2013-05-16 > 2013-05-22
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Laurinda Seabra

«Mit den Haien schwimmen»

Laurinda Seabra, 56, bezeichnet sich selbst als “erfahrene soziale Unternehmerin”. Die ehemalige Maschinenbauingenieurin in Südafrikas Bergbau- und petrochemischer Industrie entdeckte schon früh, dass ihr wahres Interesse in der Unterstützung des Wachstums von Unternehmen liegt. Im Laufe der Jahre hat sie viele Kleinunternehmer und Arbeitgeber betreut und beraten – sie bot Unterstützung bei Entwicklungsstrategien, die zu einem verbesserten Geldfluss, Wachstum und zum Überleben führten... Dann kam sie nach Lagos. Was Laurinda an der Algarve vorfand, verblüffte sie – und seither ist sie damit beschäftigt, die Geschäfte in der Gemeinde zu verbessern.
Natasha Donn, Ausgabe 704 (17 Nov 2011), Ohne Kommentare »

Was genau hat Sie so verblüfft?

Laurinda Seabra: So viele Dinge! Ich hatte ein Bild von Portugal, da ich seit 1974 für Urlaube und so weiter her komme. Ich dachte, es wäre ein „Erste Welt Land“ – ein Teil Europas. Aber wenn man sich entscheidet, hier zu leben, merkt man, dass es sehr viele Probleme gibt!

Zum einen existiert keine unabhängige Vertretung für kleine und mittlere Unternehmen – doch diese sind das Rückgrat der portugiesischen Gesellschaft! Dann gibt es das Problem der “fehlenden Retention” – damit meine ich, dass Geld nicht hier in der Gemeinde bleibt: es fließt unweigerlich immer in große Geschäfte, Banken, nach Spanien, Deutschland, Frankreich, etc.

Es gibt einen wirklichen Mangel an Kapital, das in Lagos zirkuliert. Es gibt auch keine Mechanismen, um Menschen zu ermutigen, ihr Geld hier zu lassen – und dann gibt es neben den verschiedenen Probleme noch Angst!

Ich habe noch nie so viel Angst gesehen, wie ich in dieser Stadt gesehen habe – und ich komme aus Afrika! Ich war in den Gemeinden. Ich habe gelernt, dass man ständig Fragen stellen muss. Nach Antworten drängen.

Die Leute hier sind das nicht gewohnt. Man findet kleine Unternehmen, die Steuern auf Rechnungen zahlen, die – vom Gemeinderat! – noch nicht bezahlt wurden. Wenn sie die Steuern nicht zahlen, werden sie von der Regierung bestraft (obwohl der Grund, warum sie ihre Steuern nicht bezahlt haben, ist, dass die lokale Regierung ihnen Geld schuldet!). Es ist total verrückt. Ich möchte nach Lissabon gehen und die Gesetze ändern, die kleine Unternehmen töten...

Wie sieht Ihr Plan aus?

Ein Netzwerk an Netzwerken zu erstellen. Innerhalb der Algarve von Gemeinde zu Gemeinde gehen, so dass die Menschen zusammen arbeiten und zusammen wachsen können – damit am Ende die Region als Ganzes überlebt. Lagos ist das Pilotprojekt. Wir begannen mit der «I Support Lagos»-Kampagne vor 18 Monaten und haben schon 1.800 Unterstützer – und Dinge passieren! Wir fordern den präskriptiven Charakter der Regierung heraus.

Eines der jüngsten Beispiele ist die Neueröffnung des Restaurants «O António» in Porto do Mós (wurde im Sommer vom Gemeinderat aufgrund eines lang andauernden juristischen Streits mit ausländischen Bauträgern geschlossen. Die Gerichte Lagos und Loulé haben später entschieden, dass die Schließung illegal war). Wir konzentrieren uns auf die Förderung von Lagos als Reiseziel der Wahl – frisches Blut anlocken und die lokale Infrastruktur unterstützen.

Bis Anfang 2012 wird unser “VIP Welcome-Programm” stehen, das Teams von Freiwilligen involviert, die Menschen in Lagos herumführen und ihnen zeigen, was dieser Ort zu bieten hat – und am Ende des Monats geben wir unser erstes Seminar, um kleinen Unternehmen zu helfen, “wieder die Kontrolle” zu erlangen, um ihnen zu zeigen, wie man sich wehrt und gewinnt!

Werden Sie von den Behörden unterstützt?

Gar nicht! Aber um ehrlich zu sein, müssen wir für unser Gelingen und unsere Entwicklung völlig unabhängig bleiben.

Wie denken Sie über die Zukunft der Algarve?

Sie steht unter Beschuss, das ist sicher – aber wir haben noch Spielraum. In den letzten 10 Jahren habe ich daran gearbeitet, Verbindungen mit der bürgerlichen Gesellschaft zu etablieren – Verbindungen, die es uns ermöglichen, die unbequemen Fragen zu stellen; uns zu wehren, indem wir das System mit dem System schlagen.

Die Zeit ist von entscheidender Bedeutung. Aktuell verteilt die Regierung Lizenzen für die Gas- und Ölförderung an der Küste der Algarve und ist sogar bereit, dem Bergbau in Monchique grünes Licht zu geben – doch wie werden sich diese Aktivitäten auf den Tourismus, unsere Unternehmen und das tägliche Leben auswirken? Wir müssen uns zusammentun und unsere Rechte und persönlichen Freiheiten sichern – bevor es zu spät ist.

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