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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Jill Gallard

Die neue britische Botschafterin in Portugal hat Erfahrung in der Arbeit mit europäischen Themen, ist mehrsprachig und Mutter von zwei Kindern. Jill Gallard, aus Nordirland, nimmt ihre Ernennung als zweite weibliche Botschafterin Portugals auf: „Ich freue mich auf die Weiterentwicklung der tiefen Beziehung zwischen Großbritannien und Portugal – dem ältesten Bündnis der Welt – und darauf, unsere enge Partnerschaft zu fördern, sowohl im bilateralen politischen und wirtschaftlichen Kontext als auch im multilateralen mit der EU, der UNO und NATO. Unsere Menschen und Unternehmen helfen, diese Beziehungen in jedem Aspekt des Lebens in unseren beiden Ländern 
zu pflegen.“ Wir haben Jill Gallard einige Fragen gestellt...
Natasha Donn, Ausgabe 703 (10 Nov 2011), Ohne Kommentare »

Glauben Sie, dass die Euro-Zone weiterhin in ihrer gegenwärtigen Form bestehen kann, angesichts der Tiefe und des Ausmaßes der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise?

Die britische Regierung hat die Situation innerhalb der Eurozone nah verfolgt. Uns ist bewusst, dass der britische Wohlstand eng mit dem Erfolg der Länder in der Eurozone verbunden ist. 40% unseres Handels konzentriert sich auf die Länder der Eurozone und circa 60% unseres Handels auf die europäischen Länder. So hat alles was in der Eurozone passiert ebenso einen Einfluss auf die 10 EU-Länder, die nicht zu der Eurozone gehören, wie auf die 17 Länder innerhalb.

Wie, denken Sie, ergeht es Portugal in den nächsten Jahren?

Wie Großbritannien ist Portugal derzeit auf die Konsolidierung seiner öffentlichen Finanzen, die Modernisierung seiner Wirtschaft und die Verbesserung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum ausgerichtet.

Wir denken, dies ist für unsere beiden Länder wichtig, um künftigen Wohlstand zu garantieren. Portugal bleibt ein wichtiger Partner für Großbritannien, nicht nur innerhalb der EU, sondern auch bilateral und innerhalb der NATO und der UNO. Sowohl die Koalitionsregierungen in Portugal als auch in Großbritannien haben eine ähnliche pragmatische Haltung zu der Notwendigkeit der EU, sich auf die Suche nach Lösungen für die Probleme unserer Bürger zu konzentrieren.

Das bedeutet besseres Wachstum und die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen. Portugal bleibt eines der Top-Reiseziele britischer Touristen, und wir hatten letztes Jahr einen bilateralen Handel mit einem Umsatz von rund 2,5 Mrd. Euro. Im Jahr 2010 war Portugal der 28. größte Markt für den Waren-Export Großbritanniens und der elftgrößte der EU.

Ich bin entschlossen, während meiner Zeit in Portugal die bilaterale Zusammenarbeit auf allen Ebenen zu erweitern, insbesondere das Beste aus den vielen geschäftlichen Partnerschaftsmöglichkeiten zwischen britischen und portugiesischen Unternehmen zu holen. Ich denke, es besteht ein großes Potenzial für den Austausch von Fachwissen zwischen unseren beiden Ländern.

Haben Sie das Gefühl, die portugiesische Regierung ist mit dem Staatshaushalt für das Jahr 2012 möglicherweise zu weit gegangen?

Wir sind von den Regelungen der portugiesischen Regierung zur Bewältigung der Haushaltsdefizit-Krise und den zugrunde liegenden Ursachen des finanzpolitischen Ungleichgewichts Portugals beeindruckt. Der Prozess der Haushaltskonsolidierung erfordert schwierige Sparmaßnahmen, und das wird kein einfacher Prozess. Allerdings ist es wichtig, dass unsere beiden Länder die gegenwärtige Krise als eine Chance betrachten, unsere öffentlichen Sektoren zu reformieren und die Agenda für Wirtschaftswachstum und die Belebung des Arbeitsmarktes voranzubringen.

Gab es eine Zunahme der Zahl der Portugiesen, die nach Großbritannien umgezogen sind?

Die Zahl der portugiesischen Staatsangehörigen, die nach Großbritannien umziehen, ist in den letzten vier Jahren konstant geblieben, obwohl sich in den ersten Monaten diesen Jahres ein leichter Anstieg abgezeichnet hat. Laut Arbeits- und Rentenministerium sind seit 2007 jährlich rund 12.000 Portugiesen nach Großbritannien gezogen. Die Zahl für das erste Quartal dieses Jahres beträgt bereits 4.520.

Hatten Sie jemals Schwierigkeiten, weil Sie eine Frau in einer weitgehend von Männern dominierten Diplomaten-Welt sind?

Ich hatte noch nie irgendwelche Schwierigkeiten, weil ich ein weiblicher Diplomat bin. Die Britische Botschaft in Lissabon hat aktuell mehr weibliche als männliche Beschäftigte. Und das Foreign & Commonwealth Office versucht verstärkt, mehr weibliche Mitarbeiter zu rekrutieren (und zu halten).

Haben Sie die Gelegenheit, Ihren Kindern regelmäßig Gutenachtgeschichten vorzulesen? Und wie ergeht es Ihnen als berufstätige Mutter?

Ich denke, es geht allen Eltern, Müttern wie Vätern, egal in welchem Beruf sie arbeiten, so, dass sie viel jonglieren müssen, um in der Lage zu sein, so viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, wie sie gerne möchten. Ich habe das Glück, dass ich meinen Kindern an den meisten Abenden Gutenachtgeschichten vorlesen kann (oder genauer gesagt, drei Gutenachtgeschichten, da sie anspruchsvolle Zuhörer sind!).

Finden Sie Zeit, Portugal zu genießen?

Ja, es ist für alle Diplomaten sehr wichtig, nicht ihre ganze Zeit in der Hauptstadt zu verbringen. Portugal hat so viel zu bieten – das Klima, das Essen, Wein, Kultur, die wunderschöne Landschaft, so dass ich fest entschlossen bin, in den vier Jahren, die ich hier bin, so viel wie möglich davon zu sehen.

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