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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Aleksandra Serbim

«Amor só de Mãe»

Zehn Jahre arbeitete die Brasilianerin Aleksandra Serbim, 39, als Psychologin in Unterkünften für sozial Schwache mit sehr kranken und jungen Straftätern. Sie hat „so viel Schrecken“ gesehen – und einiges an Erfahrung mit beängstigenden persönlichen Angriffen in ihrem Alltag in ihrer Heimatstadt Recife gemacht. Durchweg fasziniert war sie aber von dem Tattoo, das viele junge Straftäter gewählt haben. “Amor só de Mãe” (nur die Liebe einer Mutter, oder anders ausgedrückt: wie nur eine Mutter lieben kann). Der Satz faszinierte sie. „Es berührte mich wegen der Sentimentalität in einem Umfeld, das ansonsten voller Gewalt und Mord ist.“ Die Worte blieben ihr im Gedächtnis, reisten mit ihr, als sie vor sechs Jahren nach Portugal zog, um eine Familie zu gründen, und inspirierten ihr erstes Buch, das kürzlich bei Edium Editores veröffentlicht wurde – ein Roman, „vermischt mit viel Realität“.
Natasha Donn, Ausgabe 699 (13 Okt 2011), 8 Kommentare »

War der Umzug nach Portugal positiv für Sie?

Es war wunderbar, in so vielerlei Hinsicht. Ich habe in Brasilien so viel erlebt – mit Gewalt, Tod, Krankheit gearbeitet – so, dass ich wirklich zu schätzen weiß, was wir im Leben haben. Das Leben ist eine wunderbare Erfahrung, in die man sich hineinfallen lassen sollte – und die Lebensqualität und die Sicherheit sind hier sehr gut. Als ich nach Portugal kam, bin ich manchmal in Panik aufgewacht und hatte von Dingen geträumt, die ich in Brasilien durchgemacht habe. Früher bin ich auf der Straße spazieren gegangen und dachte, ich würde jederzeit angegriffen werden. Langsam habe ich mich entspannt.

Fühlen Sie sich hier als Brasilianerin akzeptiert?

Die meiste Zeit. Ich denke, es gibt zwei Arten von Gefühlen, die uns zur gleichen Zeit entgegen gebracht werden, wenn die Portugiesen auf Brasilien und das brasilianische Volk blicken: Zauber und Misstrauen. Es ist eine Art Hass-Liebe-Beziehung zwischen den Portugiesen und den Brasilianern – wie in jeder “brüderlichen Beziehung” – und vor allem jetzt, da Brasilien Zukunftspotential hat. Ich glaube, die Leute hier ärgern sich etwas über die Art und Weise, wie unser Dialekt ihre Schreibweise verändert hat. Es gibt bestimmte Vorurteile und natürlich Unterschiede.

Wo liegen die Unterschiede?

Na ja, besonders, was die Kreativität betrifft. Kreativität ist so wichtig. In Brasilien sind die Menschen die ganze Zeit kreativ; sehr informell. Sie singen und tanzen auf der Straße. Sie brauchen keine Vorwände. Hier sind die Menschen viel formaler, eher zurückhaltend. Es gibt weniger Kreativität im Alltag – was sehr schade ist, da Menschen sich durch Kreativität und durch Mut entwickeln.

Wie hat Ihre Mutterschaft Sie verändert? Hatte sie Einfluss auf Ihr Buch?

Mutter zu werden hat mir die stärkste Emotion beschert, die ich je erlebt habe. Ich wusste nicht, dass es eine so starke Beziehung zwischen zwei Menschen geben kann – und, ja, sie hat mich noch weiter über diesen Satz, “Amor só de Mãe”, nachzudenken veranlasst.

Ist es schwierig, mit zwei kleinen Kindern zu Hause zu schreiben?

Ja und nein. Ich hatte das Buch weit über ein Jahr in meinem Kopf – und hatte einfach nicht die Zeit, es zu schreiben als mein Ältester noch winzig war. Schließlich fand ich etwas mehr Zeit und schaffte es, es in ein paar Monaten abzuschließen. Jetzt habe ich ein zweites Buch in meinem Kopf fertig (sie lächelt). Aber ich will es vorerst dabei belassen. Ich möchte sehen, wie dieses erste ankommt. Es wird im nächsten Jahr in Brasilien veröffentlicht werden, und ich hoffe, es wird auch ins Englische übersetzt – und dann könnte die Zeit für das Schreiben des zweiten Buches reif sein. In der Zwischenzeit werde ich auch für meine Promotion in Psychologie studieren...

Sie sind keine praktizierende Psychologin?

Nein, ich könnte hier praktizieren, aber ich bevorzuge die Forschung und das Schreiben. Ich bin im Grunde an globaler Psychologie interessiert – die Psychologie von Gruppen. Ich habe meinen Master in Anthropologie, im Studium der jüdischen Identität, und in meiner Doktorarbeit werde ich mich auf zwei mit dieser Identität verbundene Figuren der portugiesischen Geschichte konzentrieren: Branca Dias, aus dem 16. Jahrhundert, und Aristides Sousa Mendes, der während des Zweiten Weltkriegs 30.000 Juden vor der Verfolgung der Nazi gerettet hat.

Können Sie sich vorstellen, je nach Brasilien zurückzugehen?

Es ist eine Möglichkeit, aber dabei ist viel zu berücksichtigen, und wir müssten bei der Wahl unserer Stadt sehr sorgsam sein. Sicherlich würde mir nicht in den Sinn kommen, nach Recife zurückzugehen – obwohl heute nicht mehr ganz so viel Gewalt auf den Straßen herrscht, da die riesigen Unterschiede im Wohlstand ausgeglichener sind.

Kommentare
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Lek é uma pessoa fantastica. Orgulho em ver uma mulher brasileira em destaque, mostrando que a mulher brasileira tem mtas outras qualidades ao invés de outra tão exposta pela midia internacional. Sucesso Lek :)
flavi, venda nova, 31 Oktober 2011 14:20
Lek vc é fechosa mesmo, sempre muito família, além de inteligente, bonita, entre outras qualidades maravilhosas. Que o nosso Deus continue te abençoando e te dando inteligência e, principalmente, sabedoria para chegares ao céu. bj.
betinha, PORTO VELHO, 14 Oktober 2011 13:56
Aleksandra Serbim é uma pessoa fantástica. Lek, como a chamamos carinhosamente, nós que a conhecemos desde menina, sempre foi dotada de uma sensibilidade excepcional. Parabéns!
Silvio Bernardes.
smbernardes, Feira de Santana, 14 Oktober 2011 05:41
Fico muito feliz de existir brasileiros como voçê. Faz provar mais uma vez que nem toda brasileira é prostituta e brasileiro ladrão. Somos um povo trabalhador e viemos plantar e colher bons frutos em Portugal.
Jossana, Albufeira, 14 Oktober 2011 00:01
To Muito Feliz por você Lek, continue sempre assim,essa pessoa maravilhosa! bjão
Flordeliz, Horta, açores, 13 Oktober 2011 21:18
Já tive oportunidade de ler a sua dissertação e seu livro, os dois são interessantes, mas como agora já temos uma doutoranda e de acordo com a entrevista você escreverá uma tese de grande relevância, então aguardo para ler a sua pesquisa.
betinha, PORTO VELHO, 13 Oktober 2011 19:12
Parabéns pelo teu livro, espero curiosa pelo segundo.
:)
Claudiaguia, Albufeira, 13 Oktober 2011 19:04
Parabéns pelo livro. Ele realmente é excelente.
betinha, PORTO VELHO, 13 Oktober 2011 18:55