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Luís Conceição
Der rastlose Komponist

Berichten Sie uns ein wenig über Ihr neues Album «Dez dedos de conversa»…
Luís Conceição: Es ist eine Arbeit, die ich vor relativ kurzer Zeit aufgenommen habe. Sie ist das Produkt aus Kompositionen aus fast drei Jahren, obwohl die meisten der Werke, die auf der CD enthalten sind, sehr neu sind - geschrieben zwischen 2009 und 2010. Es sind Eigenkompositionen für Soloklavier. Nur einer der Tracks ist eine Version des unsterblichen Werkes des Komponisten Maurice Ravel, namens “Bolero”. Ich habe die Harmonien und Rhythmen komplett verändert und es anders und völlig neu eingekleidet.
Und wie ist die Akzeptanz?
Es verkauft sich ganz gut. Dennoch konnte ich bisher in Portugal noch keinen Verleger finden, so ist es eine selbstveröffentlichte Ausgabe, die von drei Körperschaften unterstützt wird. Aber bedenken Sie, dass die Öffentlichkeit empfänglich ist und es sehr positiv aufnimmt. Bei meinen Konzerten liegen die Alben zum Verkauf aus, die Leute kaufen sie und bestellen über meine Webseite weitere – überall in Europa. Im Moment stehe ich mit einem kleinen, unabhängigen Verlag in den Niederlanden in Verhandlung, um sie dort herauszugeben.
Haben Sie an ein Zielpublikum gedacht, als Sie das Album gemacht haben?
Diese Art Instrumentalmusik hat keine Tradition in der portugiesischen Kultur. Es ist ein bisschen seltsam, weil die Leute Musik oft mit einer Singstimme assoziieren. Aber ich glaube, es gab eine große Lücke auf dieser Ebene, und so habe ich beschlossen, eine CD für Soloklavier zu machen. Ich denke, das hat gefehlt. Allerdings möchte ich auch, dass nicht jede Musik kommerziell ist. Aber ich will nicht sagen, dass ich neo-intellektuell oder sehr tiefgründig bin.
Welches sind Ihre beruflichen Bereiche?
Ich bin ein Komponist, ich bin ein Pianist und Lehrer der verschiedenen Disziplinen der Musik an der Hochschule für Musik in Tavira und an der INUAF in Loulé. Ich lehre auch Musikgeschichte, Akustik, musikalische Ausbildung und im Wesentlichen Klavier.
Ist das alles kompatibel?
Nein, es ist ziemlich kompliziert. Gerade weil ich mich in meinen künstlerischen Projekten in diverse Stile und verschiedene Aktivitäten aufteile. Zum Beispiel werde ich im Oktober eine Tour durch den Norden des Landes machen und ein innovatives Projekt in Portugal präsentieren. Es heißt “Metropolis” und ist die Projektion des klassischen Films von Regisseur Fritz Lang zusammen mit meiner Klaviermusik. Ich habe um Erlaubnis gebeten und den Film etwas geschnitten, sodass er etwa eine Stunde dauert. Sagen wir, es ist die Wiederbelebung der Rolle des Klaviers in den Stummfilmen der 1920er Jahre, jedoch an die heutige Zeit angepasst. Es gab andere Möglichkeiten, aber ich denke, dieser Film ist sehr aktuell, weil er von den Konflikten der Arbeiterklasse und der Arbeitgeber handelt. Er hat mit der Mechanisierung der Gesellschaft zu tun.
Normalerweise ist die Algarve weit ab der Zentren künstlerischen Schaffens. Haben Sie Nachteile deswegen verspürt?
Nein, ich schaffe unabhängig, egal ob an der Algarve oder anderswo. Ich mag Tavira sehr, meine Verwandtschaft stammt aus Cachopo, in den Hügeln. Ich betrachte diese Stadt als mein Hauptquartier. Bedenken Sie, dass ich zuerst akademisch ausgebildet wurde und zwei Abschlüsse gemacht habe, weil ich dachte, es wäre für die Durchsetzung in der Kunst wichtig.
Sie geben Konzerte in ganz Europa. Spüren Sie Unterschiede im Publikum?
Ja. Das französische Publikum ist zum Beispiel sehr empfänglich für die aktuelle Avantgarde, Jazz und Musik des zwanzigsten Jahrhunderts. Das portugiesische Publikum verlangt mehr nach direkter, einfach zu verstehender Musik. Das spanische Publikum ist nationalistisch, also müssen wir daran denken spanische Komponisten einzufügen. Das deutsche Publikum ist sehr bewandert, sie fangen mit der Musik von Bach und Beethoven Feuer. Das brasilianische Publikum ist interessanterweise immer mehr aufgeschlossen. Anders als man vielleicht aufgrund der importierten populären Musik denken mag, ist es ein Land, das mit den vielen Doktoren der Musik an seinen Universitäten ganz vorne liegt...
Und in Tavira?
Nun, ich habe hier vier oder fünf Fans, die alle meine Konzerte besuchen, der Rest sind Ausländer. Ich denke, es ist ein Phänomen, einzigartig in den touristischen Städten. Auf der anderen Seite, bin ich hier in Tavira ziemlich gut aufgehoben und meine Arbeit wird von der Gemeinde und den kulturellen Vereinen unterstützt. Mir stehen keine Hindernisse zur Entwicklung meiner Kunst oder für die Präsentation meiner Konzerte im Weg.
Schätzt die Algarve Ihrer Meinung nach seine Künstler?
Ich denke schon. Aber vor ein paar Jahren noch nicht. Nur in der Hauptstadt und anderen größeren Städten gab es eine höhere Wertschätzung. Aber heutzutage, denke ich, gibt es ein Bewusstsein, diese lokalen und regionalen Werte zu fördern.
Wie begann Ihr musikalischer Weg?
Ich begann im Alter von fünf Jahren Musik zu studierren. Bis ich Jugendlicher war, hatte ich keinen Kontakt zu Musik, die nicht ernster Natur war, allgemein Klassik genannt. Als ich sechzehn wurde, wurde mir (zum Glück) angeboten, in einer Piano-Bar in Faro zu spielen. Damals, also vor zwanzig Jahren, hatte ich ein leichteres Repertoire und kam in Kontakt mit Werken von Frank Sinatra, The Beatles, etc. Seitdem habe ich nicht aufgehört...
Wie ist der Schaffensprozess für Sie?
Es gibt verschiedene Typen Komponisten. Ich halte mich für intuitiv. Normalerweise entwickeln sich alle Teile einer embryonalen Idee, von einer Melodie, von einer Harmoniesequenz, auf eine sehr intuitive Weise. Ich habe keinen Stundenplan, um zu komponieren. Ich bin ständig am Schaffen. Ich setze mich einfach ans Klavier und wenn mir danach ist, komponiere ich. Wenn nicht, spiele, studiere oder improvisiere ich. Ich bin auf dieser Ebene nicht diszipliniert. Ich schreibe auch Gedichte und komponiere Lieder.
Was reizt Sie am Klavier?
Als Kind hatte ich diese Idee, als ich einmal im Fernsehen einen Pianisten gesehen habe. Vielleicht war es ein Showman, weil er ein weißes Klavier hatte, aber die Wahrheit ist, dass es mich begeistert hat. Die Form, die Chromatik der Tasten, der Klang, die Vibrationen ...
Fühlen Sie das heute immer noch?
Das Klavier macht 50 Prozent meines Lebens aus. Um körperlich und seelisch ausgeglichen zu sein, muss ich jeden Tag spielen. Es ist ein Teil von mir. Es muss einfach sein.
Sie lehren auch Musik. Haben wir Jugendliche mit Potential an der Algarve?
Diese Frage ist mir schon Hunderte von Malen gestellt worden, aber ich möchte die gesamte Frage der Musikschulen entmystifizieren. Ich habe da eine sehr eigene Meinung, mit der vielleicht die meisten meiner Kollegen nicht einverstanden sind. Es sind nicht die Musikfachschulen, die die Künstler und Musiker hervorbringen. Hier werden Musikinteressenten und gute Zuhörer der Zukunft ausgebildet. Die guten Musiker werden zu Hause geformt, studieren jeden Tag hart und mit Hingabe.
Der Unterricht allein lässt sie nicht zu großen Musikern werden. Natürlich hilft es, aber es muss aus jedem einzelnen kommen.
Was ist ein guter Zuhörer?
Eine Person, die nicht nur Konzerte von Tony Carreira besucht, die die geistige Freiheit und die Fähigkeit hat, sich ein Streichquartett oder ein Orchester anzuhören. Ein guter Zuhörer ist nicht jemand, der nur klassische Musik oder Rock ‘n Roll oder Metal hört. Ein guter Zuhörer ist wie ein guter Gesprächspartner, der auch kritisch sein kann - und das ist es, wozu die Musikschulen dienen.
Danke für das Interview.








