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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Faro

Der Bote

Es ist ein Mann, der nicht unbemerkt bleibt. Ein einsamer Mann stellt Schilder mit biblischen Botschaften an der ganzen Algarve aus. Extremismus oder einfach ein Ausdruck seines starken Glaubens? Ein unvereinbarer Bote in einer Zeit, in der die Spiritualität verloren gegangen ist? Sicher ist, diejenigen die ihn sehen, bleiben nicht gleichgültig - ob sie wollen oder nicht. Der in Faro geborene António José Correia, 32 Jahre, weiß, dass er sehr wahrscheinlich Kontroversen erzeugt, und daher stimmte er zu, uns zu erklären, warum er auf die Straße geht.
Ausgabe 679 (26 Mai 2011), Ohne Kommentare »

Er spricht mit einer unerschütterlichen Überzeugung. Hat schon von allem ein wenig getan, vier Jahre in England gelebt, wo er eines Tages, nach einem Gelage, versucht hat sich im Meer das Leben zu nehmen. Er berichtet, wie er durch ein Wunder gerettet wurde und nach Hause zurückkehren konnte, worauf er seinen Glauben wieder gewann und begann, sein Leben neu zu überdenken. Nun ist er ein Wanderprediger - etwas, was anderswo üblich ist, von denen es in Portugal aber nicht viele gibt. Er ist zudem als freiwilliger Helfer in einer gemeinnützigen sozialen Vereinigung für Risikogruppen aktiv.

Algarve 123: Stehen Sie mit einer bestimmten Kirche in Verbindung?

António José Correia: Ja, aber dies ist ein persönliches Projekt.

Wann haben Sie es begonnen?

Vor etwa eineinhalb Jahren. Es war meine Entscheidung. Ich habe viele Orte hier an der Algarve und Spanien bereist. Aber jetzt bleibe ich in meiner Stadt.

Warum?

Ich fühlte mich berufen. So wie ich es sehe - wie eben jeder seine Sichtweise hat -, habe ich eine spezielle Intimität mit Gott, durch die mir diese Mission am Herzen liegt.

Was versuchen Sie zu vermitteln?

Meine anfängliche Botschaft war die der Liebe. Nur, dass viele Menschen sich nicht zu Gott bekennen wollen und unwirsch reagieren, wenn sie eine dieser Botschaften sehen. Als ich damit anfing, fühlten sich die Menschen konfrontiert, als ob da jemand wäre, der ihnen etwas zeigt, was sie nicht sehen wollen.

Also standen Sie vor dem Problem, Ihren Glauben auszudrücken?

Ja, ich bin von den Behörden schlecht behandelt worden. Anfangs musste ich ihnen meine Sicht biblisch erklären.

In Portugal gibt es Religionsfreiheit. Es ist ein Recht, das in der Verfassung verankert ist...

Richtig, aber das war ebenfalls Realität. In unserem Land existiert Religionsfreiheit, aber die Polizei kam mehrmals zu mir, um um eine Identifizierung zu bitten. Wenn es die Religionsfreiheit nicht gäbe oder ich Menschen zum Glauben zwingen würde, wäre das nicht ehrlich, weil die Bibel sagt, wir sollen unsere Autoritätspersonen respektieren.

Und wie reagieren die Menschen im Allgemeinen?

Ich wurde schon ziemlich schlecht behandelt. Einige haben mich ausgepfiffen. Anfangs erntete ich Schimpfnamen und Flüche. Sie sagten mir, ich solle nach Hause gehen. Sie haben sogar versucht, mich zu überfahren, zweimal, verschiedene Menschen.

Aber Sie haben auch positive Erfahrungen gesammelt?

Heute kommen Menschen aus der ganzen Welt zu mir, um mich zu sprechen. Sie geben mir Essen und Geld und manchmal beten sie mit mir.

Was sagen Menschen anderer Glaubensrichtungen, wenn sie Sie treffen?

Sie ermutigen mich, geben mir Kraft. Andere haben versucht, mich von ihrer Religion zu überzeugen und mir Pamphlete gegeben.

Was machen Sie damit? Werfen Sie sie weg?

Nein, ich bewahre alle zu Hause in einer Schublade auf, da ich sie natürlich

respektiere.

Und wenn Ihnen jemand sagt, dass er mit dem, was sie tun, nicht einverstanden ist?

Dann müssen wir reden. Das ist schon vorgekommen.

Und Ihre Freunde und Familie?

Anfangs dachten sie, es sei ein Witz, dass ich verrückt sei. Inzwischen akzeptieren sie es.

Gab es einen Bruch in Ihren Beziehungen?

Nein, ich habe viele Brüder und Schwestern und verstehe mich gut mit ihnen.

Wurden Ihnen schon Spitznamen verliehen?

Ja, der “Prophet von Faro”. Aber ich bin kein Prophet. Den Evangelismus zu

verbreiten steht in der Bibel geschrieben…

Ist es das, was Sie zu Ihren Taten veranlasst?

Ja, klar.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin vor circa drei Jahren und zwei Monaten zum Christentum konvertiert. Aber die Arbeit auf der Straße habe ich erst später aufgenommen.

Wie sehen Sie sich selbst?

Ich bin ein Wanderprediger. Ein Missionar in meiner eigenen Stadt. Ich weiß

von einem Mann in den Vereinigten Staaten und einer jungen Frau in England,

die es mir gleich tun. Es sollte mehr solche Menschen geben, aber davon weiß

ich nichts. Derzeit kenne ich niemanden in Portugal…

Was verdienen Sie damit?

Ich verdiene nichts. Mein Lohn ist, Menschen glücklich zu sehen. Und wer mag, der konvertiert. Aber mir fehlt es an nichts.

Woher stammt Ihr Glaube?

Eines Tages, als ich ein Kind war, nahm mich meine Mutter mit in die evangelische Kirche. Ich hörte die Bibelgeschichten und das war die Saat.

Später, mit meinem eigenen freien Willen, habe ich alles hinter mir gelassen und ging andere Wege. Ich begann, die falschen Dinge zu tun. Ich fing an, zu Hause zu stehlen, und dann auf der Straße. Dass ich nicht im Gefängnis gelandet bin, verdanke ich Gottes Erbarmen. Ich hatte viele Konflikte vor Gericht. Den größten Gesetzesverstoß habe ich begangen, als ich anfing Autos und Motorräder zu stehlen und damit das Leben anderer Menschen in Gefahr brachte. So war das.

Und dann?

Glücklicherweise habe ich meinen Weg gefunden.

Gibt es mehr Fälle wie den Ihren?

Viele.

Gibt es Leute, die Ihren Glauben mit Fanatismus verwechseln?

Vielleicht. Aber falls es sie gibt, sagen sie es mir nicht ins Gesicht.

Und an der Algarve, wo waren Sie schon mit Ihrer Botschaft?

Ich war in Portimão, Almancil, Quarteira, Olhão, Vilamoura und Lagos.

Stellen Sie Ihr eigenes Material zusammen?

Ja, alles. Ich schreibe und produziere alles selbst. In Zukunft wird es ein neues Plakat geben, das wunderbar wird. Es ist eine Botschaft der Hoffnung.

Werden Sie reisen?

Nein, ich bleibe in Faro.

Was meinen Sie, wie lange Ihr Glaube anhalten wird?

Solange ich jemand bin, der demütig ist und anderen zuhört.

Was haben Sie noch für Ideen?

Ich würde die biblischen Botschaften gerne in öffentlichen Verkehrsmitteln

aushängen, damit jeder sie lesen kann und sein Leben reflektiert. Ich arbeite

auch an Kurzfilmen, zu denen ich die Regie leite, um sie auf YouTube zu stellen. Ich möchte auch studieren und meinen Abschluss in einem biblischen Zentrum in Portugal oder Brasilien machen.

Wie sehen Sie andere Religionen?

Es gibt viele andere Lehren, aber eines ist sicher: Die Bibel ist über 3.500

Jahre alt. Sie ging durch Feuer, durch Kriege, überdauerte Könige, die

sie zerstören wollten - aber sie existiert immer noch, um zu lehren und zu

korrigieren, was falsch ist, weil sie ein Lehrbuch ist. Ich denke, wenn jeder

den Lehren dieses Buches folgen würde, gäbe es nur halb so viel Unsinn und

Probleme, wie es sie heute gibt.

Vielen Dank für das Interview.

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