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DECO Faro
Die Geschichte vom Sonnenschein

Sofortkredit und das Leben ist eitel Sonnenschein.
“Gegenwärtig befindet sich die Algarve in einer äußerst problematischen Situation”, sagt Ana Pedro, Abteilungsleiterin des Ressorts « Hilfe für Überschuldete» der DECO. Fast über die ganze Region verteilt, werden die Verbraucher unterstützt, insbesondere bei der Lösung von Kreditproblemen. In der Praxis beraten wir täglich ganz schwierige Fälle. Der Ursprung des Übels liegt im vorangegangenem Strudel der Internationalen Finanzkrise. Einfach zu lokalisieren: Mit der Eröffnung der ersten großen Einkaufszentren Ende der 90er Jahre begann die Möglichkeit, alle Arten von Gütern und Dienstleistungen zu erwerben. Vor allem brauchte der Käufer nicht gleich alles zu bezahlen. “So wurde den Kunden ein einfacher Kredit vorgegaukelt, einfacher Konsum und ein einfaches Leben”, kritisiert Ana Pedro. Was während der letzten Jahre hinzukam, waren die Kreditkarten. Plötzlich war es möglich, alles zu kaufen, was an der Algarve auftauchte. Die modernsten Möbel, Markenkleidung, technische Produkte und Mobiltelefone zu einem erschwinglichen Preis. Die Wirklichkeit sähe aber ganz anders aus, meint Ana Pedro. “Kreditverträge für die Beschaffung bestimmter Konsumgüter kam ganz groß in Mode. Die Leute betrachteten die Anfangsraten als gültig für den Rest der Zahlungen. Aber mit dem Erreichen der Krise und der exzessiven Steigerung der Zinsen stellt sich jetzt heraus, daß sich die Raten drastisch erhöht haben. Viele Konsumenten sind heute nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen”, betont Ana Pedro.
Was ich sehe, will ich haben.
Die umgehende Befriedigung der Konsumwünsche ist der Grund für die Geldprobleme der Algarvios. Warum? Ana Pedro erzählt vivalgarve folgende Geschichte: “Die Leute sind gewohnt, nach der Devise zu leben: Was mein Nachbar hat, steht mir auch zu! Das merke ich immer wieder hier im Hilfszetrum für Überschuldung, wenn wir die Leute um Ausfüllung der Formulare bitten. Eine Art von geistiger Gymnastik, wenn wir uns ihre Ausgaben und Einnahmen ansehen. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem mir viele Leute im Zustand der Verzweiflung mitteilen, sie hätten kein Geld für Lebensmittel übrig. Ich schaue mir das Formular an und sehe, zum Beispiel, die Kosten für das Kabelfernsehen. Im Durchschnitt 50 Euro oder mehr. Also, frage ich, warum geben sie dieses Geld nicht lieber für Lebensmittel aus? Dann sind sie total empört, als wenn dieser TV Anschluß für sie lebenswichtig wäre. Unglücklicherweise leben wir in einer Kultur des Vergleiches und gesellschaftlichen Status‘”.
Schein statt Sein?
Das Statusdenken führt die Leute mit langen Schritten in die Pleite. Die Anwältin der DECO hat keinerlei Zweifel daran, daß die Tage der äußerlichen Zeichen des sogenannten neuen Reichtums auf der Basis von Krediten, der sich heute überall an der Algarve zur Schau stellt, gezählt sind. Der Abrutsch hat schon begonnen. “Hier in Faro gibt es viele Familien, die jahrelang sehr gut von ihren Firmeneinnahmen gelebt haben, sich jetzt aber in Schwierigkeiten befinden. Es sind Leute, die daran gewöhnt sind, immer das neueste Modell eines Plasmafernsehers zu Hause zu haben und die letzte Ausführung eines Luxusautos zu fahren”, meint sie. “Aber aufgepaßt. Wir sprechen gerade über Menschen, die sich heute an uns wenden, und das sind nicht diejenigen mit dem Minimumgehalt. Es ist die gehobene Mittelklasse, die die meisten Schwierigkeiten hat” hebt Ana Pedro hervor. Aber “je mehr man hat, desto mehr gibt man aus”. Das Problem sei “wer in eine Phase der Rezession abgleitet, hat zwar die gleichen Kosten, aber viel weniger Einnahmen.“ Bald müssen viele Leute das tägliche Sein neu erlernen und ihre Einstellung ändern.
Wenn die Immobilie zum Gefängnis wird
Ähnlich wie der exzessive Konsum, der persönliche Kredit mit exorbitanten Zinsen und der Größenwahn gäbe es ein anderes Problem, ein soziales Drama, das viele Algarvios in Schrecken versetze. Es handele sich um den sogenannten Wohnungsbaukredit. Ana Pedro: “2009 wird ein sehr problematisches Jahr. Schon 2008 halfen wir bei vielen Fällen von Zahlungsverzug gegenüber Banken. Aber innerhalb der Kreditinstitute wurden viele Prozesse einfach von Abteilung zu Abteilung weitergereicht. Die Banken wußten einfach nicht, wie sie auf das Problem reagieren sollten. Ich habe hier Personen, die seit einem Jahr keine Zahlungen geleistet und die Banken einfach nichts unternommen haben. Das sind eben keine Maklerbüros. Es liegt nicht in deren Interesse, die ganze Immobilie zurückzubekommen. Diese Situation wird zusehens kritischer und zieht sich nicht einfach noch länger hin,” warnt die Anwältin der DECO. “2009 werden wir die Lösung vieler solcher Fälle erleben.“ Und danach? Wo werden die Leute dann wohnen? Ein Haus mieten? Ana Pedro bedauert das Fehlen jeglicher Alternativen. “Wir leben hier an der Algarve, an der Küste. Die Mieten, verglichen mit dem Rest des Landes, stehen im absoluten Kontrast zur Lebenssituation der Menschen. Die Hausbesitzer stellen sich folgende Frage: Vermiete ich nur im Sommer mit einem steigenden Gewinn oder vermiete ich auch den Rest des Jahres zu einer hohen Miete? Alle leiden unter dieser Situation.“ Viele Verbraucher kommen zur DECO, um ihren Hausschlüssel von der Wohnung, die sie nicht mehr abstottern können, abzugeben. Größtenteils sind es junge Leute, aber nicht nur. “Ab und zu reicht die kleinste Änderung der Familiensituation aus, um das Hauhaltsbudget total zu destabilisieren”.
Leben auf Pump
Von Januar bis zum 15. November 2008 wandten sich 1.187 Menschen mit den verschiedensten Problemen an die DECO in Faro. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, zeigt sich Ana Pedro sehr besorgt über Arbeiter und Angestellte, die von ihren Firmen unter Androhung des Verlustes ihres Arbeitsplatzes eine Kürzung von 25% des Einkommens vorgeschlagen bekommen. Eine solche Erpressungspraxis ist auf jeden Fall ungesetzlich, wird aber immer öfter gehandhabt. Sie stellt einen zusätzlichen Spagat für jene dar, die sowieso schon ein geringes Einkommen haben. Ein anderes Angebot unseres Marktes ist „der Sprachkurs“. Die Betreiber, die den Kauf des Kurses per Post annoncieren, wissen genau, daß Portugal in einer Krise steckt und daß viele Portugiesen arbeitslos sind oder ihnen die Kündigung ins Haus flattert. Sie nutzen die Situation aus. Viele Leute müssen sich beruflich weiterbilden und denken, daß sich ein Investment in Sprachkurse bezahlt macht. Die meisten Teilnehmer nehmen jedoch nicht wahr, daß es sich nur um ein weiteres Kreditgeschäft handelt. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder welche, die auf die alten Maschen hereinfallen. Orthopädische Matratzen und die wunderbaren Fernreisen auf Kredit finden noch stets ihre Opfer. DECO nimmt auch das Drama vieler Senioren wahr, die ihre Ersparnisse in wertlose Fonds oder Aktien investiert und dabei alles verloren haben.








