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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Schokolade, Süßigkeiten und viel Fantasie

Lebkuchenhäuser zum Spielen und Vernaschen. Kuchen in Form eines Bauches einer Schwangeren, “um die Neuigkeit zu verkünden”. Kinderfiguren, die wie Spielzeug und Kunstwerke zugleich scheinen, aber handgefertigte Köstlichkeiten sind. Bonbons mit Piri-Piri für den Nachttisch, um den kalten Winternächten einzuheizen. Das sind nur einige der Neuheiten, die wir auf der zweiten «Mostra de Doçaria Algarvia» entdeckt haben, die vom 5. bis 7. November in Vila Real de Santo António statt gefunden hat. Wir sprachen mit einigen der Profis eines Sektors, der dabei ist, sich selbst neu zu erfinden.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 652 (11 Nov 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

“Ich begann damit zu den Geburtstagen meiner Töchter, als ich bemerkte, dass die Kuchen immer gleich aussahen” – rund und langweilig, mit einer Verzierung und Kerzen drauf. “Eines Tages habe ich einen dreidimensionalen Kuchen gebacken, der bei Freunden gut ankam”, berichtet Paula Costa, 44 Jahre, Co-Organisatorin der Ausstellung «Mostra de Doçaria Algarvia» im Kulturzentrum António Aleixo von Vila Real de Santo António.

Das war der Startschuss. Es folgten Kurse in Lissabon, Porto, Caldas da Rainha und Loulé, wo sie verschiedene Techniken zur Kuchengestaltung erlernte – eine zeitgemäße Annäherung an Dekoration und Herstellung von Kuchen, der stets überzeugende Ergebnisse hinsichtlich Anblick und Geschmack aufweisen soll. “Es gibt keine Grenzen. Alles ist möglich!” sagt Paula.

“England ist das Zentrum dieser Art von Süßwaren. Hierzulande gibt es noch nicht sehr viel”. Es ist ein wenig teurer, weil es handgemacht ist und natürliche Zutaten wie Marzipan verwendet werden.

“Aber es gibt eine Nachfrage auf diesem Sektor. Wir stecken zwar in einer Krise, aber Feste, Hochzeiten und andere besondere Tage fallen immer an”. Und die Leute suchen immer häufiger nach etwas Neuem. Die traditionelle Hochzeitstorte zum Beispiel ist überholt. “Heute tendiert man zu individuellen Torten”, hübsch und schön dekoriert…

Paula Costa arbeitet nur auf Bestellung, soweit sie der Nachfrage nachkommen kann. Sie hat durch Mundpropaganda inzwischen hunderte Kunden an der ganzen Algarve…

Neben der Ausstellung von Neuigkeiten, sollte die Schau die Fachleute und Produkte der Region fördern.

“Hier haben wir Orangen, Feigen, Mandeln, Johannisbrot. Diese vier Produkte haben ein großes Potenzial und können gut eingebunden werden. Wir brauchen nichts anderes”. Das sagt Filipe Vaz, Ausbilder im CFPSA (Berufsbildungszentrum für den Nahrungsmittelsektor) Loulé.

Vaz glaubt an einen dynamischen Konditoreisektor, innovativ und auf regionalen Produkten basierend, was zur lokalen Wirtschaft beiträgt. Ein Vermögenswert, besonders im Winter.

Aber in der Realität ist es so, dass jemand, der “mal etwas anderes in einer Konditorei der Algarve sehen will, lange suchen muss”. Fehlt es hier an Talenten?

“Nein. Wir haben gute Leute”, sagt er. Aber sie können nur auf dieser Art von Veranstaltungen ihr Können zeigen. Das liegt daran, dass “in den Fabriken und an den Orten, an denen sie arbeiten, die Arbeitgeber noch eine alte Denkweise haben.” Laut Vaz ist Kreativität in vielen Unternehmen nicht willkommen.

“Viele möchten sich weiter entwickeln, werden jedoch gebremst”, weil die Arbeitgeber “keine Rohmaterialien wie Mehl und Zucker vergeuden wollen”. “Lass das, das lohnt sich nicht, das verkauft sich nicht” ist eine der häufigsten Ausreden. “Wie kann sich dann der Markt, die Konditoreien und alles, was damit zusammen hängt, entwickeln? Kann er nicht!”, meint Vaz.

Eine Folge dieser Trägheit ist, dass die Organisation dutzende Firmen eingeladen hat der Veranstaltung beizuwohnen, aber viele sind skeptisch. “Uns wurde gesagt, sie hätten dafür nicht ausreichend Mitarbeiter”, sagt Paula Costa…

Der gleichen Meinung ist auch Filipe Martins, der seine Schokoladen mit Piri-Piri vor Ort zubereitet. Mit seinen 23 Jahren leitet er bereits einen Konditorei-Kurs an der Hotel- und Tourismusschule in Faro. Im April gewann er den ersten Preis des Wettbewerbes “Portugiesischer Chocolatier des Jahre 2010” in Óbidos.

“Es gibt viele Menschen, die wissen, wie man Schokolade herstellt, aber dort, wo sie arbeiten, fehlt es an allem dafür Notwendigen.” “Das ist schade, denn Schokolade macht vielleicht noch kein Geschäft, aber einen Unterschied!”, meint er.

Für Nuno Machuqueiro, von «Doces Pecados» in Almancil, ist das Geheimnis die Innovation, bei der aber die Simplizität erhalten bleibt.

“Vor vier Jahren haben wir Weihnachtseinkäufe gemacht und gesehen, wie die Leute verrückt nach Schokolade waren. Wir dachten darüber nach und überlegten, wie es wäre, etwas anderes zu machen. Wir reisten nach Belgien, besuchten diverse Messen und kamen zu dem Entschluss, dass es interessant sein würde, lokale Produkte mit Schokolade zu kombinieren”.

Bisher produzieren sie aber nicht selbst, sondern arbeiten mit einem Chocolatier aus dem Alentejo zusammen, der ihre Kreationen umsetzt, zu denen unter anderem Feigen- und Schnapspralinen gehören. Das Geschäft versucht auf allen Messen präsent zu sein. “Ja, sie sollten öfter stattfinden, vor allem mit Gourmetprodukten aus der Region.”

Ein anderer Meister der Schokolade, der sich in die Region verliebt hat, ist der belgische Chocolatier Frank Vermogen, 67 Jahre. Er und seine Frau, die Malerin Elza Newton, haben vor etwa vier Jahren eine kleine Schokoladenfabrik erschaffen – ein Projekt, das unter dem Namen «Quinta do Xocolatl» bekannt ist und sich in Luz de Tavira, in der Nähe der Ria Formosa, befindet.

Dort wird nur zwischen Oktober und Ostern gearbeitet. Er sagt, dass die Nachfrage momentan aufgrund der Krise etwas gesunken ist, da es sich um ein Luxusprodukt handelt, das für 38 Euro pro Kilo verkauft wird. Das Neueste für 2010/11 ist eine Praline mit Olivenöl aus der Algarve und eine, die mit Absinth gefüllt ist…

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