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«Deep Divex 2010»
Arbeit in der Tiefe

Es ist kurz vor zehn Uhr morgens und die N.R.P. Almirante Gago Coutinho befindet sich bereits auf dem Weg in das Tauchgebiet zehn Seemeilen (etwa 18 Kilometer) südlich von Portimão.
Auf der Reise dorthin versammeln sich die Kommandanten aller Teams für das Briefing des Tages in dem improvisierten Besprechungsraum. Der Offizier Paulo Franco erteilt auf Englisch Anweisungen und spricht über die geplanten Übungen, die in 75 bis 79 Metern Tiefe stattfinden werden.
Ähnlich zu realen Operationen gibt es immer ein klar definiertes Ziel beim Tiefseetauchen – Arbeit. Das portugiesische Team wird die Rettung eines abgestürzten Hubschrauber-Piloten aus der Tiefe durchführen müssen. Es wird ein Sonar benutzt, um die Absturzstelle zu finden.
Die Kanadier werden einen Sprengsatz aus dem Krieg suchen. Sie müssen die Bombe identifizieren und unter Wasser entschärfen, dann muss sie an die Oberfläche geschafft werden. Die Tauchteams aus Estland und Norwegen werden einem bemannten Unterseeboot in Not helfen (als Subsunk bekanntes Szenario).
Insgesamt gibt es fünf verschiedene Trainings-Szenarien. Jede Übung sollte innerhalb von etwa zwei Stunden ausgeführt sein. Im Anschluss findet eine Diskussionsrunde statt, bei der die Teilnehmer ihre Erfahrungen austauschen - eines der primären Ziele von «Deep Divex 2010». Ein anderes ist die Fähigkeit der verschiedenen Nationen in gemischten Gruppen zusammen an gemeinsamen Missionen zu arbeiten.
Jede Nation hat ihr eigenes Equipment und agiert unabhängig – obwohl es viele Standards gibt, die für alle gleich sind. Auf See werden die Teams von einem Hilfsboot (Green Boat) und einem Notfall-Boot (Red Boat) begleitet.
Helden und Vorfälle
“Militärische Tauchübungen testen die physiologischen Kapazitäten des Menschen. Sie werden mit hoch entwickelten Geräten durchgeführt, die ausfallen können”, beschreibt Gouveia e Melo, Kommandant der portugiesischen Unterwasserflotte (U-Boote und Taucher) der Marine und Koordinator des «Deep Divex 2010».
Genau das passierte dem belgischen Team am 30. September. Ihre Ausrüstung versagte. “Einer der Taucher verlor in etwa 78 Metern Tiefe das Bewusstsein. Ein anderer versuchte ihn zu retten und wagte einen Notaufstieg an die Oberfläche, was sehr riskant ist. Anzumerken ist, dass es für Taucher altruistisch ist, einen Kollegen zu retten. Und in der Tat hat er ihm das Leben gerettet, denn er war kurz vor dem Ertrinken”, resümiert Gouveia e Melo.
Beide Taucher mussten nach ihrem schnellen Aufsteigen sechs Stunden in den beiden Druckkammern an Bord verbringen, um die Auswirkungen zu mildern.
Danach wurden sie mit einem Helikopter in das Marine-Hospital in Lissabon gebracht. “Sie sind in keiner lebensbedrohenden Lage und werden keine ihrer Fähigkeiten einbüßen”, garantiert Gouveia e Melo.
Berufsrisiko? An Heck des Schiffes beobachtet Kommandant Conceição aufmerksam die Übungen. Er ist 40 Jahre alt und stammt interessanterweise aus Portimão.
Seine Karriere beim Militär begann 1998. “Beklemmung ist immer dabei. Dies ist ein riskantes Unternehmen und nur der Gedanke daran treibt den Adrenalinspiegel in die Höhe”, sagt er.
Conceição ist der Chef der drei Tauchgruppen der Portugiesischen Marine, die insgesamt etwa hundert Übungen praktizieren.
“Es gibt eine Reihe medizinischer und psychologischer Tests, denen sich die Kandidaten unterziehen müssen, bevor sie einen neunmonatigen Kursus beginnen”.
Helden? Sie sind “darauf vorbereitet in jeder Art Gewässer zu agieren”. Sie sind unter dreißig Jahre alt und erledigen durchschnittlich 500 Missionen pro Jahr, meistens ziviler Natur. Durch ihre Arbeit entwickeln Taucher ein besonderes “Kameradschaftsgefühl” und “Teamgeist”, erklärt Conceição.
Gouveia e Melo erinnert sich an “jüngste Vorfälle, durch die es nötig war 50 Meter tief zu tauchen”.
Das war bei dem Untergang des Ausflugsschiffes «Super-Águia II» im letzten Juni vor der Küste von Aveiro. Marinetaucher mussten aus dem Inneren des Schiffes den Körper eines Besatzungsmitglieds bergen.
Gouveia e Melo erklärt uns, dass es für die Familien sehr wichtig ist, die Körper ihrer Lieben wieder zu bekommen. Abgesehen davon ist die Bergung des Körpers oft entscheidend für die Versicherung. Und letztlich kann der Tauchgang dieser Fachleute helfen die Ursache für den Unfall zu klären. Die Rückgewinnung von Wertsachen oder die Beschaffung von Beweisen für Drogenschmuggel sind weitere Beispiele des öffentlichen Dienstes.
Über die Algarve meint Gouveia e Melo, dass “die klimatischen und ozeanografischen Bedingungen außergewöhnlich sind” und die Übung «Deep Divex» “große internationale Auswirkungen hat, auf Ebene der Marinen und der der Tauchgemeinschaft”. Das wiederum könnte dem Tourismus indirekt zuträglich sein.








