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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Fernando Nobre – ein Kandidat unter uns

Fernando Nobre, Gründer und Vorstand der AMI (Assistência Médica Internacional, vergleichbar mit Ärzte ohne Grenzen) in Portugal, kennt einige der schwierigsten Gegebenheiten des Planeten gut. Er wurde 1951 in Luanda geboren und widmete sich in den letzten 30 Jahren als Arzt humanitären Zwecken. Zudem ist er Universitätsprofessor und Autor. Für 2010 hat er beschlossen, einem persönlichen Projekt nachzugehen – er kandidiert für die Präsidentschaftswahl 2011, unabhängig und überparteilich. Ein Kampf, der “extrem schwierig” scheint, sich aber in der Rettung “des Landes aus seiner aktuellen Lage” rechtfertigt. Am vergangenen Samstag, den 17. Juli, begleiteten wir Fernando Nobre bei seinem Besuch des 29. Motorradtreffens in Faro.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 636 (22 Jul 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires
Dr. Fernando Nobre

Vivalgarve: Viele Menschen kennen Ihre humanitäre Arbeit mit der AMI und sehen Sie als erfolgreichen, fähigen Mann. Warum haben Sie sich dazu entschieden in die Politik zu gehen und sich als Präsidentschaftskandidat für die Republik aufstellen zu lassen?

Fernando Nobre: Weil ich als Bürger in der Situation, in der sich das Land aktuell befindet, es als meine Pflicht ansehe, aufzustehen und für die Werte zu kämpfen, die ich immer verteidigt habe. Insbesondere Werte wie soziale Gerechtigkeit, Würde und gleiches Recht für alle. Ich leiste seit mehr als dreißig Jahren einen Beitrag auf dem Gebiet der Solidarität, im In- und Ausland. Ich denke, meine Vergangenheit vereint einzigartige persönliche Konditionen, um dem portugiesischen Volk meine Ideen, Projekte und Pläne für das Land zu vermitteln.

Normalerweise haben es unabhängige und überparteiliche Kandidaten, mit wenigen Ausnahmen, bei den Wahlen erheblich schwerer. Beunruhigt Sie das nicht?

Offensichtlich ist das so. Es ist extrem schwierig und ich bin wahrscheinlich der erste unabhängige und überparteiliche Kandidat. Es ist schon schwierig die 7.500 Unterschriften zu sammeln, die für eine Kandidatur erforderlich sind. Ich habe bereits um die 9.000 und hoffe, dass wir 15.000 schaffen. Dann hängt eine Kandidatur wie die meine in finanzieller Hinsicht größtenteils von der freiwilligen Hilfe der Bürger ab. Aber ich glaube, dass die Bürger spüren, wenn sie Veränderungen brauchen und mit dem, was in unserem Land seit Jahrzehnten geschieht brechen wollen, haben sie jetzt die Gelegenheit dazu. Wenn die Wähler wollen, dass es so weiter geht wie bisher, gut, dann können sie für einen der anderen Kandidaten stimmen. Aber wenn sie auf eine Möglichkeit zu Veränderungen in unserem Land hoffen, dann bin ich hier, um ihren Bestrebungen und Wünschen nachzukommen.

Sie waren auf einer Reise im Norden des Landes. Was sagen die Menschen dort?

Ich kann sagen, dass es hinsichtlich der Unterstützung seitens der Bevölkerung sehr gut aussieht. Ich denke es türmt sich gerade eine Welle der Hoffnung in diesem Land auf. Ich kann Ihnen sagen, ich wurde überall, wo ich war, angesprochen – auf Messen, in Cafés, im Zug, auf dem Flughafen – und denke, dass die Menschen anfangen, an eine mögliche Veränderung in unserem Land zu glauben.

Sie haben bereits 160 Länder der Erde bereist. Haben Sie schon eine so große Eskalation in so kurzer Zeit wie im heutigen Portugal gesehen?

Gut, unabhängig aller Schwierigkeiten, die wir haben und die sehr real sind, gibt es Länder in viel schlechteren Situationen. Wir wollen uns nicht mit Simbabwe, Haiti oder dem Kongo, Pakistan oder Indonesien vergleichen, aber im europäischen Kontext ist es so, dass wir das Land mit der geringsten Verteilung des Reichtums sind. Vielleicht auch das mit der größten sozialen Ungerechtigkeit und den schlechtesten Zukunftsaussichten. Es ist also kein Zufall, dass wir eine neue Emigrationswelle erleben, vor allem unter unserer Jugend. Tatsächlich gibt es viele Menschen, die nicht mehr daran glauben, dass sie sich in Portugal eine Zukunft aufbauen können.

Wie sehen Sie das?

Nun, ich denke es ist möglich. Ich glaube, unser Land hat eine Zukunft, weil es über einen wichtigen Trumpf verfügt. Aber es muss ein neuer Kurs eingeschlagen werden. Wir alle zusammen können ein wirklich nachhaltiges Land aufbauen.

Wenn Sie gewinnen würden, was wären Ihre ersten Maßnahmen?

Bedenken Sie, dass ich für das Amt des Präsidenten der Republik kandidiere. Ich bewerbe mich nicht um den Posten des Premierministers oder Finanzministers. Ich kann sagen, dass ich mit den mir verfügbaren verfassungsmäßigen Befugnissen das Land auf die wirklichen Probleme, vor denen wir stehen, hinweisen möchte. Ich werde versuchen, Kräfte in der Zivilgesellschaft, politische Parteien, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände im nationalen Konsens zu mobilisieren. Ich glaube, wenn ein gutes Beispiel, unabhängig einer Partei, und Würde von einem Staatsoberhaupt ausgehen, können wir einen Ablauf abwenden, der für uns alle verheerend ist.

Eine letzte Frage. Was sagen Sie zu der eingespielten Korruption und der schlecht funktionierenden portugiesischen Justiz?

Das sind enorme Probleme, die wir haben. Wir wissen, dass eine langsame Justiz, mit zwei Gewichtungen und zweierlei Maßstäben (für arm und reich), mit einer komplizierten öffentlichen Verwaltung sich auf viele Projekte, die wir entwickeln könnten, hemmend auswirken. Wenn die Bürger nicht mehr an die Gerechtigkeit ihres Staates glauben, die einer seiner Grundpfeiler darstellen sollte, wird auch seine Demokratie in Frage gestellt. Dies sind Probleme, die mit großer Klugheit behandelt werden müssen, und zwar strikt und präzise.

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