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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Zivilschutz

Prävention vor Nachsorge

Jeder starke Regen bedeutet für die meisten portugiesischen Städte auch eine Flut der Zerstörung – Überschwemmungen, Matsch und Erdrutsche. Hin und wieder werden sogar Gebäude zerstört. An der Algarve ist das ein allgegenwärtiges Szenario. Vor wenigen Monaten, im September, verursachte ein Sturm in der Altstadt von Albufeira gewaltige Schäden. Nun stellen Sie sich vor, welche Folgen ein stärkeres Erdbeben, ein Tsunami oder eine andere unvorhersehbare, zerstörerische Naturkatastrophe hätte. Wüßte der Normalbürger, was zu tun ist, während er auf Hilfe wartet? Diese Frage brachte einige Spezialisten des Landes für das Seminar «Zivilschutz und das Gemeinwesen» zusammen, das am Freitag, dem 21., in Loulé stattfand. Es war die zweite Veranstaltung dieser Art, die der Bevölkerung vermitteln soll, wie sie sich in einer solch extremen Notsituation zu verhalten habe. Vivalgarve war dabei.
Igor Duarte, Ausgabe 551 (27 Nov 2008), Ohne Kommentare »
Luís Rosa

„Wir rechnen mit einem Erdbeben ähnlich dem von 1755”. Das sind die Worte des Ingenieurs Carlos Palhares vom Zivilschutz Lissabon, einer der Referenten des Seminars. Er ist kein Prophet, aber es ist bewiesen, daß das große Beben im 18. Jahrhundert einen Tsunami nach sich zog, der Teile der algarvianischen Küste und der Stadt Lissabon zerstört hat. Man weiß auch, daß die Welle zuerst auf die Algarve traf und erst eine habe Stunde später auf die portugiesische Hauptstadt. Fast 234 Jahre danach ist die Algarve immer noch die verletzlichste Zone von Portugals Festland, und die Mehrheit der Bevölkerung lebt an der Küste. Paradoxerweise liegen heutzutage wissenschaftliche Daten vor, die belegen, daß sich die meisten Beben, die das Land erreichen, südwestlich vom Kap São Vicente ereignen.

Die Möglichkeit, ein Erdbeben vorherzusehen, liegt noch nicht in der Macht der Wissenschaft, aber es ist möglich, die Bevölkerung vor Riesenwellen auf hoher See zu warnen – einem zerstörerischen Phänomen, das als Tsunami bekannt ist. Ein praktisches Beispiel existiert heute bereits erfolgreich in Japan. Das Land hat ein Tsunami-Warnsystem entwickelt und hält schützende Unterkünfte für die Bevölkerung bereit. „Normalerweise sterben mehr Menschen auf Grund der Riesenwelle, als an dem eigentlichen Beben, das sie hervorbringt”, erklärt Carlos Palhares und erinnert an den schrecklichen Tsunami 2004 in Indonesien, der etwa 300 tausend Menschen getötet hat und eine Spur der Verwüstung hinterließ.

Palhares schlägt daher vor, daß die Gemeinden in Erwägung ziehen, an strategisch sinnvollen Orten ein Netz aus Schutzräumen aufzubauen oder zumindest ein öffentliches Warnsystem für den Fall eines Tsunamis an der algarvianischen Küste zu errichten.

Falls Ihnen das absurd erscheint, denken Sie nur an die Ergebnisse der Studie über das Erdbeben- und Tsunamirisiko an der Algarve (ERSA), die letzten Februar auf einer Konferenz der Universität der Algarve präsentiert wurden. Ein Beben der gleichen Stärke wie 1755 (8,5 auf der Richterskala) würde um die 3.000 Tote und 27.000 Obdachlose in der Region nach sich ziehen. „Die Westalgarve ist das Gebiet mit dem höchsten Erdbebenrisiko. Und an der Ostalgarve würden die Gebiete Quarteira, Faro und der Rio Guadiana von einem Tsunami überschwemmt werden”, fügt er hinzu.

Abgesehen von den Infrastrukturen ist es vor allem notwendig, das Bewußtsein der Menschen bezüglich der Vorsorge zu schärfen, um die verheerenden Folgen einer erdenklichen Katastrophe möglichst gering zu halten. Laut Carlos Palhares können 90 Prozent der Menschen in einer solche Krisensituation nur auf sich selbst, ihre Familie und auf diejenigen, die sich in nächster Nähe befinden (Nachbarn, Kollegen, etc.), zählen. Im Falle einer Katastrophe großen Ausmaßes trifft es zuerst die allgemeine Bevölkerung, die über angemessene Mittel zum Überleben verfügen muß.

Meistens bricht das Telekommunikationssystem zusammen, da es überlastet wird. „Wir sind zu sehr von der Technologie abhängig - die kann versagen”, warnt Palhares. Er erklärt, daß mit einfachen Maßnahmen großer Kollateralschaden vermieden werden kann. Einige einfache Schritte reichen aus. Zum Beispiel ist es gut, zu Hause immer einen kleinen Feuerlöscher in Reichweite zu haben, um kleine Feuer sofort löschen zu können. Ebenso sollte ein kleiner Vorrat an Trinkwasser vorhanden sein, Taschenlampe und Batterien und ein Erste-Hilfe-Set. In lebensbedrohlichen Situationen können diese Dinge Leben retten.

Rute Carvalho, ebenfalls vom Zivilschutz Lissabon, sprach über den «Sicherheitsplan an Schulen». Sie betont die Dringlichkeit, effiziente Notfallpläne vorzubereiten - und von der Theorie nun zur Praxis zu schreiten. „Die verschiedenen Sicherheitskräfte müssen in Bereitschaft sein. Es ist notwendig, daß die unterschiedlichen Körperschaften Simulationstrainings durchführen, um zu testen, ob sie voll einsatzbereit sind. Sie müssen Routinen entwickeln. Die Fähigkeit, adäquat zu reagieren, hängt von allen ab“, sagt sie.

Am letzten Wochenende hat der Zivilschutz in den Gebieten Lissabon, Setúbal und Santarém eine groß angelegte Erdbebensimulation durchgeführt. Mehr als 60 unterschiedliche Körperschaften (öffentliche und private) waren in 2.600 Operationen involviert. Unter den verschiedenen möglichen Szenarien wurde die Reaktion auf ein Kollabieren der Infrastruktur, auf Erdrutsche, Gasexplosionen und Industriebrände geübt.

Bei der Übung testete das Militär auch zum ersten Mal das neue “Integrierte System des portugiesischen Notfall- und Sicherheitsnetzwerkes (SIRESP)”. Das neue digitale Funknetz soll bis 2010 im ganzen Land flächendeckend einsatzbereit sein.

Zurzeit wird ein Sondernotfallplan für den Fall eines Erdbebens an der Algarve ausgearbeitet, der Ende 2009 und Anfang 2010 in die Testphase geht. Eines Tages könnte es ernst werden.

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