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Ausgabe 729
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Luchse an der Algarve

Es gibt wieder Luchse an der Algarve! Der Erstankömmling ist ein fünfjähriges Weibchen, das am Montag, 26. Oktober, in der Aufzuchtstation zur Erhaltung des Iberischen Luchses (CNRCLI) in Silves eingetroffen ist. Sie kommt aus Jerez de La Frontera und trägt den Namen Azahar (arabisch für Orangenblüte) und steht für den Beginn einer neuen Hoffnung für diese Wildkatzenart, die weltweit vom Aussterben bedroht ist. Im Dezember werden hier 15 weitere Luchse aus Spanien erwartet. In der primären Phase ist das Ziel die Reproduktion dieser Katzenartigen in der freien Wildbahn Portugals. Ein ambitionierter Plan, der viele Faktoren und Risiken birgt und dessen Erfolg wohl erst in einigen Jahren ersichtlich wird.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 599 (29 Okt 2009), Ohne Kommentare »
Agência Lusa

Es war kurz nach 16 Uhr, als António Cantizano, 42 Jahre, mit seinem weißen Jeep aus «Junta de Andaluzia» kam und vor der neuen Aufzuchtstation für den Iberischen Luchs an der Algarve parkte.

Um das Wohlergehen seines katzenartigen Passagieres besorgt, sparte der Fahrer, der erfahren ist im Transport von exotischen Tieren, nicht an Mühe, um dem Luchs Komfort zu garantieren. Seine Jacke hängte er so auf, dass sie dem Tier Schatten spendete, die Klimaanlage sorgte für kühle Luft und er stöhnte mitleidend, bis er das Tier aus dem 85 Zentimeter langen Käfig befreit sah.

Die Reise verlief ruhig, dank der Pflege von Iñigo Sanchez, dem spanischen Tierarzt, der den Luchs auf seiner gut 300 Kilometer langen Reise begleitet hat, die non-stop aus dem Zoologisch-Botanischen Garten von Jerez de la Frontera nach Silves führte.

Hierher zu gelangen war nicht so einfach – einige Journalisten und Gäste gingen auf dem Weg nach Herdade das Santinhas verloren. Wegweiser mussten abgebaut werden, da man befürchtete, dass zu viele Menschen aus der Gegend kommen würden, um diese bedrohte Tierart aus der Nähe zu sehen. Das durfte nicht passieren. Das Biosicherheits-Protokoll besagt, dass keine Besucher das Reproduktionszentrum betreten dürfen. Diese Spezies ist sehr empfindlich, was Lärm und Stress betrifft und wird, soweit wir es mitbekommen, so gut wie möglich, von menschlicher Intervention ferngehalten.

Dieses Weibchen ist nicht in Gefangenschaft geboren worden. Es kam im Januar 2006 nach Jerez, nachdem sie schwer verletzt in den Bergen der Serra Morena aufgefunden wurde. Nach der nötigen Behandlung kam sie wieder zu Kräften und bringt heute zehn Kilo auf die Waage. Bisher hat sie noch keinen Nachwuchs bekommen. Man glaubt, dass das Umfeld in dem botanischen Garten damit zusammen hängt.

Nach ihrer verspäteten Ankunft – die alle nervös werden ließ – wurde Azahar langsam in einem Gehege von etwa 1.000 Quadratmetern frei gelassen, das ihr auch einige Zufluchts- und Spielmöglichkeiten bietet. Bis Ende der Woche kommen noch vier Luchse dazu und das letzte von insgesamt 16 Tieren kommt am 1. Dezember.

Nur einige wichtige Verantwortliche der portugiesischen und spanischen Behörden waren in dem Gehege zugelassen, als der Luchs seine ersten Momente dort verbrachte. Zuvor mussten allerdings die Schuhe sterilisiert und Schutzkleidung angelegt werden, um das Tier vor einer Konterminierung zu schützen.

Aus einiger Entfernung beobachtet ein Tross Journalisten über einen Computer die Bilder von einigen Überwachungskameras, die auf dem Gelände verteilt sind.

Die Kameras sind für die Arbeit der Biologin Catarina Ferreira, 31 Jahre, unverzichtbar. Sie ist verantwortlich für die Beobachtung der Verhaltensweisen der Luchse. Azahars erste Momente waren voller Agilität, was bedeutet, dass sie in den nächsten 48 Stunden besonderer Beobachtung bedarf.

Insgesamt arbeitet hier ein junges Team von neun Spezialisten – fünf Pfleger und zwei Tierärzte, ein Verwalter und der Direktor, Rodrigo Serra, 34 Jahre, der auf Luchse spezialisiert ist und seit fünf Jahren an diesem Projekt mitarbeitet.

Bezüglich der Auswilderung sagt Tito Rosa, Vorstand des Institutes für den Schutz der Natur und Artenvielfalt (ICNB), es sei “nicht möglich, ein Datum zu nennen. Es reicht nicht aus, die Tiere einfach frei zu lassen. Die nötigen Bedingungen müssen geschaffen werden, damit sie eigenständig in der Natur überleben können, und das bedeutet sehr viel Arbeit”.

“Momentan wird vom ICNB eine Studie durchgeführt, die verschiedene Faktoren analysiert, wie das Aufkommen des Weißen Hasen, und andere Variablen, die zu einer Schlussfolgerung über geeignete Gebiete führen”, fügt Rodrigo Serra hinzu.

Es gibt vier Gebiete, in denen der Luchs wild leben könnte, die meisten befinden sich an der Grenze zu Spanien: Serra da Malcata (Beira Interior), Serra de São Mamede (Alto Alentejo, Distrikt Portalegre) und die Zone von Barrancos (Baixo Alentejo), das Tal beim Rio Guadiana und hier an der Algarve, in der Serra do Caldeirão und Serra de Monchique.

“Die wichtigste Voraussetzung ist natürlich Nahrung. Eine andere ist die Vegetation. Und letztendlich spielen menschliche Siedlungen in der Nähe der Luchse eine große Rolle, auch wenn der Luchs ein sehr scheuer Geselle ist”, sagt Tito Rosa. “Die Jäger müssen begreifen, dass der Luchs kein Konkurrent ist”, schließt er.

Aber im Voraus müssen noch einige Herausforderungen gemeistert werden. Die Beziehungen der Luchse zueinander, mit ihrer neuen Umgebung und ihren Pflegern werden noch ein bisschen Zeit brauchen. Auch die Fortpflanzung ist keine einfache Aufgabe. Es wird versucht, Paare nach genetischen Kriterien zusammenzusetzen, aber natürlich muss die Chemie der Tiere untereinander auch stimmen, sonst passiert gar nichts.

Zu unserer Zeitung sagt Rodrigo Serra, dass er am liebsten noch in diesem Jahr Nachwuchs hätte, muss aber eingestehen, dass es wohl erst im nächsten Zyklus dazu kommen wird, zwischen Januar und Juli. Die Schwangerschaft dieser Spezies dauert zwei Monate und die Kleinen sind nach sieben bis zehn Monaten alleine überlebensfähig. Sie können bis zu 16 Jahre alt werden. Im Nachbarland Spanien leben 75 Luchse in Gefangenschaft und etwa 250 in der Wildnis.

Das Repoduktionszentrum in Silves entstand übrigens, um die Umwelteingriffe durch den Bau des Stausees Odelouca zu kompensieren und wird von «Águas do Algarve» unterstützt. Es war eine Auflage der Europäischen Union, um nach dreijähriger Baupause die Arbeiten wieder aufnehmen zu dürfen. Im vergangenen Mai eingeweiht, umfasst das Zentrum 150 Hektar und verschlang Kosten von circa 11,1 Millionen Euro.

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