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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Ecoaidalgarve

Aus Solidarität aufs Zweirad

Es ist keine Sportveranstaltung, eher ein solidarischer Akt. Zwei Tage dauert der Ausflug, am 7. und 8. November, von Albufeira zum Kap São Vicente, bei dem eine Strecke von 110 km per Rad zurückgelegt wird. Das Ziel ist, einen Fond für die «Quintinha dos Animais» (Kleine Tierfarm) zu gründen - einem Reservat für ausgesetzte und misshandelte Tiere, das seit fast einem Jahrzehnt in Goldra, zwischen Faro und Loulé, besteht. In den letzten zwei Jahren hat die Krise für einen präzedenzlosen Anstieg an Tieren in dem Heim gesorgt. Die hohen Kosten bringen das Heim aber langsam an den Rand des Ruins. Es benötigt ganz dringend Unterstützung, und alle können aktiv etwas dafür tun – selbst in die Pedale treten oder als Sponsor für einen Radfahrer. Wir möchten Ihnen den Hintergrund erklären und wie Sie sich anschließen können.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 596 ( 8 Okt 2009), Ohne Kommentare »
Layla

Die Geschichte begann im Jahr 1999. Damals verkaufte Maria de Lourdes ihr Haus in Vilamoura, um ein Heim für die vielen ausgesetzten Hunde und Katzen an der Algarve zu schaffen. Es erwuchs auf einer Fläche von 3.500 Quadratmetern aus der Willenskraft einer Frau, die heute 170 Katzen und 190 Hunde und Welpen aufgenommen hat.

Seitdem ist Lourdes, heute 71 Jahre alt, eine unermüdliche Kämpferin. Sie hat abertausende kranke und vernachlässigte Tiere gerettet, die schon dem Tode geweiht waren. Sie hat alles selber aufgebaut: Die Unterkünfte, die Krankenstation, das Katzenhaus – ein Ort, voller Spielzeug, Stühle und Kuschelecken, optimal für ein Nickerchen.

Um die gesamte Anlage am Laufen zu halten, werden monatlich fast 6.000 Euro benötigt. Das Geld ist immer knapp. Maria de Lourdes verwendet ihre Rente und die ihres Mannes, die sie aus England erhalten, wo sie einige Jahre im Immobiliengeschäft tätig waren. Außerdem erhalten sie finanzielle Hilfe von einigen Privatpersonen.

“Dieses Jahr war es sehr schwierig, über die Runden zu kommen – genau wie in den Jahren zuvor. Aber nun haben wir das Problem, dass weniger Menschen mit Spenden helfen. Sie haben einfach selbst kein Geld mehr. Das spüren wir deutlich”, sagt sie.

Einige Einnahmen kommen aus den Verkäufen in Second-Hand-Läden in São Brás de Alportel und Quarteira, wo freiwillige Helfer arbeiten. «Nandi Fund» aus Lagos hilft auch, ebenso wie die «Amigos dos gatos» in Albufeira. Anderswo werden Benefizveranstaltungen, wie zum Beispiel Golfturniere, organisiert, um der «Quintinha dos Animais» finanziell unter die Arme zu greifen.

“Ich freue mich sehr über Leute, die mit neuen Ideen kommen. Ich glaube, wir alle sollten unseren vierbeinigen Freunden helfen. Täten wir es nicht, wäre die Erde ein sehr viel schlechterer Ort”.

Zurzeit verfügt das Heim über drei Mitarbeiter, die einen Lohn beziehen – zwei Vollzeitkräfte und eine mit flexiblen Arbeitszeiten. “Es ist eine Schweinearbeit”, sagt sie. Aber eine, der man sich komplett hingibt. Ständig müssen die Unterkünfte gesäubert und die Tiere gefüttert werden. Der Tag beginnt um 8:30 Uhr und endet um 17 Uhr. Lourdes ist fast immer selbst vor Ort und hat kaum Zeit für etwas anderes.

Das größte Problem ist, dass immer neue Tiere dazukommen. Jede Woche kommen mehr, aus allen erdenklichen Situationen. Von Leuten, die ihre Tiere aus finanziellen, familiären oder beruflichen Gründen nicht länger halten können, oder Dritten, die die Tiere auf der Straße finden und hoffen, dass sie dort untergebracht werden können.

“Es ist so schwer, nein zu sagen”, berichtet Lourdes. Bei ihrer Ankunft, werden alle Tiere professionell untersucht. Um Ansteckung zu vermeiden, werden kranke Tiere separat in dem kleinen isolierten Krankenbereich untergebracht. Die Ärztin, die gewöhnlich für die «Quintinha» arbeitet, nimmt nur einen symbolischen Beitrag. Trotzdem verschlingen die Kosten für die Medikamente und Behandlungen einen großen Teil des Budgets.

In diesem Jahr ist ein junge irische Ärztin nach Goldra gekommen und verbringt dort als Voluntär ihre Ferien. Eine der häufigsten Anforderungen an die Veterinärmedizinerin ist die Sterilisation der Tiere, um den Bestand kontrolliert zu halten.

Wir fragen Maria de Lourdes, ob sie glaubt, dass ihre Arbeit einen Unterschied macht? “Ich weiß es nicht. Das müssen andere entscheiden. Aber ich möchte daran glauben, dass dadurch weniger Hunde und Katzen auf den Straßen leiden”. “Ich werde bis zum Ende meiner Tage weitermachen. Ich habe bereits versucht, jemanden zu finden, der meine Arbeit fortführen könnte, aber bisher gab es niemanden, der bereit ist, diese große Verantwortung auf sich zu nehmen”, schließt sie. Es ist wirklich sehr schwer, jemanden zu finden, der dafür in Frage kommt.

Die Sorge von Colin Worswick, 43 Jahre, gilt der Suche nach Fahrradfahrern, die er für einen Ausflug auf der Via Alarviana zusammenbringen will. Er ist einer der Hauptorganisatoren der Radtour.

“Unser Ziel ist, das Interesse der Menschen zu wecken und sie zum teilnehmen zu motivieren”, berichtet er unserer Zeitung. Um die Veranstaltung zu bewerben, hat Colin mit drei Freunden eine gemeinnützige Organisation gegründet, namens «Ecoaidalgarve». Wenn die Tour ein Erfolg wird, werden sie weiterhin für Spenden für gemeinnützige Zwecke an der Algarve tätig sein.

Colin, der seit neun Jahren in Albufeira lebt, hat ein großes Herz für Tiere – er ist auch mit vielen aufgewachsen. Sein Vater hatte ein Unternehmen zur Abrichtung von Tieren für Filme und Fernsehwerbung. Die weiße Katze zum Beispiel, die auf dem Schoß von Blofeld, einem der größten Feinde des britischen Geheimagenten James Bond, gehörte seinem Vater.

Colin erklärt uns, dass es vier Möglichkeiten gibt, mitzumachen. Zum Beispiel als Sponsor. Ab 50 bis 200 Euro ist es möglich, den Namen oder das Logo seiner Firma auf die Merchandise-Artikel zu bringen (T-Shirts, Plakate, etc.). Eine andere Möglichkeit ist, die Patenschaft für einen der Radfahrer zu übernehmen. Wie? Er bekommt einen bestimmten Geldbetrag pro geradelten Kilometer – so hat dieser auch gleich einen Antrieb, bis zum Ziel durchzuhalten. Jeder Teilnehmer kann seine Freunde und Bekannte fragen, was sie bereit zu geben sind und sie in die Sponsorenliste eintragen.

Eine ganz besondere Teilnehmerin ist Layla, ein Hündin, von der Colin sagt, sie sei so gut in Form, dass sie die Radler bis zum Ziel begleiten wird. Auch sie sucht nach einem großzügigen Sponsor! Laut Colin gibt es keinen Grund, nicht teilzunehmen. Die Organisation stellt für den symbolischen Preis von 20 Euro sogar Räder zur Verfügung. Abfahrt ist am 7. November vor dem Laden «Paws for Pets» in Albufeira. Es ist nicht nötig, die ganze Strecke zu fahren. Das Einzige, was zählt, sind der gute Wille und der Wunsch, etwas zu bewegen!

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