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Und wenn der Tourismus scheitert?

Am vergangenen Montag, 21., veranlasste die Partei Bloco de Esquerda (BE) eine Diskussion über die Konsequenzen der Monokultur Tourismus an der Region. Die Debatte unter dem Motto «Durch den Tourismus sterben die Fische! Gibt es Alternativen?» konzentrierte sich auf die Dringlichkeit ein anderes Modell der wirtschaftlichen Entwicklung zu suchen, das die direkte Schaffung von Arbeitsplätzen sichert und dabei den natürlichen Reichtum der Algarve wertschätzt. An der Diskussion waren Cecília Honório, führende Kandidatin der linksgerichteten Partei BE bei den anstehenden Wahlen, Isabel Paes, Fernando Canteiro, José Chumbinho und Fernando Silva Grade, vom Umweltverein «Almargem» beteiligt.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 594 (24 Sep 2009), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Es war keine große Versammlung, nur ein Treffen einiger Leute mit Initiativen und unterschiedlichen Lebenserfahrungen, die auf gewisse Weise die aktuelle wirtschaftliche Lage in der Region widerspiegeln. Es wurde über Bürokratie, Korruption, Erfahrungen und ein standardisiertes Europa, das die Traditionen außer Acht lässt, sowie die Schwierigkeiten in fast allen wirtschaftlichen Bereichen Projekte umzusetzen, gesprochen.

Die Diskussion begann mit Optimismus. Fernando Canteiro, der seit 20 Jahren Projekte auf dem Sektor Sport und Naturtourismus verwirklicht, erklärt, dass der Tourismus im Besonderen und das Land im Allgemeinen davon profitieren würde, wenn speziell diese Region häufiger in die Pedale treten würde. Der Beweis ist der Erfolg seiner Firma, die begann, eine winzige Nische zu besetzen und heute selbsttragend ist.

Für den Betreiber der Firma «Megasport» ist die Algarve eine der interessantesten Regionen für den Naturtourismus in ganz Europa, da trotz dass sie recht klein ist, die Szenarien und Lebensräume so unterschiedlich sind.

Trotzdem, und so berichtet eine junge Portugiesin, die die letzen 17 Jahren in Deutschland gelebt hat, ist die Sichtweise des Normalbürgers eine ganz andere. “Ich war naiv, mein Fahrrad mit hierher zu bringen”, sagt sie. Die Benutzung des Zweirades ist nämlich weiterhin, in jeder Stadt der Algarve, eine geradezu selbstmörderische Idee. Canteiro meint, die blauen Streifen, die unlängst auf den Asphalt der gefährlichen und viel befahrenen Straßen gemalt wurden “sind immerhin ein Anfang”.

Fernando Silva Grade vom Verein «Almargem», der über die visuellen Aspekte der urbanen bis zur provinziellen Landschaft einer Region, die Touristen anlocken muss, um zu überleben, dissertiert hat, war weniger optimistisch. “Mir scheint es, dass immer noch nicht begriffen wurde, wie ernst die Situation ist. Aber man muss sich doch nur umschauen. Es herrscht Abnormalität, absolute Inkompetenz, überall etwas der Eindruck von Dritter Welt”, sagt er.

“Das ist die Algarve von heute”. Warum? “Jemand, der zukunftsorientierte, angemessene und in die alte Kultur der Algarve integrierte Situationen schaffen will, stehen tausende von Hindernisse im Weg. Jemand, der aber einen Wolkenkratzer auf einer Klippe oder an der Küste bauen will, hat nicht mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen”. “Die Abgeordneten der Algarve sind die Spitzenreiter in der Politik der Zerstörung ihres Landes”, erinnert er.

Bei Diskussionen über Alternativen zum Tourismus bringen die Politiker seit 30 Jahren Ackerbau und Viehzucht aufs Tapet. José Chumbinho, vom Imkerverein der Algarve, beklagt den Todeskampf der primären Sektoren der Region aufgrund der Auflagen der Europäischen Union und der fortlaufenden Inkompetenz der Regierung.

Er gab als Beispiel die Honigproduzenten an. Sie dürfen laut Gesetz nicht mehr als 500 Liter Honig im Jahr verkaufen. Ansonsten müssen sie sich industrialisieren. Das bedeutet das Ende für ein traditionelles Handwerk, aus dem ein qualitativ wertvolles Produkt hervorgeht. Ebenso eliminiert es die Nebenprodukte aus den Bienenkörben, wie Honig-Essig oder Honigschnaps.

Das kommt wegen der ganzen gesetzlichen Hindernisse, die es zu überwinden gilt, und selbst dann fehlt es an Infrastrukturen zur Unterstützung der Produktion, wie Labore und Vertriebslogistik. Die fehlende Weitsicht hat viele Landwirte in den Ruin getrieben, wie auch Carlos Brito, einst Straußenzüchter, dessen Projekt ebenfalls dank der EU gescheitert ist.

Chumbinho bedauerte zudem die miserablen Konditionen derjenigen, die im Hinterland und in den Bergen der Algarve leben und völlig vernachlässigt wurden. Dort gibt es Dörfer, die seit Jahrzehnten nicht bewohnt sind.

Und während das Inland zerfällt, “steckt der Staat drei Millionen Euro in die Marke «Allgarve»”, sagt Patricio Serendero, der für ein touristisches Modell, wie es in Lateinamerika (Kuba, Dominikanische Republik, etc) und Asien existiert, einsteht.

Die allgemeine Auffassung, die bei der Diskussion blieb, ist, dass das heutige Portugal “ein Land mit abstrusen Gesetzen ist, die produktive Aktivitäten behindern”. Und dass sich öffentliche Dienstleistungen als “unbrauchbar” und “schädlich” für kleine Initiativen und Unternehmer erweisen.

Ein sachbezogenes Beispiel präsentierte Isabel Paes, die 1990 die Idee hatte, ein monumentales Gebäude aus dem 17. Jahrhundert in Tavira als Unterkunft für Touristen wieder aufzubauen. Sie eröffnete nach vier Jahren, nach einem langen Kampf mit der Bürokratie. Und dann stand Paes vor dem Problem der lokalen Korruption. Erstaunt, dass sie keine Gäste hatte, ging sie zur Touristeninformation, um herauszufinden, warum die Touristen nicht über ihr Haus informiert wurden. Der Angestellte antwortete, dass er dafür nicht genug Geld erhielte. Auch von Taxifahrern wurde sie gefragt, was sie dafür zahlen würde, wenn sie ihr die Touristen direkt vom Flughafen vor ihre Tür bringen würden. Paes publizierte in einer regionalen Zeitung, dass sie niemandem Kommission zahlen würde – sehr zum Missfallen der Stadt. Leider blieben all ihre Versuche vergebens. Durch die Globalisierung des Tourismus, der Krise und der Konkurrenz war ihr Geschäft nur bis 2002 tragfähig. Heute stirbt es einfach.

Abschließend betonte Cecília Honório, führende Kandidatin der BE für die kommenden Wahlen, die Notwendigkeit “eines seriösen und stabilen Einsatzes für eine wirtschaftliche Vielfalt” und dass das Modell “Raubtier für einen schnellen Profit, ein enormes Ungleichgewicht und die Verschwendung des Wohlstandes der Region verursacht”.

“Wie kann sich das ändern? Ein Weg ist sicherlich die Beziehung zwischen der Universität und den sozialen und wirtschaftlichen Strukturen. Ein anderer ist eine große Schlacht, die beinhaltet, die Gesetzgebung zu ändern, die die Algarve als Geisel von Immobilienspekulationen und der finanziellen Macht von Bauprojekten hält”, gibt sie zu bedenken.

Für die Kandidatin “existieren Gesetze, die schnell geändert werden müssen, bevor die Algarve dicht macht. Wir müssen die Gesetze zu Gunsten der lokalen Produzenten ändern. Die Gesetzgebung für die Projekte von nationalem Interesse (PIN) müssen sich ändern, damit die Bezeichnung PIN nicht missbraucht werden kann, um Regelungen zu umgehen”, schließt sie und bestärkt ihre Absicht, diese Themen dem Parlament vorzulegen.

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