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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Castro Marim auf dem Tisch

Es wartet eine einmalige Aussicht auf diejenigen, die sich auf die Hügel von Revelim de Santo António begeben, gleich neben der Burg von Castro Marim. Dort hat man einen 360 Grad Panoramablick – der Rio Guadiana, die Grenze, das Gebirge und das Meer. In der ehemaligen Militärfestung wurde am Samstag, 15. August, eine Anlage mit Spitzentechnologie eröffnet. Es handelt sich um das neue „Centro de Interpretação da Paisagem“ (CIP). Kein Museum, sondern eine virtuelle Aussichtsplattform, die verspricht, das Interesse der Touristen, Besucher und Schüler auf sich zu ziehen. Hier erfahren Sie warum…
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 589 (20 Aug 2009), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Auf den ersten Blick erscheint es wie ein großes Bild, mit seinen 2 x 2,65 Metern. Aber es ist eine dreidimensionale Landkarte des Landkreises Castro Marim, im Maßstab 1:10.000. Derzeit die größte, die in Portugal existiert. Es scheint, man könne den gesamten Landkreis überschauen.

Das Projekt wurde von Carlos Coucelo entwickelt, einem Spezialisten in der Geomatik (Wissenschaft, die sich mit der Anwendung der Informatik in der Geografie beschäftigt), als Folge anderer, ähnlicher Ausstattungen im Norden des Landes. Aber die Besonderheit ist die angewandte Technik.

“Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ein ähnliches Modell für die Serra da Estrela zu machen, in dem kleine LEDs die interessanten Punkte für Besucher markieren sollen. Ich fand aber, dass Löcher für die Kabel in so einem teuren und detaillierten Modell ziemlich zerstörerisch wären”, berichtet er uns.

“Deshalb dachte ich darüber nach, etwas dynamisches zu entwickeln, mit dem man noch mehr anfangen könnte”. Der ausgebildete Maschinenbauingenieur hatte die Idee, Videoprojektoren, die man leicht erwerben kann, aufzustellen, mit einer metallenen Struktur über dem Modell zu versehen, so dass diverse geografische Informationen in Realzeit projiziert werden können (interessante Punkte, Orte, Wege, etc.).

Das scheint einfach zu sein. Man darf aber nicht vergessen, dass alleine das Modell dermaßen komplex ist, dass es in den Vereinigten Staaten von einer Fachfirma hergestellt werden musste.

Anfangs, um das Gebiet Castro Marim akribisch zu reproduzieren, begann Coucelo, seine Arbeit mit den Informationen des geografischen Institutes des portugiesischen Militärs (IGE). Dann musste er, auf Grund einiger Lücken, diese Daten mit denen kombinieren, die sich das “digitale Modell des Geländes” nennen, dem letzten Schrei in der digitalen Kartierung, der als «Intermap Technologies» verkauft wird.

Es mutet ein wenig seltsam an, dass eine nordamerikanische Firma mit Sitz in Denver, Colorado, jedes Detail der Algarve kennt.

Aber die Firma verkauft solche Aufmaßdaten an Regierungsagenturen in der ganzen Welt. Sie kennt das Terrain ganz Europas im Detail, da sie es mit höchst präzisen Lasern aufgenommen hat.

Das System wird auf recht simple Art gesteuert. Über ein Laptop mit Touchscreen wählt Coucelo in Realzeit die Informationen aus, die auf dem Modell erscheinen sollen.

Eine Berührung reicht und plötzlich leuchten Wasserläufe, Straßen und Wege auf, archäologische Orte oder einfach nur die verschiedenen, im Landkreis verstreuten Dörfer.

Es ist auch möglich, die unterschiedlichen Höhenlagen zu erkennen, die durch verschiedene Farben dargestellt sind, statistische Daten anzuzeigen oder die Bereiche des Landkreises mit erhöhter Brandgefahr. Um ein Beispiel zu geben projiziert Coucelo die Gebiete auf das Modell, die bei den großen Waldbränden 2004 abgebrannt sind.

Und wie sieht nun ein normaler Besuch hier aus? Am Eingang – der Eintritt ist frei – erhalten die Besucher eine Art Radio mit Kopfhörern, womit sie die Präsentation eines Films, der auf vier Monitoren ausgestrahlt wird, verfolgen können.

Momentan werden die Informationen in Portugiesisch, Spanisch und Englisch, bald auch auf Französisch angeboten. Zwanzig Minuten lang zeigt der Film Bilder von Orten und der Landschaft des Landkreises, deren Lage man gleichzeitig auf dem Modell sehen kann.

“Die Idee war, den Besuchern zu zeigen, was Castro Marim zu bieten hat. Wir hoffen auch, dass sich die Touristen dadurch eingeladen fühlen, die Stadt zu verlassen und Ausflüge in Richtung Meer, Marsch oder Salinen zu unternehmen. Damit sie die Dörfer besichtigen und in Kontakt mit den Menschen treten”, erklärt Conceição Amaral, Verfasser des „Plano de Gestão e Valorização do Património“ für den Landkreis Castro Marim, der im Juli vorgestellt wurde. Außerdem hofft man, dass das CIP dazu beiträgt, die Isolation der älteren Bevölkerung im Gebirge zu schmälern.

Des Weiteren dachte man mit dem CIP auch an die öffentlichen Schulen. Jeder Lehrer mit Grundkenntnissen in der Informatik kann hier ganz einfach Unterricht erteilen. Vielleicht widmete der Bürgermeister José Estevens die Eröffnung deshalb seinem ersten Erdkundelehrer, Pereira de Campos…

“Es ist auch eine wichtige Grundlage für Arbeiten, ein Instrument für die Planung und Raumordnung des Gebiets. Es hat ein enormes Potential und wird uns sehr bei Instandsetzungsarbeiten von Straßen, Wegen und der Forstplanung helfen”, erwägt der Bürgermeister.

Bezüglich der Zukunft, profitierte Estevens von der Gelegenheit, an den Beginn der Arbeiten zu erinnern, die demnächst die abgelegenen Orte des Kreises mit Frisch- und Abwasser versorgt werden.

Hinsichtlich des Erbes kündigt der Bürgermeister den Kauf eines “der wichtigsten Industriekomplexe des letzten Jahrhunderts“ an. Die Schindel-, Keramik- und Kalköfen von António Lourenço Correia. Wir möchten diesen Ort bewahren und das Wissen und die Traditionen nicht verlieren. Wir möchten auch mit Hilfe dieser Mittel einige der alten Häuser im historischen Zentrum erhalten”, schließt er.

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