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Den Himmel erobern

Die Sonne scheint, die Temperatur ist angenehm. Es ist ein ruhiger Sonntag. Wir befinden uns in der Nähe des Bahnhofs von Loulé. Das ist der Treffpunkt mit José Rosado, 46 Jahre jung, Ausbilder und Pilot der Klasse 4 (Erlaubnis FAI-PRT71469), der uns wörtlich zum Himmel führen wird. Hier in der Nähe ist der Serro de Cabeça de Câmara, der mit seinen 220 Metern Höhe einen idealen Ausgangspunkt für das Motorgleiten bietet. Ein mit Rucksäcken, Piloten und Flugausrüstung voll bepacktes Allradfahrzeug bringt uns zum Abflugplatz. Auf dem Weg gibt es jede Menge Staub und Schlaglöcher, und einen Reporter mit Schmetterlingen im Bauch. Nur Herr Rosado ist ruhig. „Diese Sportart ist sehr vielseitig, denn wenn die Bedingungen für freien Flug nicht gegeben sind, können wir immer noch mit Hilfe eines kleinen Motors fliegen, den wir auf dem Rücken tragen“, sagt er. „Mir persönlich gefällt der freie Flug am Besten, er ist eine permanente Herausforderung. Alle Sinne sind in ständiger Alarmbereitschaft“.
Während wir den Hügel hinauf fahren, erläutert der Lehrer die Wichtigkeit des Lernens. „Diesen Sport gibt es seit 1980, aber erst in den letzten fünf Jahren wurden die Schirme richtig weiter entwickelt. Als ich damit anfing, gab es noch keine Ausbildungsstätte, und so begann ich auf die denkbar schlechteste Weise. Ich hatte einen Unfall, der mir eine Auszeit von sechs Monaten bescherte. Zwei Wirbel waren gebrochen. Daran können Sie die Wichtigkeit der Ausbildung sehen“. Ein Risiko besteht, aber das Gefühl des Fliegens ist einfach wichtiger.
Gemäß portugiesischer Gesetzgebung braucht man zum Fliegen eines Motorgleiters eine Erlaubnis.
Diese wird von der Federação Portuguesa de Voo Livre (FPVL) von mehreren Schulen im ganzen Land ausgestellt. Die Ausbildung ist in fünf Abschnitte unterteilt. Jeder der älter als 16 Jahre ist und genug Mut hat (und ein bischen gesunde Verrücktheit) kann sich einschreiben. Nach den ersten drei Ausbildungsabschnitten ist der Pilot befähigt, den Motorgleiter selbstständig zu fliegen. Die übrigen Ausbildungsteile kann man als Vervollkommnung betrachten. Der Kurs muß nach der Anmeldung vom zukünftigen Piloten innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. „Es gibt Schüler, die bereits nach vier Monaten ein gutes Niveau erreichen. Bei diesem Sport lernt man ständig was dazu“, sagt er. Und was betrachtet er als gutes Niveau? „Eine korrekte Deutung der atmosphärischen Bedingungen machen zu können. Die Luft ist ein Medium, das wir nicht sehen können, also müssen wir es verstehen, es zu interpretieren. Da gibt es verschiedene Zeichen, wie z.B. die Art, wie sich der Pflanzenbewuchs bewegt, die Richtung und Geschwindigkeit des Windes oder die Bildung von Wolken. Die Meteorologie ist die Grundlage des freien Fluges“. Jeder Pilot hat ein Buch, in dem er die gemachten Flüge festhält. Der Preis der Ausbildung schwankt zwischen 500 und 1.000 Euro. Die Ausrüstung ist ebenfalls kostspielig und dann ist da noch die Instandhaltung.
Auf dem Berg angekommen mißt Herr Rosado die Stärke des Winds, der mit 30 km/h bläst. Ich frage ihn, an welchen anderen Stellen der Algarve man noch fliegen könne? „Wenn der Wind aus Nordosten kommt, fliegen wir bei Benafatima in São Marcos da Serra, wenn er aus Nordwesten kommt, starten wir vom Foia bei Monchique, bei Südwind können wir hier in Loulé, am Rocha da Pena in São Brás de Alportel oder am Picota in Monchique fliegen ”.
Unterdessen setzen mehrere Piloten ihre Sturzhelme auf. Sie straffen den Schirm und rennen, um die Schwerkraft zu besiegen. Fast alle haben ein Funksprechgerät zur Verständigung, GPS und das lebenswichtige Variometer, das den atmosphärischen Druck mißt und dem Piloten anzeigt, ob er steigt oder sinkt. Es ist auch dafür da, die thermischen Strömungen anzuzeigen, die die Basis dieser Flugart bilden.
Als wir dran sind, zeigt mir Herr Rosado den Sitz, eine Art gepolsterten Stuhl. Er ist komfortabel und hat für den Rücken einen seitlichen Schutz für den Fall eines Falles oder einer gewaltsamen Landung. Das Abheben ist ein sensibler Moment, aber der Pilot kann es unterbrechen, falls ein Problem auftaucht. Bei diesem Jungfernflug werden wir für eine Viertelstunde bis in eine Maximalhöhe von 500 Metern fliegen. Mehrere Piloten füllen den Himmel mit einem bunten Regenbogen an Schirmen. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Der Frieden beim Fliegen harmoniert mit dem Blau des Meeres am Horizont. Oberhalb und unterhalb sind Schirme anderer Motorgleiter in graziösen Bewegungen zu sehen. Hinter mir konzentriert sich Herr Rosado mit ganzer Aufmerksamkeit auf die Dynamik des Fluges. Wir steigen und fallen mit den thermischen Strömungen, die er in Übereinstimmung mit den hörbaren Anzeigen des Variometers zu meistern sucht. Bevor er die Landung angeht, entschließt sich der Pilot, noch ein Paar wagemutige Manöver durchzuführen. Er fliegt ein Paar Spiralen, was die Geschwindigkeit und den Adrenalinspiegel erhöht. Normalerweise fliegt man mit 20 bis 70 Stundenkilometern. Sanft nähern wir uns der Erde zur Landung. Wenn Sie es ausprobieren wollen: ein derartiger Flug kostet etwa 60 Euro. Der Preis kann runtergehen, wenn Sie noch ein Paar Freunde dazu begeistern können. Wurde der Mensch also doch auch zum Fliegen geschaffen....








