| Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen. | Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar. |
Ferox
Surfen in São Brás

Man muß kein Liebhaber des Surfens sein oder in der Materie besonders bewandert sein, um zu verstehen, dass dieser Sport eine eigene Welt mit einer optischen Verständigungsart ist, die durch Kleidungsstücke und einen ganz besonderen Verhaltenskodex geprägt ist. Es ist eine Welt, die den Einflüssen der Mode, des Designs und der Musik unterworfen ist.
In dieser Welt ist das Surfboard ein Kultbild und die Seele der Sportart. Der Kunst, diese Objekte handwerklich herzustellen, gibt man den Namen „shapear“ (eine Sprachneuschöpfung, die vom englischen Verb „to shape“ abgeleitet wurde, das soviel bedeutet wie „Form geben“). São Brás de Alportel ist die Heimat des Korks, aber Lourenço arbeitet seit zehn Jahren lieber mit Harzen und anderen hochtechnischen Materialien.
Seine Karriere begann in den Jahren, in denen er als Rettungsschwimmer an den Stränden von Cabanas de Tavira arbeitete. Als eines Tages das Meer besonders aufgewühlt war, machte er „die Erfahrung der Geschwindigkeit auf einem Surfboard und war seither geimpft“, erinnert er sich. Später, am Ende seines Universitätsstudiums in Caldas da Rainha, stellte er dann seine eigenen Surfboards als Kunstprojekt vor.
Diese Objekte anzufertigen, ist ein heikler und komplexer Prozeß. Es gibt keine Ausbildung, in der man die Technik lernen könnte, deshalb ist das autodidaktische Lernen sehr wichtig. Ein Weg, den Lourenço mit Ausdauer bewältigte. Motiviert einerseits durch den Wunsch, seine künstlerischen Modelle zu fertigen, und andererseits durch den Wunsch, den Surfern maßgeschneiderte Surfbretter zu liefern, hat er in den letzten zwei Jahren beschlossen, seine eigene Marke zu entwickeln.
Diese nennt sich „Ferox“, und der Name und das Logo wurde von einer Art Hai der portugiesischen Küste inspiriert.
In seiner Werkstatt hat er drei „shape“-Räume. Hier nehmen die Heiligtümer Form an. Hier fertigt er die Rohform an, macht das finish und malt mit Airbrush das Bild.
Eine Besonderheit dabei ist, dass das metrische System hier nicht angewendet wird. Alle Berechnungen werden in Zoll ausgeführt und unterliegen den amerikanischen Regeln. Die benutzten Werkzeuge wie Hobel, Meßstab, Winkel und Schleifmaschine sind aus den Vereinigten Staaten importiert. Aber „das wichtigste sind die Hände. Jeder shaper hat seine eigenen Charakteristika“, erläutert er.
So unglaublich es zu sein scheint, aber das Marketing bestand lediglich aus Mund-zu-Mund Propaganda. Lourenço ist bei Surfern beider Geschlechter, aller Nationalitäten und jeden Alters begehrt. Einige wollen ihm nur bei der Arbeit zusehen und kommen aus Neugierde, andere bringen gleich eine Idee für ihr Kultobjekt mit. Es gab sogar einen Kunden, der ein Surfboard nur zu Dekorationszwecken für sein Haus bestellte. Diese künstlerische Seite ist die hauptsächliche Besonderheit der Marke.
Insgesamt hat Lourenço schon etwa eintausend Surfboards angefertigt. Normalerweise produziert er nie mehr als zehn im Monat, um die Qualitätsstandards einhalten zu können.
Die günstigsten Modelle kosten zwischen 275 und 300 Euro. Ausgefeiltere Modelle jedoch klettern leicht auf über 1.000 Euro. Im Gegensatz zu den großen Fabriken, in denen der Produktionsprozeß auf mehrere Leute aufgeteilt wird, werden hier alle Surfboards von Lourenço selbst hergestellt. „Die Kunden sehen und begleiten die Herstellung sehr gerne. Sie wollen die Entwicklung des Boards sehen, und viele machen Fotos. Das stört mich nicht. Es ist ein Mehrwert, denn meine Idee ist, dass die Leute die Möglichkeit haben sollen, den ganzen Prozeß begleiten zu können“, sagt er.
Außer Produktionsstätte ist die Fabrik auch Treffpunkt für Freunde, Kunden und Liebhaber des Surfens. „Im Fernsehen werden fast ständig Surfvideos gebracht“, sagt er.
Überall stehen Surfboards. An einer Wand sieht man ein Longboard für zwei Personen, wahrscheinlich das einzige an der Algarve. Andere warten in dem Raum, den er den „Raum der schlechten Gerüche“ nennt, darauf, poliert, beschichtet und lackiert zu werden. Er macht am liebsten die klassischen Boards, die wenige shaper zustande bringen. „Sie brauchen ihre Zeit und ihren Rhythmus, sie sind erlesener und haben eine andersartige Schichtung“.
In der portugiesischen Surfwelt gibt es viele Garagen-shaper. Nur acht Professionelle zählt Lourenço auf, von denen die meisten bei Peniche arbeiten. Wenn er näher am Meer wäre, hätte er sicher geschäftliche Vorteile und seine Arbeit würde mehr Anerkennung erfahren. Es ist für ihn schwierig, sich durchzusetzen, da die Leute eine große Affinität für andere auf dem Markt befindliche Marken haben.
„Es sollte Grund zum Stolz für alle sein, dass es eine Produktionsstätte für Surfboards an der Algarve gibt“, sagt er.
Heutzutage sponsort die Marke bereits junge Surftalente bei nationalen und internationalen Meisterschaften, und parallel dazu werden Surfboards gebaut. In Kürze wird es eine website geben, die den ganzen Unterschied aufzeigen wird. Auf und außerhalb der Wellen...








