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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Projektes Madrugada

Ein wackerer Neuanfang

Madrugada – ein klangvolles Wort, das den Moment beschreibt, just bevor die Sonne aufgeht: ein Neuanfang, eine leere Leinwand, auf der alles möglich ist. Diesen Namen hat sich das bahnbrechende multi-kulturelle Projekt ausgewählt, das entstanden ist, um all denjenigen an der Algarve zur Seite zu stehen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden. Die Idee ist, diese Leute und ihre Familien zu unterstützen, ihnen zu helfen, so gut wie möglich diese schwierige Zeit durchzustehen. Der erste Teil der Phase eins hat letzte Woche in Praia da Luz, bei Lagos, begonnen. Wir haben mit zwei der Gründer des Projektes Madrugada gesprochen und die äußerst menschlichen Hintergründe für diese ambitionierte, nicht profitorientierte Initiative erfahren.
Natasha Donn, 10 Jun 2009 02:00, Ohne Kommentare »
Natasha Donn
António José Marcela & Alison Blair

“Alles begann mit einer lieben Dame namens Mo,” erklärt der progressive Psychologe Alison Blair. “Sie litt an einer schlimmen Krebserkrankung, und ich habe ihr auf emotionaler Ebene geholfen, damit zurechtzukommen. Dabei ist mir klar geworden, wie schwierig es für Menschen mit schweren Krankheiten ist. Es steht ihnen recht wenig Information zur Verfügung - zu wenig Hilfe in allen Bereichen. Menschen, denen eine schwere Krankheit diagnostiziert wird, stehen oftmals unter Schock. Sie können damit nicht ganz allein fertig werden. Sie wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Gibt es Alternativen zu den begleitenden Serviceleistungen, die Krankenhaus oder Staat bieten? Es kann eine sehr traumatisierende Zeit sein. Und, wie bei diesem speziellen Fall, als Mo mitgeteilt wurde, dass nichts mehr für sie getan werden konnte, fiel mir auf, dass an der Algarve ein Hospitz fehlt - eine Zufluchtsstätte für Menschen im letzten Stadium ihrer Erkrankung, wo sie würdevoll umsorgt werden, zusammen mit ihren Familien – oder auch mit ihren Tieren, wenn sie diese an ihrer Seite wünschen.”

António José Marcela, Geschäftsmann aus Lagos, war Mos Arbeitgeber und Freund. Sein Bezug verstärkte sich durch zwei seiner Onkel, die an einer aggressiven Form des Krebses litten. Einer befindet sich in seiner letzten Lebensphase zu Hause. Im Laufe seiner Krankheit wurden seine Kieferknochen zerfressen. Vom Staat aber erhält er lediglich Schmerzmittel.

“Es ist furchtbar,” sagt António José. “Als es begann, fuhren wir mit ihm nach Lissabon, um ihn dort behandeln zu lassen – zu der Zeit war es nur ein Fleck an seinem Kinn. Es wurden nach und nach sämtliche Tests durchgeführt, drei Monate strichen ins Land, dann wurde uns mitgeteilt, dass man nichts tun könne. Ich war so frustriert. Ich wollte mehr über das, was passiert, erfahren, darüber, was wir tun können, aber die Ärzte hatten scheinbar nie Zeit für uns. Am Ende habe ich einiges über das Internet in Erfahrung gebracht – trotzdem, mein Onkel ist bei mir zu Hause, er ist so krank, wiegt unter 40 Kilo, kann nicht sprechen... Es ist eine hoffnungslose Situation.”

Als Mo dann letzten November starb, hat António José Marcela gemeinsam mit einigen anderen Freunden den Verein Madrugada ins Leben gerufen – angetrieben von Alison Blairs Idee zu einem gemeinnützigen Hospiz. Im Februar diesen Jahres wurde das Manifest erstellt, ein Entwurf für ihr Projekt in zwei Phasen - bereits mit sämtlichem Personal, das bereit ist, seine Fachkenntnis kostenlos zur Verfügung zu stellen.

“Es geht alles so schnell!” Marcela lächelt. “Das ist ein gutes Zeichen. Wir befinden uns im Prozess, einen gemeinnützigen Status als IPSS (Instituto Particular de Solidariedade Social) anerkannt zu bekommen, und schon einen Tag, nachdem ich die Papiere eingereicht hatte, erhielt ich einen Anruf von der Wohlfahrt, um mir zu sagen, “das ist eine wunderbare Idee, viel Glück”.

“Als die Idee bekannter wurde, haben uns sogar Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen ihre Dienste angeboten. Wir haben bereits zwei lokale Spezialisten für die palliative Pflege - und einen weiteren aus Lissabon an Bord, dazu eine Schwester aus der Onkologie und einen hochqualifizierten Pfleger,” führt Marcela aus. “Es ist sehr aufregend – hier vermischen sich Kulturen. Dieser Ort ist für jeden - nicht nur eine Sprache, nicht nur eine Mentalität. Wir müssen das hinbekommen.”

In allerlei Geschäften erfahren, ist sich Marcela des ganzen Umfangs an benötigten Fachkräften bewusst, um die bürokratischen Hürden zu nehmen. “Wir suchen immer noch nach Leuten, die für uns das sogenannte “Conselho Fiscal” erledigen. Ich schätze, wir brauchen Hilfe von einem Finanzleiter einer portugiesischen Firma.”

Als aufgeweckte, an die Kraft der positiven Vergegenwärtigung Glaubende, ist Alison Blair mehr als zuversichtlich, dass sie diese Hilfe bekommen.

Ein anderer Schlüssel zur Verwirklichung dieser Idee ist Land - das kostenlos überlassen werden muss. “Möglichst einen Hektar - irgendwo, schön und friedlich, aber mit guter Zufahrt”, sagt sie.

Dem Verein wurde bereits die Nutzung eines Gebäudes in Praia da Luz gewährt, komplett kostenfrei, von wo sie ihre Verwaltungsangelegenheiten erledigen - und wo sie ihren Wohltätigkeitsladen letzten Samstag eröffnet haben. Dort wollen sie Geld sammeln, um in Zukunft ein Beratungszentrum zu gründen.

“Dies ist nur der erste Schritt auf einer langen Reise,” erklärt Alison. “Sobald wir ein Etat haben, können wir damit beginnen, Dienstleistungen anzubieten: Pflegeheim, diätische und ergänzende Beratung, Seelsorge, etc. Wir sprechen von einem absoluten Neuanfang für die Leute – wir beginnen hier einen ganz neuen Tag!”

Für mehr Informationen zu dieser Initiative offen “für jedermann sei”, besuchen Sie die Internetseite von Madrugada: www.madrugada-portugal.com, schicken Sie eine E-Mail an Email oder rufen Sie an: 964951570.

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