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Ausgabe 729
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Picture Portugal Portimão

Ambition und Fiktion

Portimão ähnelt immer mehr Hollywood. Der neueste Größenwahn, der am Horizont des Landkreises erscheint, ist ein ultramoderner Kino-Studio-Komplex, der neben dem Autodrom entstehen soll. Zusätzlich ist ein neuer thematischer Unterhaltungspark geplant, ein neues Kinofestival, neue Land- und Luftverkehrsverbindungen und Hotelprojekte, die nur einer Elite dienen sollen. Das Konsortium «Picture Portugal» wurde am Samstag, dem 23. in Portimão vom Schauspieler Joaquim de Almeida und dem Bürgermeister Manuel da Luz vorgestellt. Einige Tage vorher wurde das Projekt Produzenten, Regisseuren und Unternehmern in Cannes präsentiert.
Bruno Filipe Pires, 28 Mai 2009 02:00, Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Ein weiteres Millionengeschäft, welches laut Manuel da Luz „trotz all des negativen Geredes und Gefasels“ topaktuell ist. Laut dem begeisterten Bürgermeister, ist das Hauptziel des Projektes «Picture Portugal Portimão» der Bau „eines mustergültigen, virtuosen Mediageländes“ für die Produktion von Filmen, Videospielen, audiovisuellen und Multimedia Beiträgen.

„Mir war seit jeher klar, dass eine wettbewerbsfähige Stadt bereit sein muss, Herausforderungen anzunehmen. Um die Fähigkeit der Weiterentwicklung zu fördern und einfachere, leichtere Bedingungen für Projekte zu schaffen, muss man ehrgeizig und unbeirrbar zielstrebig sein“, erklärt Manuel da Luz.

Das eigentliche Kernprojekt umfasst die Errichtung von elf state-of-the-art Studios auf 80 Hektar Land, welches von der Stadt zur Verfügung gestellt wird. Zwei dieser Studios sollen bereits Ende 2010 fertiggestellt und funktionsbereit sein.

In der ersten Phase sollen die Gebäude für die Audio- und Videoproduktion gebaut werden, sowie ein Gebiet mit Außenkulissen und ein «Wassertank» - das heißt ein Pool für Wasser- und Unterwasseraufnahmen - alles, zweifelsohne, in großartigen und ehrgeizigen Dimensionen. Genau so plant es der Bürgermeister -„Größeres und besseres wird es in der ganzen Welt nicht geben“, lässt Manuel da Luz verlauten.

Die Initianten des Projektes - private Investoren, einschließlich Parkalgar - planen weiterhin einen Fond zur Finanzierung der cinematographischen Produktionen, die über ganz Portugal verstreut werden sollen - 180 Millionen Euros, die innerhalb von zwei Jahren investiert werden. Derzeit laufen in Portimão Verhandlungen für die Produktion von zwei Filmen mit einem Budget von 30 Millionen Euros, d.h. mit anderen Worten Arbeit für 600 Personen während 12 Monaten.

Eine weitere Neuigkeit in Portimão stellt die Realisierung eines aktuellen, groß angelegten Filmfestivals ab dem Jahr 2011 dar, mit Ausstellungen mitten an der Praia da Rocha. Gemäß Joaquim de Almeida „wird es neuen Filmemachern gewidmet sein und fünf Tage dauern“. «Picture Portugal» lockt Filmemacher mit den Argumenten „viele Stunden Sonnenlicht“ und „vorteilhafte Lichtverhältnisse“ an. Das neue Festival verleiht in der Kategorie Kameramann einen Sonderpreis. „Ich denke, dass es ebenso gut oder sogar besser sein wird als «Fantasporto», welches bis jetzt das beste Filmfestival in Portugal ist“, fügt er hinzu.

Im letzten Januar sicherten sie sich die Finanzhilfe zum Bau der Studios über PROVERE (Programa de Valorização Económica dos Recursos Endógenos - Programm zur wirtschaftlichen Wertsteigerung der endogenen Ressourcen). Gleichzeitig wird auch ein Vergnügungspark erstellt, der thematisch mit der Filmwelt, der Welt des Motorsportes und den audiovisuellen Medien verbunden ist. Die Kosten dieses sogenannten «Mediaparkes» belaufen sich auf 550 Millionen Euro.

Mit den nordamerikanischen Universal Studios, die schon ähnliche Freizeitparks in den USA und Japan unterhalten, wird zurzeit über Infrastrukturen auf rund 150 Hektar verhandelt.

Weiterhin arbeitet der Bürgermeister von Portimão mit Hilfe des Unternehmens «Portimão Turis» und der «Algarve Film Commission» eine Zusammenarbeit mit CBS aus.

Für den 15. Juni ist eine entscheidende Sitzung in Los Angeles, Kalifornien, geplant. Gemäß dem Schauspieler Joaquim de Almeida ist es von großer Bedeutung, den amerikanischen Fernsehkanal für die Produktion der neuen Serie/Trilogie in die Studios nach Portimão zu locken.

Aber im Augenblick genügt es, die Skeptiker mit der Anwesenheit von Lynn Fero, der Vizepräsidentin des CBS Fernseh-Networks, in Portimão zu überzeugen.

„Ich arbeite bereits seit 27 Jahren in Film- und Fernsehgeschäft in den USA. Portimão und Portugal besitzen ein riesiges Potential und lässt sich leicht in das Hollywood der neuen Generation verwandeln. Der Grund? Das Land ist eine wahre Schatztruhe in Form von Kulissen und Szenarios“, bestätigt sie.

Die Vorsitzende ließ jedoch offen, ob das Argument, mit diesem Projekt Geld einzusparen, stark genug ist.

„Aufgrund der Wirtschaftskrise ist es vorderhand sehr wichtig, den Dollar zu strecken. Portugal scheint mir kostengünstig zu sein, billiger als London und die Bewohner sprechen ebenfalls Englisch. All dies sind wichtige Entscheidungsfaktoren“, sagt sie. Fero ist der Meinung, dass „ein unabhängiger Filmemacher mit seinem Kostenvoranschlag hier viel besser haushalten kann“. Die Entfernung zwischen Lissabon und New York, die strategische Lage des Landes und das Klima, das alles sind Punkte, die berücksichtigt werden müssen.

Um den Logistik-Anforderungen der Exekutivkräfte und Filmstars gerecht zu werden, plant der Landkreis, schnellstmöglich die Erreichbarkeit via Luftweg zu verbessern. „Wir haben für den neuen Flughafen von Portimão einen Kostenvoranschlag von 80 Millionen Euros“ , mit dessen Konstruktion in Kürze begonnen werden soll.

Am Schluss der Präsentation ließ Joaquim de Almeida verlauten, dass er das Projekt als „ehrgeizig“ ansieht. „Nur weil wir klein sind, heißt das noch lange nicht, dass wir keine großen Ambitionen besitzen?“

Auch der Bürgermeister kann sich kaum im Zaum halten, geht es um Ambitionen. Er berechnet bereits die Kosten für weitere Notwendigkeiten der zukünftigen Filmmetropole: zum Beispiel ein technologisches Zentrum, Projekte im Handels- und Dienstleistungssektor, Hotels und andere wertvolle Anlagen. Manuel da Luz führt an „dass wir hier ein Projekt in den Händen halten, welches sich insgesamt über 5 Jahre hinziehen und mehr als 3 Tausend Millionen Euros kosten wird. Wir sprechen über die Schaffung von 7 Tausend unmittelbaren, fluktuierenden und terminbedingten Arbeitsplätzen.

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