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Fische... Verkaufen oder Wegschmeißen?

“Jede Art der Fischerei stößt auch auf Ablehnung. Es ist unmöglich, nur das zu fangen, was man möchte. Es gibt Fischarten, die für die Wirtschaft uninteressant sind und deswegen zurück ins Meer geworfen werden. Ein weiteres Problem ist die Größe. Oft gehen Arten ins Netz, die zu klein sind. Sie dürfen gemäß Gesetz nicht verkauft werden, also werden sie wieder ins Meer geworfen - tot. Das ist ein ernsthaftes Problem, denn dadurch wird der natürliche Erhalt des Bestands gestört”, erklärt Sónia Olim, die diese Problematik an der Küste der Algarve seit elf Jahren erforscht. Sie begann ihre Arbeit 1998, im Rahmen einer Gruppe namens «Biopescas», die die Professorin Teresa Cerveira Borges geleitet hat.
Eine der ersten Schlussfolgerungen der Gruppe war, dass von den über 900 Arten, die auf die herkömmliche Weise an der Algarve gefangen werden, jedes Mal 69 Prozent „immer“ und 27 Prozent „häufig“ zurück ins Meer geworfen werden. Die Forscher waren erstaunt, wie artenreich die Gewässer der Algarve sind und veröffentlichten 2004 ein Buch, in dem sie 300 der 900 Arten identifizierten, die von den Fischern am häufigsten der See zurückgegeben werden. Vor diesen Studien wusste man wenig, fast nichts.
Seit 2007 erforscht Sónia Olim das Schleppfischen von Krustentieren, einer der problematischsten und verheerendsten Arten der Fischerei.
“Die meiste Krustentierfischerei trägt sich an der Küste der Algarve zu. Die Reederei mit den meisten Booten befindet sich in Aveiro. Zurzeit werden von dort 21 Fischerboote für den Fang von Krustentieren eingesetzt. Aktuell können diese Boote bis zu zwei Tage auf See bleiben. Alle sechs bis acht Tage müssen sie laut Gesetz eine Rast einlegen. Den Rest der Zeit verbringen sie mit dem Fischfang. Sie fahren in der Morgendämmerung raus, kehren zurück, um ihre Fracht abzuladen und fahren direkt wieder raus. Es sind sehr moderne Boote mit 20 bis 30 Meter Länge. Mit traditionellem Fischfang haben sie nichts mehr gemein. High-Tech-Boote, mit fünf bis sechs Radaren, Sonar, Kommunikationssystemen und sämtlichen Hilfsmitteln”, berichtet Olim.
Sie war an Bord und hat sich die moderne Arbeitsweise angeschaut. “Sie arbeiten mit Schleppnetzen. Der Fischfangprozess beginnt in dem Moment, in dem die Netze ausgeworfen werden und endet erst mit dem Einholen - und das kann sechs bis zwölf Stunden dauern. Das Boot bleibt dabei durchgehend in Bewegung und mit der Zeit füllt sich das Netz mit dem, was die Fischer möchten - Krabben, Garnelen, Langusten - aber auch mit dem, was sie nicht wollen”, erzählt sie.
“Alles, was sonst noch ins Netz geht, nennt sich Beifang. Wenn der Beifang von hoher Qualität ist, wird er - in geringen Mengen - verkauft. Aber das meiste, der gesamte Rest, wird weggeworfen: verschiedenartige Seesterne, Seepferdchen, diverse Haiarten, Rochen und Krustentiere, die kommerziell nicht genutzt werden”.
Wenn ein Schleppnetz eingeholt wurde, sortieren die Fischer von Hand aus. “Klar, dass ihr Fang von der Schlepptiefe abhängig ist, normalerweise 200 bis 800 Meter. Fischerei ist keine genaue Wissenschaft. Manchmal läuft es sehr gut und 60 Prozent des Fangs sind nutzbar. Aber andere Male läuft es genau anders herum”, sagt Olim.
Der Wissenschaftlerin zufolge gibt es Jahre, in denen fast 80 Prozent der geschleppten Krustentiere weggeworfen werden. Welche Konsequenzen hat das auf die Umwelt?
“Es gibt fast keine Studien darüber. Aber wir wissen, dass es Auswirkungen auf die Nahrungskette hat, sie verändert sich. Wir werfen tote Tiere auf den Grund des Meeres. Es kommt mit dem Netz nur sehr wenig lebendig an die Oberfläche und die Chancen, dass diese Tiere auch lebendig wieder im Meer landen, sind minimal. Es ist, als würden wir tote Tiere auf dem Meeresboden aussäen. Wir mischen uns in das Gleichgewicht des Ökosystems ein”.
“Meiner Ansicht nach, ist das ganz schlecht. Wir unterstützen die Fütterung von Tieren, die sich von Kadavern ernähren. Aber mehr Futter bedeutet ja nicht, dass mehr Tiere zur Verfügung stehen, da diese gleichzeitig gefischt werden!”, erklärt sie.
“In dieser Phase meiner Studie kann ich sagen, dass der Anteil an Tieren, die weggeworfen werden, sehr hoch ist. Die Todesrate, sowohl der Tiere, die kommerziellen Nutzen haben, als auch der anderen, ist sehr hoch.”
Es ist eine Problematik, die minimiert werden könnte. “In Nordeuropa sind Studien dieser Art bedeutend. Norwegen hat viel in die Forschung investiert. In einigen Ländern ist es verboten, tote Tiere zurück ins Meer zu werfen. Alles, was gefangen wird, egal ob kommerziell nutzbar oder nicht, muss an Land gebracht werden. Das erlaubt eine korrekte Erfassung der natürlichen Ressourcen. Es gibt keine Vergeudung”.
“In Norwegen, wo es Probleme mit Schildkröten und Cetaceen (Delfine, Wale) gab, wurden alle Schleppboote so ausgestattet, dass der Beifang so gering wie möglich ausfällt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Auf diese Art kann alles optimiert werden: Es wird weniger verschwendet, und alles, was gefangen wird, wird genutzt - in der Fischmehlindustrie und als Futtermittel”. In anderen Worten: es gibt kommerzielle Verwendungsmöglichkeiten für den Beifang.
Warum werden in Portugal nicht gleiche Maßnahmen ergriffen? “Es ist nicht nur eine Frage der Gesetzgebung, es ist ein viel komplexeres Problem. Es hat auch viel mit Desinteresse zu tun. Es geht um Erkenntnis und Sensibilität. Es spricht doch keiner darüber, dass so viele Tiere weggeworfen werden. Das Thema ist wenig erforscht und sehr wenig verbreitet. Ob es uns gefällt oder nicht, die Öffentlichkeit entscheidet darüber, was publiziert wird und was nicht”, schließt sie.








