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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Wo übernachten – Wie essen?

VIA ALGARVIANA (II/IV)

Wanderer werden in Portugal immer noch als Außerirdische betrachtet. Es gibt noch nicht viele Einheimische, die im Urlaub ihre Wanderstiefel anziehen würden, um sich „per pedes“ zurück in Richtung Natur zu begeben. Manch moderner Zeitgenosse will gar nicht so richtig einsehen, warum man unter großem physischen Aufwand den Körper bewegen sollte, da doch zur Fortbewegung die Erfindung des Rades herangezogen werden könne. Vier Räder machen ein Auto, und mit Allrad kann man immerhin Bauch und Image polieren. Doch Wandern ist schwer im Kommen – auch deshalb, weil es eine gesunde Sache ist.
Uwe Heitkamp, Ausgabe 573 (30 Apr 2009), Ohne Kommentare »
Uwe Heitkamp
Sara Pittalis/ Leila Weißhaupt Davidson

Das wird im europäischen Ausland schon länger so gesehen. In Deutschland gibt es mehr als 1.600 offiziell registrierte Wandervereine, die viel in der Welt herumwandern: im Himalaja ebenso wie in den Rocky Mountains, in den Alpen ebenso wie in Neuseeland. In Großbritannien gibt es seit Generationen hunderttausende Naturfreunde, die sich in ihrer Freizeit der Vogelbeobachtung (twitchers) verschrieben haben. Und da kann es die alte PilgerrouteVia Algarviana leicht mit dem völlig überlaufenen Jakobsweg ins spanische Santiago de Compostela aufnehmen.

Doch offensichtlich werden Wanderer in Portugal nur mit leeren Händen, ihrem atmungsaktiven Schuhwerk und gut trainierten Beinmuskeln wahrgenommen. Sie bringen nicht das große Geld. Keine Bekleidungsindustrie und ihre Moden können am Wanderer richtig verdienen. Obendrein sind Wanderer keine Konsumenten über Maßen. Wanderer sind weder Rennfahrer noch Golfspieler. Beim Wandern kommt es nicht darauf an, zu siegen, etwas zu gewinnen, Erster zu werden. Wandern bedeutet ganz einfach nur „Zurück zur Natur“.

Die Via Algarviana ist kein leichtes „Zurück zur Natur“. Die zirka 340 km in 14 Tagen an einem Stück zu bewältigen, gerät bei vielen zu einer echten mentalen und körperlichen Bewährungsprobe, allerdings erst auf den zweiten Blick. Tagesabschnitte von 15 bis 30 km eröffnen keine Perspektive auf wirkliche Schwierigkeiten. Grundsätzlich aber gilt: Wer ohne Zigarette, ohne Kaffee und ohne Alkohol nicht auskommen kann, und wer in Turnschuhen wandert, sollte die Via Algarviana am besten nur sonntags in Tagestouren begehen.

Nach den ersten drei Tagen, die einem intensiven Training gleichen, nach den ersten 80 km zwischen Alcoutim und Cachopo, weiß der Naturfreund allerdings, worauf er sich eingelassen hat und was ihn an den restlichen 11 Tagen erwartet. Der Aufstieg ins Monchique Gebirge ist sicherlich der Höhepunkt am zehnten Tag. Doch eines gilt an allen Tagen: Der Weg ist das Ziel – und dieser beginnt in Alcoutim und endet erst am Südwestkap. Es gilt: durchhalten und ankommen.

Dafür benötigt der Teilnehmer eine regelmäßige gute, protein- und vitaminreiche Nahrung, an allen Tagen. Das Algarve123 Team nahm sich deshalb auch viele getrocknete Früchte mit auf den Weg: Feigen, Datteln, Rosinen, neben Nüssen und Mandeln. Wir machten uns eine gute Mischung von allem, was es auf den Märkten zu kaufen gibt. Wasser und Traubenzucker gehörten ebenso dazu, wie Obst im Rucksack und auch das obligate Käsebrot. Jeden Tag vor und während der Wanderung galt es, die Reserven wieder aufzufüllen. Zu einer langen Wanderung gehört aber auch ein vernünftiges Bett, um Muskeln und Sehnen während des Schlafs entspannen zu können. Dann machten wir uns auf den langen Weg. Wir testeten die Unterkünfte und die Restaurants während der Via Algarviana, sprachen mit vielen Menschen und passierten noch viel mehr Hunde. Hier präsentieren wir nun das erste Testergebnis.

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