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inovsea

Würmer aus der Algarve

Die Firma «inovsea», die in Loulé von drei jungen Meeresbiologen gegründet wurde, setzt auf die Zucht von Würmern. Diese Art Biotechnologie wurde im CRIA (regionales Zentrum für Innovationen an der Algarve) entwickelt - aber, den Vätern dieses Plans zufolge, muss mittelfristig die Region verlassen werden, um alle angestrebten Ziele erreichen zu können.
Bruno Filipe Pires, 19 Mär 2009 01:00, Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Die Idee, Würmer zu züchten ist bereits alt. Sie entsprang der Sportfischerei – eine Leidenschaft, die João Guerra, 29, und Frederico Oliveira, 30, teilen. Beide haben Meeresbiologie an der Universität der Algarve studiert.

Als sie ausrechneten, wieviel sie für lebende Köder (in diesem Fall Würmer) ausgeben, begannen sie, dieses Freizeitvergnügen in ein rentables Geschäft zu verwandeln.

“Zurzeit gibt es in den Fachgeschäften Würmer, die den Endverbraucher 40 bis 150 Euro pro Kilo kosten”, sagt João Guerra.

Er fügt hinzu, dass die traditionelle Methode, Würmer im Freien auszugraben, nicht ausreicht, um der Nachfrage nachzukommen. Es ist ein Markt “mit viel Potential. Das Verhältnis Angebot und Nachfrage stimmt”.

“Aber es ist eine Tätigkeit, die von sehr vielen Faktoren abhängt und nicht ganz einfach ist. Es dauert viele Stunden, um ein Kilo Würmer auszubuddeln. Außerdem existieren sie durch die Verschmutzung des Ökosystems vielerorts gar nicht mehr”, erläutert er.

João Guerras erste Kontakte mit dieser Art Biotechnologie entstanden Ende seines Studiums im Jahr 2004. Er machte ein Praktikum bei Professor Luís Fonseca bei IPIMAR in Tavira. Das Thema war: “Zucht von Würmern als Köder”. “Da habe ich wahrgenommen, dass das tatsächlich möglich ist”.

Später, 2005, stießen die beiden geschäftstüchtigen Fischer auf François Hubert, 32, der an die Algarve kam, um sein Aufbaustudium - Meeresökologie - zu beenden. Im Rahmen seiner Studien arbeitete er als Techniker auf einer Fischfarm.

“Ich begann, das Potential der Würmer zu sehen - und sah einen Weg, sie durch - leicht veränderte - klassische Fischzuchtverfahren zu reproduzieren”, berichtet Hubert.

Die Idee nahm ab 2006 Form an. IAPMEI (Institut zur Unterstützung kleiner und mittlerer Firmen) finanzierte das erste gewerbliche Projekt der jungen Leute. Zur gleichen Zeit bewarben sie sich auf die staatliche Initiative «Neotec» - dort erhielten sie eine Finanzierungshilfe von 70 tausend Euro als “fundo perdido” (Geld, das nicht zurückbezahlt werden muss).

Zudem erbaten sie einen Mikrokredit. Einen kleineren Betrag konnten sie selbst investieren. Seit 2007 haben sie also bereits 100 tausend Euro investiert und keinen Cent verdient.

Ihr anfänglicher Plan ist es, den Seeringelwurm (nereis diversicolor) zu züchten. “Das ist der gewöhnlichste. Wir können auch von der «Meeresversion vom Regenwurm» sprechen”, lacht Hubert.

Der Produktionsprozess basiert auf der ganzheitlichen Kontrolle des Lebenszyklus dieser Organismen. Alles beginnt im Quartier in Loulé, wo die “Entbindungsstation” untergebracht ist. Sie hoffen darauf, pro Jahr 10 bis 12 Millionen junge Würmer (2 bis 3 Monate alt) zu produzieren.

Die Struktur und das Equipment der Wurm-Farm wurde allein von den drei Jungunternehmern konzipiert und ausgeführt. Ein 7000 tausend Liter Tank mit Meerwasser nährt einen Kreislauf von 56 selbst gefertigten Tanks, die auf verschiedenen Ebenen montiert sind. Sie sind mit Sand aus der Ria Formosa und Salzwasser gefüllt.

“Im Grunde ist es dieselbe Idee wie bei der Fischzucht. In jedem Tank leben zwischen 150 und 200 ausgewachsene Würmer und etwa 100 tausend junge pro Quadratmeter. Der Vorteil bei der Wurmzucht ist, dass sie recht unempfindlich sind, was Sauerstoffmangel oder hohe Ammoniumkonzentration anbelangt”, sagt François.

Der zweite Abschnitt der Produktion findet in Alvor statt. Sie haben dort einen Ort gepachtet, der bereits für die Fischzucht genehmigt ist. Dort bleiben die Würmer fünf Monate lang, um fett zu werden. Das Ziel ist, ausgewachsene, 1 bis 2 Gramm schwere Würmer zu produzieren, bereit für den Angelhaken. Die erste Lieferung wird im Sommer fertig sein.

Sie garantieren uns, dass die Würmer umweltfreundlich aufgezogen werden. Sie erhalten pro Quadratmeter weniger Futter, als für die traditionelle Fischzucht benötigt wird. “In der freien Natur fressen diese Würmer alles - Plankton, organische Materieteilchen, Mikroorganismen, die im Sand leben.”

Fünf Tonnen Würmer pro Jahr - das ist die angestrebte Quote - könnten um die 50 tausend Euro wert sein. “Wenn das Geschäft erstmal angelaufen ist, wollen wir einen Umsatz von 200 tausend Euro pro Jahr machen”, sagt João Guerra.

“Langfristig soll die Produktion steigen und mannigfaltiger werden. In Zukunft wollen wir Trimuliggione (Diopatra neapolitana) produzieren. Aber wahrscheinlich wird es nicht möglich sein, mit der Firma an der Algarve zu bleiben, wenn sie in ein paar Jahren richtig läuft”, beklagt Francois.

Warum? Weil der Platz für die Entwicklung einer solchen innovativen Industrie fehlt. “Wir suchen nach Land an der Ria Formosa. Theoretisch gibt es viele frei zugängliche Bereiche - aber in der Praxis sind sie nicht bestimmbar. Die wenigen Menschen, denen das Land dort gehört, wollen es als Bauland verkaufen und fordern lächerliche Preise. Uns wurden zum Beispiel zehn Hektar für 1.250.000 Euro angeboten”.

“Wir denken darüber nach, nach Setúbal oder Aveiro zu wechseln, wo Land um einiges erschwinglicher ist. Auch Südspanien steht zur Diskussion”.

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