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Ana Cristina Oliveira
Eine Bühne namens Algarve

Es sind keine Geheimnisse, sondern vier Stücke, die Ana Cristina Oliveira verfaßt hat. Eines haben sie gemeinsam: das Thema Algarve. Nicht das touristische und saisonabhängige Gebiet, das wir heute kennen, sondern ein Ort, dessen Erinnerungen im Laufe der Zeit verblassen.
Das Buch “ist ein Projekt, das schon einige Jahre läuft. Ich habe meine ersten Texte für das Theater 1994 für den Verein «Ideias do Levante» in Lagoa geschrieben. Damals wollten wir etwas ganz Neues machen. Und zu der Zeit entstand auch das Projekt “Parque do Sítio das Fontes de Estombar”. Es ist ein sagenumwobener Ort, und meine Partner und ich sammelten dort Geschichten, die uns die Müller erzählten, die dort lebten”, erinnert sie sich.
“Außerdem gibt es an der Algarve noch die Mythen über die “Mouras Encantadas” (Feenwesen), die mich immer fasziniert haben und die ich in den Text mit einbinden wollte.” So entstand das Stück «Memorial do Moleiro» (Aufzeichnung eines Müllers), mit dem das das Laientheater des Vereins «Ideias do Levante» eröffnet wurde und das auch das Buch einleitet.
Nach diesen ersten Erfahrungen mit dem Verfassen von Stücken, lehrte sie 1995 Philosophie am Gymnasium “Pinheiro e Rosa” in Faro. Nebst dem Unterrichten fand sie Leute, die Lust hatten, eine Theatergruppe zu gründen – sie stieß auf fruchtbaren Boden für Kreativität.
“Seitdem habe ich nicht aufgehört, zu schreiben - ich schreibe vor allem für meine Schüler. Ich denke, es wäre dienlich, alle Stücke zusammenzutragen, damit auch andere Schultheatergruppen damit arbeiten können”, berichtet sie.
Alles begann mit einer Idee und einigen historischen Nachforschungen. Es sind sogar Stücke mit einem pädagogischen Charakter daraus entstanden. Sie versieht ihre Texte mit einer persönliche Note - einem Markenzeichen, das eine Verbindung schafft.
“Ich würde sagen, die weiblichen Personen stechen klar heraus”, sagt sie.
Die Schauplätze ihrer Texte sind Lagoa, Portimão, Lagos und Faro. An all den Orten, zu einer bestimmten geschichtlichen Epoche, findet ein Drama um eine Frau statt.
“Da gibt es die Geschichte über Joaninha, einer Frau, die sich das Leben nahm, weil ihr Ehemann, ein Müller aus Estombar, nie Zeit für sie hatte. Oder die Frau aus Lagos, die zu der Zeit der Entdeckungsfahrten nicht wollte, daß ihr Mann nach Indien aufbricht. Oder Maria Adelaide, eine junge Frau, die in wilder Ehe mit einem Gutsherrn lebte und ihr ganzes Leben darauf wartete, von ihm geehelicht zu werden. Oder die Geschichte zweier Nonnen, die mit Hilfe einer Königin ein Kloster gründeten”, bemerkt sie.
Neben den Schriftstücken interessiert Ana Oliveira auch die gegenwärtige Kultur der Region. Vor kurzem veröffentlichte sie die Studie «Meio Século de Teatro no Algarve – uma viagem pelo teatro da região de 1960 a 2006» (Ein halbes Jahrhundert Theater an der Algarve - eine Reise durch das Theater der Region von 1960 und 2006).
Eine Forschungsarbeit, die ihr, abgesehen von den Fakten, einige Lektionen einbrachte. “Die meisten, die an die Algarve kommen, glauben, hier gibt es nichts. Das stimmt nicht. Vielleicht wird nicht genügend über das gesprochen, was es gibt und gab. Das hat mich motiviert, mehr wissen zu wollen”, sagt sie.
“Ich stellte fest, daß seit dem Jahr 2000 fast zwanzig Theatergruppen aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen heraus ins Leben gerufen wurden; auch von jungen Menschen der Universität, die an der Algarve studieren und Lust hatten, neue Gruppen zu gründen. Einige davon existieren immer noch”, sagt sie.
Heute verbirgt sie ihre Enttäuschung nicht mehr. “Früher hatte ich mehr Hoffnungen in das Theaterwesen als heute. Es gibt eigentlich nur vier professionelle Truppen, abgesehen von ACTA, die als einzige eine Finanzierung erhält und 15 Personen Arbeit sichern kann. Die anderen haben keine Mittel, um diesen Service zu bieten”.
Bezüglich des Laientheaters glaubt sie, daß es “mehr Interaktionen, mehr gemeinsame Initiativen für eine gemeinsame Ausbildung und mehr Ideenaustausch geben könnte”. “Es gibt aber ein interessantes solidarisches Netzwerk, wenn eine Gruppe Requisiten oder anderes Material braucht. Wenn alle die gleiche Liebe zum Theater verspüren, ist mehr Zusammenarbeit und eine dynamischere Zirkulation innerhalb der verschiedenen Gruppen nötig”, sagt sie.
Dies wird nicht die letzte Veröffentlichung sein. “Ich habe eine Schublade voller Texte, die ich in den letzten 15 Jahren über die unterschiedlichsten Themen geschrieben habe. Zum Beispiel habe ich das Theater benutzt, um den Schülern auf lebendige Art philosophische Inhalte nahezubringen. Andere Texte sind das Resultat von Einladungen und Aufträgen. Ich erinnere mich daran, daß das “Instituto Português da Juventude” mich eingeladen hatte, um ein Projekt über die Sexualität Jugendlicher zu entwickeln. Ich finde, sie sollten veröffentlicht und anderen Gruppen zugänglich gemacht werden. ”
«Segredos do Levante» wird von der Historikerin Graça Ventura vorgestellt und der Chorgruppe «Outras Vozes» begleitet.








