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Ausgabe 729
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Berufsschule Cândido Guerreiro

Die Zukunft liegt in der Schule

Der aktuelle Stand des Schulsystems beunruhigt Eltern und läßt Lehrer verzweifeln. Das Chaos ist perfekt, und eine Lösung des Problems, das seit Jahren verschleppt wird und die Zukunft des Landes in Frage stellt, ist nicht in Sicht. Zum Glück aber gibt es Alternativen für die Jugendlichen. Am 11. November feiert die Escola Profissional Cândido Guerreiro (Berufsschule) in Alte ihren 16. Geburtstag und eröffnet ihren neuen Hauptsitz. Vivalgarve sprach mit Aníbal da Silva Coelho, Direktionspräsident, der an eine bessere Zukunft in der Schule glaubt.
Bruno Filipe Pires, 6 Nov 2008 01:00, Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Sie wollen aktive Berufe. Sie scheuen sich nicht, sich die Hände schmutzig zu machen oder Ziegel und Werkzeuge zu benutzen. Sie möchten ihren Arbeitsanzug genauso gerne überziehen wie einen Laborkittel. Sie wollen ein anderes Leben und lassen es nicht zu, daß die engstirnige Mentalität ihrer Mitmenschen ihre Berufsaussichten beeinträchtigt. Wir sprechen von Schülern und Lehrern einer Schule, die an einem unerwarteten Ort entstand und heute ein Beispiel für die Region ist.

Zirka 200 Jugendliche, aus der ganzen Algarve, dem Alentejo, von den Azoren und sogar aus Cabo Verde, besuchen diese Lernstätte. „Wenn sie die Schule abschließen, haben sie einen Berufsabschluß und sind im Besitz eines europäisch anerkannten Diploms der Kategorie III. Lehrgänge verschiedener Berufsrichtungen werden angeboten: Tourismus, Handel, Lebensmittelkontrolle, Verwaltung und Programmierung von Informationssystemen, Grafikdesign, Bauzeichnen oder Bauleitung.

Die meisten Schüler kommen motiviert zu uns, weil sie hier eine Alternative zum regulären Schulsystem finden. Dort setzt man auf das Auswendiglernen des Lernstoffes, um ihn danach gleich wieder zu vergessen. Aníbal Coelho äußert seine Zweifel an der Effizienz dieses Schulsytem. „Momentan braucht der Arbeitsmarkt Leute, die wissen, wie man Dinge macht. Er braucht dynamische, initiative Menschen, die kommunizieren und Probleme lösen können, die Enttäuschungen überwinden und Lösungen suchen“, erklärt er.

„In unserer Schule hat die Praxis Vorrang. Während des Schuljahres besichtigen wir Arbeitsplätze der unterschiedlichen Lerngänge. Ein Handelsschüler zum Beispiel muß Firmen kennen und Kontakte haben“, sagt er.

Andererseits sind Firmen in einer wettbewerbsträchtigen und schwierigen Wirtschaft offener für diese Art von Schulung. „Wenn diese Firmen ihre Türen öffnen, öffnen sie gleichzeitig den Kommunikationsfluß mit einem möglicherweise zukünftigen Mitarbeiter. Sie verkaufen aber auch ihre Handelsstrategie und ihre Produkte“.

„Wenn die Schüler ihre Studien abschließen, finden sie Arbeit. Im Durschnitt liegen unsere Berufschancen bei achtzig Prozent. Viele unserer Schüler wechseln an die Universität. Das Niveau, das wir hier erreichen, ermöglicht ein Anschlußstudium. Unser Hauptziel bleibt es jedoch, einen Arbeitsplatz zu bekommen“, fügt er hinzu.

Das Erfolgsgeheimnis liegt bei den Menschen, meint Aníbal Coelho.

„Wir haben eine erfahrene und routinierte Lehrkörperschaft, die weiß, was notwendig ist, um den Lernprozess zu verbessern. Aus diesem Grund sind wir überzeugt, daß wir sowohl den Marktbedürfnissen, als auch den Jugendlichen und deren Familien entgegenkommen“.

In diesem Schuljahr gewöhnten wir uns erst einmal an das neue Schulgebäude, welches 3.000 m2 groß ist, 2 Etagen, 9 Schulzimmer, eine Bibliothek, einen modernen Informatikraum und einen Konferenzsaal mit 118 Plätzen, aufweist. Im Außenbereich befinden sich Parkplätze und Grünanlagen.

Der Bau kostete zirka 2 Millionen Euro. 1,6 Millionen stellte die Gemeinde Loulé, der Rest stammt aus dem europäischen Fundus.

In einer Zeit, in der die Abwanderung des Hinterlandes fortschreitet, ist die Berufsschule Cândido Guerreiro ein Beispiel dafür, daß diese traurige Realität auch umgedreht werden kann.

„Ja, es ist wahr. Auch die Schule bringt Arbeitsplätze, weil sie Hilfskräfte und Verwalter braucht. Momentan hat die Schule fünfzig feste Arbeitsplätze. Andererseits haben wir es geschafft, die öffentlichen Stellen dazu zu bringen, hier zu investieren. Dies hat das gesamte Umfeld beeinflußt.

Welche Gemeindeverwaltung dieses Landes investiert 1 Millionen Euro in ein Schulprojekt in einem Dorf wie diesem? Jetzt liegt es an uns, die Struktur für die kommenden Jahre funktionsfähig zu erhalten“, sagt er.

Im Hinblick auf die Zukunft ist der Direktor optimistisch. „Die Tatsache, daß sich die Schule im Hinterland befindet, hat auch Vorteile gegenüber den Schulen in Großstädten. Die Zurückgezogenheit ermöglicht es den Schülern, sich besser zu konzentrieren. Es gibt weniger Dinge, die Schüler abzulenken. Die ständig betreuten Schüler werden morgens abgeholt und abends nach hause gebracht“, erklärt er.

Die Schule wird aus dem europäischen Fundus finanziert. Im vergangenen Jahr zahlten die Schüler eine Monatsrate von €24,49, erhielten aber einen Verpflegungszuschuß. Falls eine Unterkunft benötigt wird, hilft die Schule weiter. Mit der Einführung in das neue Finanzierungsprogramm ändern sich dieses Jahr die Regeln. Die Vorlesungen werden von den Lehrern zusammengestellt. Man muß kein Vermögen für Schulmaterial ausgeben. Die Schüler kaufen nur Bleistift und Papier. Alles andere liefern wir.

„Seit vergangenem Mai haben wir auch ein „Centro de Novas Oportunidades – Zentrum für neue Chancen”. Was ist das? „Stellen sie sich jemanden vor, der viele Jahre in einer Druckerei arbeitet. Er weiß alles über Tinten und Druckabläufe, vielleicht kennt er die neuen Technologien und Computer seit einigen Jahren. Wahrscheinlich verfügt er die Kenntnisse eines Abiturienten. Ein entsprechendes Diplom zu erhalten, ist beinahe eine Sache der Unmöglichkeit. Würde er eine Schule besuchen, wäre eine Abendschule oder sonst etwas ratsam. Das neue System ist einfacher. Die Leute schreiben sich ein, beantworten ein Interview und werden dann in einem Prozess weitergeleitet, um so ihre Berufskarriere aufzubauen.“ „Früher war nur das Schulzeugnis wichtig. Zum Glück ändern sich die Zeiten. Die Menschen haben die Fähigkeit, ein Leben lang zu lernen. Sie müßen lernen, um zu überleben”, schließt er.

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