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Len Port
Menschen an einem besonderen Ort

Was unterscheidet «People in a Place Apart» von anderen Büchern ausländischer Autoren über Portugal?
Len Port: Der entscheidende Unterschied ist, dass es sich sehr stark auf ausländische Kulturen und vor allem auf einige sehr bemerkenswerte, ausländische Individuen bezieht, die an der Algarve lebten oder sie besuchten. Aber es ist kein liebes, nettes Buch, das jeden lobt, denn es beschreibt einige sehr dunkle Charaktere und Episoden. Und natürlich entstand alles aus dem Material, das ich in den vergangenen drei Jahrzehnten hier zusammentrug.
Ja, es gibt einige sehr dunkle Episoden, unter anderem geht es um einen Mordfall, den Sie als Justizposse bezeichnen und auch um diverse weitere Fälle, in denen Ausländer Pech hatten mit der portugiesischen Rechtssprechung. Weist Portugals Justizsystem ihrer Meinung nach Schwachstellen auf?
Um Charles Dickens zu zitieren: “Das Gesetz ist ein Esel”. Dafür gibt es viele Beispiele, in Portugal genauso wie in England oder anderswo. Es stimmt, dass ich einige dieser Fälle in meinem Buch beschreibe. Am schockierendsten war der Fall des ermordeten britischen Schulmädchens Rachel Charles und die spätere Verurteilung von Michael Cook in den frühen 90ern. Die meisten aufmerksamen Beobachter des Falles hielten den Vorgang von Anfang bis Ende für eine Farce, sowohl seitens der Polizei als auch der Justiz. Aber ich finde nicht, dass man sagen kann, dass es hier keine Gerechtigkeit gibt, obwohl ich mich an einige Fälle erinnere, in denen offensichtlich Kriminelle nicht verurteilt wurden…
Sie waren der erste Reporter vor Ort als Madeleine McCann verschwand. Wie denken sie über den Umgang der Presse mit dieser Geschichte?
Ich meine, der Umgang mit dem Fall Madeleine McCann markierte einen Tiefpunkt insbesondere des britischen Boulevard- Journalismus. Die Zeitungen eröffentlichten offensichtlich Titelgeschichten, die auf reiner Mutmassung, Rätseln oder glatten Lügen beruhten. Sie wussten es und machten trotzdem weiter, um Umsatz und Profit zu steigern. Es war vollkommen peinlich, aber einige schlimme Täter erhielten schliesslich ihre gerechte Strafe vor Gericht.
Ich begann unmittelbar nachdem Madeleine verschwand für ein britisches Boulevardblatt über den Fall zu berichten. Wie in dem Buch beschrieben, waren keine Reporter vor Ort in Sicht als ich das erste Mal nach Praia da Luz kam, aber nach einigen Tagen des Medienspektakels erkannte ich, was vor sich ging und hielt mich wohlweislich fern. Ihr Buch umfasst die jahrtausendealte Geschichte der Algarve.
Birgt die Redensart “Die Geschichte wiederholt sich” eine Entsprechung aktueller Ereignisse in Portugal?
Das hoffe ich wirklich nicht! Die ersten Kapitel des Buches sind fremden Kulturen gewidmet, die an die Algarve kamen, um sie auszubeuten. Heinrich der Seefahrer und die glorreichen Entdeckungen markierten den Beginn von Sklavenhandel und Kolonisation, aber im Grunde wurde das portugiesische Volk immer unterdrückt: von Monarchien, Diktatoren, Elitefamilien oder der Kirche. Auch heute wird die Bevölkerung erdrückt von enormen wirtschaftlichen Problemen, sodass ich hoffe, dass die Geschichte sich nicht wiederholt und wir auf dem Weg in ein innovatives, positives neues Zeitalter sind.
In ihrem Epilog sind sie zwiegespalten bezüglich der Entwicklung der Lebensbedingungen in der nahen Zukunft. Liegt es daran, dass sie ihren Beruf relativ unbefangen ausüben können oder sind sie ein ewiger Optimist?
Ich denke nicht, dass ich zwiegespalten bin. Ich erwäge einfach nur wie sich die Dinge an der Algarve entwickeln könnten. Wir leben in extrem unsicheren Zeiten. Es ist unmöglich einzuschätzen, wie es uns in 10 Jahren gehen wird. Ich versuche, die vier wichtigsten Faktoren herauszuarbeiten, die unser Leben hier in Zukunft bestimmen könnten: Klimaveränderung, Umwelt, Gemeinschaft (wie wir miteinander umgehen), und ausländische Einflussnahme. Wenn zum Beispiel die Chinesen die Wirtschaft übernehmen – wir wissen ja, wie sie mit ihrem eigenen Volk umgehen – wie werden sie uns behandeln? Vieles hängt - wie immer an der Algarve von Fremdkontrolle ab.
Warum trafen sie die Entscheidung ihr Buch als E-Book zu veröffentlichen? Und war es eine einfache Aufgabe?
Das gedruckte Buch hat der Menschheit für viele, viele Jahre wunderbare Dienste geleistet. Es war grossartig, aber alle Anzeichen belegen, dass das gedruckte Buch auf dem Rückzug ist und in Kürze fast ausgestorben sein wird. E-Books sind die Gegenwart und die Zukunft. Es ist einfach eine schnelle und effiziente Art zu publizieren und so viel praktischer für die Leser. Wenn sie verreisen, müssen sie nicht ein halbes Dutzend Taschenbücher, sondern nur noch ihren Kindle oder ihr iPad einpacken und sie haben Tausende von Büchern dabei und können binnen Sekunden neue bestellen! Verlage stehen, wie wir alle, unter extremem wirtschaftlichen Druck, bringen nur noch Bestseller heraus und die Autoren haben das erkannt. E-books ermöglichen es neuen Autoren ihre Arbeiten sehr schnell zu veröffentlichen… aber die spezielle Formatierung des Buches war wirklich nicht einfach! Das war ein enormer, oft frustrierender Lernprozess. Ich traf auf virtuelle Online-Berater, die mir sagten, es sei so einfach und mich unaufhörlich dazu beglückwünschten, dass ich mich für Kindle Direct Publishing entschieden habe, aber oft tappte ich im Dunkeln.
Befindet sich unter den vielen Berühmtheiten, die sie in ihrem Buch beschreiben, jemand der sie besonders beeindruckte?
Definitiv! Johnnie Johnson, der erfolgreiche RAF (“Royal Airforce”) Kampfpilot des 2. Weltkriegs. Er war der Held meiner Kindheit. Als ich 1999 erfuhr, dass er während eines Portugalurlaubs verschwunden war, liess ich alles stehen und liegen, um mich an der Suche zu beteiligen.








