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Zukunft für den Einzelhandel?

Die Flinte ins Korn schmeißen? Das gilt natürlich nicht für jeden. Pedro Gonçalves ist 36 Jahre alt und ein junger Geschäftsmann aus Portimão, der auf den Erfolg des traditionellen Handels setzt - besser gesagt - in der Wiedererfindung dieses Konzeptes.
Pedro Gonçalves eröffnete in August 2007 einen Bio- Lebensmittelladen. Die Idee war einfach. Er verkauft nur zertifizierte Bio-Produkte. Die Ladentüren sind im Internet geöffnet, wo jeder Verbraucher aus der ganzen Algarve seine Bestellungen aufgeben kann. Mit nur einem vor kurzem eingestellten Mitarbeiter und einem Kühlwagen wird die Bio-Lebensmittel wöchentlich an hunderte Familien, Gourmet-Geschäfte und sogar an einige Küchenchefs aus verschiedenen Restaurants der Region geliefert. Allein im vergangenem Jahr betrug der Umsatz nahezu 120.000 Euro.
„Ich glaube, und das ist offensichtlich, daß es immer große Einkaufzentren geben wird. Aber meiner Meinung nach werden bald immer mehr Kunden den traditionellen Handel suchen. Wegen der engeren Beziehung zur gekauften Ware und einer persönlicheren Bedienung”, sagt uns Pedro Conçalves, der die Hotelfachschule absolvierte. Die Aussage wird durch seinen Laden fundiert, in dem er Geschäftsführer, Lieferant (er fährt mehr als 1.500 km pro Woche), Lagerarbeiter und Verkäufer ist.
„Wir haben es geschafft, eine Brücke zwischen dem Erzeuger und dem Kunden zu konstruieren. Die Verbindung ist wesentlich enger. Jede Woche informieren wir unsere Kunden, was wir an frischer Ware haben und woher das Produkt kommt“.
Bei der Frage, ob der Einkauf im Einzelhandel für den Kunden nicht teurer sei, winkt Pedro Conçalves ab.
„Es ist teurer, aber nicht unbedingt für Leute mit mehr Geld.
Wir haben viele Kunden, die ein normales Leben führen. Sie haben keine Luxusautos und leben nicht in riesigen Häusern. Aber sie geben ihr Geld für gesunde Ernährung aus“, was im Durchschnitt zwischen 80 und 100 Euro die Woche kostet.
Alle Geräte der Datenverarbeitung von «Bio» wurden im Einzelhandel gekauft. „Im Einkaufszentrum hätte ich bis zu 20% gespart” informiert er uns, aber danach hätte ich große Probleme mit der Wartung.
Das Argument der näheren Beziehung zur Kundschaft wird auch von Gilberto Sousa verteidigt. Er ist Vorsitzender des Gewerbevereins der Algarve (ACRAL) in dem 3.470 Betriebe Mitglied sind.
„Ja, es gibt immer Vorteile. Die Preise der großen Supermärkte sind trügerisch. Es ist nicht billiger. Die Kunden wissen auch, daß, wenn etwas schiefläuft, sie im Einzelhandel mit viel mehr Aufmerksamkeit rechnen können und sie vor einem Kauf besser beraten werden. Unglücklicherweise gelten an der Algarve die die Einkaufszentren als Fortschritt, was totaler Quatsch ist. Weil sie eine Kapitalabwanderung für die Region und einen Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten. Und weil sie den Unternehmungsgeist der jungen Leute brechen, die ein eigenes Geschäft eröffnen wollen. Und auch, weil sie sich oft mit unlauterem Wettbewerb konfrontiert sehen“, erklärt er uns.
Aber die Realität ist nicht so idyllisch. „Es gibt einige große Nachteile, der die Kunden vom Einkauf im Einzelhandel abhält“, bedauert Pedro Gonçalves.
„Hier in Portimão zum Beispiel. Was sehen wir im Einzelhandel? Wir sehen wenig flexible Öffnungszeiten. Und erzählt mir nicht, das die Öffnung während der Mittagszeit nur eine Frage der Gesetzgebung ist. Auch ist es eine Frage der Sympathie. Oft betrete ich Geschäfte und sehe die Besitzer wenig produktiv. Viele der Angestellten haben keine fachliche Ausbildung oder sind im Umgang mit den Kunden nicht motiviert”.
„Es könnten viele einfache Neuerungen eingesetzt werden, um den Einzelhandel zu retten, aber unglücklicher Weise sehe ich die Leute sich an der Krise und Konjunktur festhalten, ohne eine Lösung für ihre Probleme zu suchen“, meint er. Vielleicht sind deswegen letztes Jahr in Portugal rund 9.000 kleine Geschäfte geschlossen worden. Aber wie sieht die Zukunft aus?
„Wir wollen nicht pessimistisch sein. Wir wetteifern darum, die Unternehmer zum Ausharren anzuhalten, zu modernisieren und sich noch einmal ihr Management genau anzusehen. Aber wir sind selbstverständlich sehr besorgt“ sagt der Vorsitzende der ACRAL, der tiefgreifende Veränderungen in den Handelsgesetzen fordert. Gilberto Sousa sagt auch: „Ich verstehe die Stadtverwaltungen nicht, die die Innenstädte mit Parkuhren und hohen Parkgebühren vermint haben, die eventuelle Kunden noch mehr abschreckt“.
Zurück zu Pedro Gonçalves. Er fürchtet sich nicht vor der aktuellen Kreise und betont: „Wir spüren, daß der Markt brodelt. Es gibt doch viele gute Gelegenheiten, um Geschäfte zu machen”. Demnächst will der Kaufmann sein Geschäft vergrößern, eine Strecke in den Alentejo eröffnen, noch eine nach Madeira oder vielleicht eine ganze Kette «Bio». In traditioneller Art und Weise...
Wucher oder Abkürzung zum Gewinn?
Es gibt noch einen anderen Grund, den Einzelhandel in unserer Region in Mißkredit zu bringen. „An der Algarve ist es nicht ungewöhnlich, Kunden auszunutzen: Einheimische wie auch Ausländer“. Mit der Erklärung, man sei eine touristische Oase, verteuern die Händler die alltäglichen Waren künstlich, kritisiert Ana Pedro, die Regionaldirektorin der Verbraucherzentrale DECO in Faro. „Es muß eine besondere Art von Gier sein, die unsere Händler antreibt. Sie wollen in kürzester Zeit das erreichen, was in anderen Ländern mit Geduld und Ehrlichkeit erreicht wird. Ein Geschäft zu etablieren, braucht aber Zeit und marktgerechte Preise. Dann kommt auch die Kundschaft. Der Algarve-Händler will diesen Prozeß so schnell wie möglich durchlaufen“. Die Abkürzung zum Gewinn ist eine Strategie, die so nicht mehr funktioniert. Ana Pedro meint, daß „heutzutage die Kunden mit den Preissteigerungen nicht mehr mithalten können. Abgesehen davon ist der Verbraucher immer besser informiert“. Ist die Zeit reif für eine grundlegende Veränderung?








