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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Kuppel der Radarstation auf Fóia

Das Himmelsauge

Wer schon mal auf dem Foia war, hat sicherlich die große Dichte an Antennen dort bemerkt. Eine, die besonders die Neugier erweckt, ist die Kuppel der Radarstation Nº1 der portugiesischen Luftwaffe “Estação de Radar da Força Aérea Portuguesa (FAP)”. In 902 Metern Höhe gelegen, ist sie Teil des modernen Luft-Kommando- und Kontrollsystems “Sistema de Comando e Controlo Aéreo de Portugal (SICCAP)”, das in einer Reichweite von 500 km die Sicherheit im Süden des Landes gewährleistet. Vivalgarve besuchte die einzige FAP-Einheit an der Algarve und erklärt, wie dieses “Himmelsauge” funktioniert.
Bruno Filipe Pires, 13 Nov 2008 01:00, Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires
Ingenieur Hauptmann Luís Telha

„Guten Tag, Herr Kommandant, erlauben Sie?”. Unser Besuch beginnt nicht vor den Türen einer geheimen Anlage, sondern in einem der vielen Restaurants auf dem Weg zur Spitze der Serra de Monchique, wo viele Touristen ihrer Begeisterung über den Ausblick durch englische Adjektive Ausdruck verleihen.

Wir setzen uns zu Ingenieur Hauptmann Luís Telha an den Tisch, der seit August 2006 für die Radarstation in Fóia verantwortlich ist. Das Tagesgericht ist Brathähnchen. Alle sechs Monate gibt es hier dieses Treffen, bei dem um die zwanzig Männer verköstigt werden, die die Einheit bilden – klein aber technisch hoch spezialisiert. Wären da nicht die Uniformen, würde ihre Anwesenheit keinem auffallen. Sie sind ruhig, schweigsam und reserviert. Das nötige Profil, um in der Radarstation zu arbeiten? “Ja, das paßt schon, aber niemand überprüft das”, spöttelt Hauptmann Telha. Er trat 1992 in die Militärakademie ein und belegte Kurse für Elektro-, Computertechnik und Telekommunikation. Einige Jahre verbrachte er mit dem Aufbau aeronautischer Projekte, wie zum Beispiel der Installation von ILS-Systemen (Instrument Landing System). Folglich kümmern Sie sich selbst um das Radar. “Ja, es ist angebracht, daß der Verantwortliche entsprechende Kenntnisse hat, um Probleme lösen zu können und genau zu wissen, wovon die Techniker sprechen”, sagt er.

Aber was tun Sie denn nun dort? Die Antwort auf diese Frage kommt wenig enthusiastisch. Die Hauptaufgabe bestehe darin, das Radar in Betrieb zu halten und zu warten. Dort oben existieren keine Kriegskontrollräume, nichts von dem, was einem das Kino bezüglich solcher Anlagen vermittelt. Jedoch gibt es eine Konsole, aber die dient nur der Wartung und wird auch nur dann in Betrieb genommen.

„In den frühen 50er Jahren warm, neben der Fliegerei, die Überwachung des Luftraums Aufgabe des FAP”. Tatsächlich stand zu Salazars Zeit die Kontrolle des Raumes Fóia für militärische Zwecke an erster Stelle. “Später in den 70er Jahren, im Rahmen der NATO, entstand ein Projekt, das als “Sistema de Comando e Controlo Aéreo de Portugal (SICCAP)” bekannt wurde. Es wurden Radaranlagen in Paços de Ferreira und Montejunto aufgebaut”, erklärt er.

„Diese wurden 1991 fertiggestellt. Es waren die ersten von zehn, die die NATO im Süden installierte”, erzählt er. Seitdem gab es diverse Upgrades. Das bedeutet aber nicht, daß es das Militär leicht hat. “Es ist ein recht komplexes System, das ein primäres Radar und verschiedene sekundäre beinhaltet”, weiß er zu berichten. Der Großteil der Probleme wird vor Ort gelöst, aber hin und wieder ist es nötig, den nordamerikanischen Hersteller hinzuzuziehen. Eine Ausnahmesituation ergab sich 2003, als Brände die Wälder von Monchique vernichteten. Das Radar muß im Extremfall wegen des Rauches und der Hitze ausgeschaltet werden.

Die lokale Bevölkerung spinnt diverse Mythen um diesen Ort. So heißt es, dort würden Raketen versteckt. Eine andere Legende rankt sich um einen unterirdischen Komplex, der sich angeblich unter der Anlage versteckt. “Wir mußten einen Tag der Offenen Tür abhalten, um diese Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Aber aus Sicherheitsgründen und betriebsbedingten Gründen blieben einige Türen doch verschlossen; das ließ einige argwöhnisch bleiben”, erzählt er.

In dem Moment, in dem wir eintreten, wächst unsere Neugier. Was verbirgt sich letztlich hier? Gemäß den Vorschriften der NATO ist es uns im Inneren nicht erlaubt, zu fotografieren. Es gibt eigentlich auch nicht viel, das als Motiv dienen könnte. Ein weißer, steriler Korridor führt zu einer Reihe Arbeits- und Büroräumen. Kompakt und funktional. Der größte Raum beinhaltet verschiedene Komponenten. Es gibt eine kleine Bar für die Mitarbeiter. Die anderen Räume beherbergen Dieselgeneratoren, Batterien, eine Werkstatt unter der Antenne und wenig mehr. Die Radarkomponenten befinden sich in einer Art Container namens “Shelters”. Voll in Betrieb verursacht das Radar im Schnitt tägliche Stromkosten in Höhe von 500 Euro. Einen großen Teil verbrauchen die Maschinen, die die Elektrogeräte kühlen. Eine Tür mit einem Hochsicherheitsschloß verbirgt den Funk, die Funkwiederholer, ein Arsenal automatischer Schußwaffen und ein geheimes Archiv. Bezüglich der ausgesandten Strahlung zeigt Luís Telha auf eine Warnleuchte. “Wenn die brennt, ist es nicht möglich, die Kuppel zu betreten”. Draußen, beim Gang um den Komplex, garantiert er uns, daß alle rechtlichen Grenzwerte und Normen die Strahlung betreffend eingehalten werden.

Die Sicherung des Himmels

An der Grenze zwischen Atlantik, Europa und Afrika bildet Portugal einen Ort des internationalen Transits und ein Tor zu vielen Grenzen. Dementsprechend fällt der portugiesischen Luftwaffe die Aufgabe zu, alle Flugkörper aufzuspüren, die in den portugiesischen Luftraum eintreten oder eindringen und zu überprüfen, ob sie identifizierbar sind oder nicht. Falls nicht, wird die Luftabwehr benachrichtigt. „Es liegt in unserer Verantwortung, den portugiesischen Luftraum unverletzt zu halten”, erklärt Oberleutnant Telmo Reis, Kommandant des “Centro Repor e Controlo de Defesa Aérea de Monsanto”, Lissabon. In einer ersten Phase erledigt das die permanente Betreuung durch die zivile Luftfahrtkontrolle “Air Traffic Control” (ATC) – ein Dienst, der den Verkehrsablauf in der Luft organisiert.

Des Weiteren stehen der FAP eigene Mittel zur Verfügung. Portugals Himmel wird vom Radar in Fóia (ER1), dem in Paços de Ferreira (ER2) und dem in Montejunto (ER3) kontrolliert.

Zusammen bilden sie das “Sistema de Comando e Controlo Aéreo de Portugal” (SICCAP), das seit sechs Jahren voll funktionstüchtig ist.

Bald wird das System bis auf die Inseln ausgeweitet. Die Azoren und Madeira haben ihre Hilfe bei Rettungs- und Suchmissionen auf dem Ozean zugesagt. Und gegebenenfalls auch für andere Operationen, bei denen Luftüberwachung erforderlich ist, wie die Kontrolle von Fischfang und Umwelt, Ölverschmutzungen oder dem Kampf gegen Drogenschmuggler.

Letzteres ist ein Problem, welches dem Militär große Sorgen bereitet, vor allem hier im Süden des Landes. Telmo Reis erinnert an einen medienwirksamen Fall, der sich in der Nacht des 30. Januars 2005 auf dem Flughafen in Beja ereignete. Auf einem Feldweg startete eine Piper Cherokee Six nach Marokko. Ein heimlicher Flug, um Rauschgift zu befördern. Aber es lief schief, und bei der Rückkehr erwischte die Kripo die Männer inflagranti mit 277 Kilo Haschisch und diversen Kriegswaffen an Bord.

„Was die nicht wußten, sie wurden durchweg von Jägern der portugiesischen Luftwaffe verfolgt”, eröffnet Oberleutnant Telmo Reis, vielleicht einer der über das, was am Himmel geschieht, am besten informierten Männer des Militärs.

Das „Centro de Reporte e Controlo” in Monsanto erhält in Echtzeit die Informationen aller Radarstationen von SICCAP. 24 Stunden täglich beobachtet eine Gruppe von 16 Militärs die Daten, die über Fiberglas und Mikrowellen geschickt werden und die überlagert werden können. Was die Leistungsfähigkeit der SICCAP betrifft, ist sie absolut in der Lage, Daten mit anderen europäischen Radarnetzen auszutauschen (zum Beispiel mit Spanien oder Frankreich), ebenso wie mit den Boeing E-3 Fugzeugen der NATO.

Die FAP hält stets einen F-16 Jäger bereit, um im Falle einer Bedrohung in Aktion treten zu können. All diese Mittel sind essentiell, damit Portugal die internationalen Konzessionen erfüllt und in einer immer komplexeren und sich ständig verändernden Welt auf die neuen und wachsenden Herausforderungen im Bereich der Sicherheit und Verteidigung reagieren kann.

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