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Zu neuem Leben erweckt

Andernorts sind sie üblich, aber in Portugal kann man Secondhand-Läden an einer Hand abzählen. Für die Konsumgesellschaft sind sie eine unbeliebte Randerscheinung und beeinflussen die Gewohnheiten der portugiesischen Gesellschaft nicht. Die Wirtschaftskrise bringt jedoch neuen Schwung in den Gebrauchtwarenhandel. Die Algarve bildet da keine Ausnahme. Das Preis-Leistungsverhältnis der Artikel und die Vielfalt überzeugen und werden von vielen Familien nicht weiterhin ignoriert, da deren Budget auch künftig schrumpft. Wiederum für einige Unternehmen bedeutet diese Krise die Gelegenheit, auf die sie gewartet haben. „Richtig, wir haben gedacht, daß es zu so einer Zeit ein gutes Geschäft sein könnte, aber vor allem wollten wir uns Arbeit schaffen. Wir waren einige Zeit arbeitslos und haben uns entschieden, das Risiko auf uns zu nehmen”, berichten Catarina Cunha, 31 Jahre, und Susana Pato, 35. Sie kauften sich beim Franchise-Unternehmen «kid to kid» ein, einem Netzwerk, das sich darauf spezialisiert hat, mit Artikeln für Kinder zwischen 0 und 10 Jahren An- und Verkauf zu betreiben. Der gerade erst eröffnete Laden in der Nähe des Marktes in Faro bietet auf 130 m2 5.300 Artikel zum Kauf an – „von allem etwas”. „Wir haben alles, von Kleidung über Schuhe, Karren, Spielzeug bis hin zu Artikeln für die Erziehung”. Die Regel lautet, daß der Preis, bei einem Drittel des Neupreises liegt. Im Schnitt kostet die Ware hier fünf Euro. Daß hier gespart werden kann, ist klar. Nur sind die Leute diesem Konzept gegenüber weiterhin skeptisch. „Ich denke, die Vorurteile werden sich nach und nach auflösen. Die Krise bringt das mit sich. Jeden Tag erleben wir, daß jemand glücklich darüber ist, diese Philosophie für sich entdeckt zu haben”.
Das Ehepaar Ricardo Neves, 37 Jahre, und Susana Neves, 38, glauben auch an das Potential dieses Marktes. Sie haben diese Idee aus Deutschland mitgebracht, wo sie eine Zeit lang gelebt und gearbeitet haben. Zurück in Olhão hat sie der Mangel an gut bezahlter Arbeit dazu gebracht, ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Sie haben ein spanisches Modell übernommen, namens „cash converters”. Dabei werden Artikel jeglicher Art aufgekauft, um diese mit Gewinn zu verkaufen. „Wir wollten etwas Ähnliches eröffnen. Aber da dieses Konzept an der Algarve neu war, waren wir etwas besorgt. Trotzdem wir sind das Risiko eingegangen”, erinnern sie sich zurück. Am 31. Oktober 2007 eröffneten sie ihr Geschäft, «Impecável». „Wir hätten im Leben nicht gedacht, daß Angebot und Nachfrage so groß sind”. Zurzeit bietet sich «Impecável» als Mittler an.
Sie bieten einen Platz für den Verkauf an und erhalten eine Kommission, wenn die Ware verkauft wurde. Es arbeiten dort vier Angestellte. Der kleine Laden ist, wie der Name bereits sagt, tadellos. Es riecht nach „antik“, aber nicht stockig. Im Hintergrund läuft Musik. Es gibt Schmuck und Bücher. Die Kleider hängen an Bügeln, und es gibt Anprobekabinen. Wer Zeit und Geduld mitbringt, kann einige Schätze zu guten Preisen finden. Klamotten im „Vintage-Stil”, zum Beispiel, sind modern. Eine gut erhaltene Designerjeans gibt es hier für nur ein Sechstel des Neupreises. Einer der Schätze dort ist „eine portugiesische Gitarre, die einem Musiker von Amália Rodrigues gehört hat”, sagt Carla Castro, 27 Jahre alt. Zu «Impecável» gehört auch noch ein Lager, in dem gebrauchte Möbel gesammelt und restauriert werden. Und sie zeigen sich solidarisch. Sandra und ihr Mann spenden ein Prozent der Einnahmen einem örtlichen Tierhilfeprojekt.
Diese soziale Komponente ist vielleicht der Motor für die ältesten und bekanntesten Läden dieses Genres an der Algarve. José Arão, Regionaldirektor bei REMAR, sagt, daß mit der gebrauchten Ware monatlich insgesamt etwa 20 tausend Euro umgesetzt wird. Ein Geschäft, das aus der Notwendigkeit erwuchs, denen zu helfen, die in der Gesellschaft keinen Platz haben - Drogenabhängige, Obdachlose, Alte und andere Ausgeschlossene. Das Prinzip, Dinge einzusammeln, die andere nicht mehr brauchen, diese Gegenstände zu restaurieren und zu verkaufen, existiert seit 1997 an der Algarve. Momentan hat diese gemeinnützige Organisation zwei Läden in Portimão – einen nur mit Kleidung, einen anderen mit Möbeln und Dekorationsartikeln. Weitere gibt es in Loulé, den neusten seit fünf Monaten in Albufeira. Alles was dort angeboten wird, stammt aus Schenkungen. Und die Nachfrage wächst weiterhin. „Heute suchen die Leute gerade die teureren Artikel als Secondhand-Ware”. Von Elektrogeräten bis Sofas. „Für 1.000 Euro kann man hier seine 2-Schlafzimmerwohnung ausstaffieren”, sagt er. Und qualitativ? „Wir suchen die Ware sorgfältig aus. So schaffen wir Menschen mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten akzeptable Lösungen. Ausländer greifen gerne auf unseren Service zurück, da man hier viel sparen kann”, sagt er.
Der Wohltätigkeitsladen des «Refúgio dos Burros» in Lagoa wird auch immer häufiger besucht. „Wir wissen alle, wie die aktuelle Situation ist”, sagt die Britin Linda Jenkinson, eine von 11 Helfern, die dort tätig ist. Wir treffen sie, als sie hinter dem Tresen steht und Kleidung sortiert. Nur was in gutem Zustand ist, wird verkauft. Die Einnahmen fließen in die Futter- und Tierarztkosten für die vielen ausgesetzten Tiere, die in der Quinta de São João in Estombar Obdach gefunden haben. In Quarteira gibt es auch einen solchen Laden, der hilft, die «Quintinha dos Animais» in Goldra zu finanzieren. Wer weiß, vielleicht finden Sie dort auch etwas…








